1. Bundesliga 16/17
| 14.09 Uhr

Irre Meisterwette um den FC
Kölner Wettbüro zittert um zwei Millionen Euro

1. FC Köln lässt Wettbüro um die Existenz bangen
Der Erfolg des 1. FC Köln könnte ein Wettbüro teuer zu stehen kommen. FOTO: dpa, mb jai
Köln. Bester Saisonstart seit 29 Jahren, nach sieben Spieltagen Tabellenzweiter hinter Bayern München, seit Mitte April ungeschlagen: Die überraschende Erfolgswelle des 1. FC Köln in der Bundesliga lässt die ersten Anhänger der Rheinländer schon von der Meisterschaft träumen - und die ersten Wettanbieter in der Domstadt vor einem zweiten Leicester City zittern.

"Wenn der FC tatsächlich Meister werden sollte, müssten wir knapp zwei Millionen Euro auszahlen", sagte Wettbürobetreiber Mark Debler dem SID. Mit seinem Bruder hatte der Neffe von Kölns Ex-Nationalspieler Gerd Strack vor der Saison die Quote 999:1 auf den Titelgewinn der Geißböcke angeboten. Obwohl die Quote mittlerweile auf 400:1 reduziert wurde, sind insgesamt rund 70 Tipper eingestiegen.

Kölns Erfolgstrainer Peter Stöger gehört nicht zu diesen Zockern. "Wenn ich auf der sicheren Seite sein möchte, würde ich diese Wette so nicht platzieren", sagte der Österreicher am Donnerstag und zeigte sich in seiner süffisanten Art "überrascht, dass in Köln nur so wenige Leute diese Wette platziert haben".

Womöglich werden es nach Samstag ja noch ein paar mehr. Als "Spitzenzweiter", wie die Kölner bereits im Überschwang von einigen Fans genannt werden, könnte der FC durch einen Sieg beim Tabellenvierten Hertha BSC (15.30 Uhr/Sky) nämlich erstmals seit 20 Jahren gar die Tabellenführung erobern. Dafür bräuchte der FC neben drei Punkten allerdings Schützenhilfe durch den Erzrivalen Borussia Mönchengladbach, der dazu im Samstagabendspiel bei Serienmeister Bayern München mindestens ein Unentschieden holen müsste.

Auch wenn am Geißbockheim niemand von der Champions League oder gar vom Titel redet, ist den Kölner Spielern das Selbstvertrauen des starken Starts deutlich anzumerken. "Unsere Qualität ist hoch, deutlich höher als in den vergangenen Jahren", sagte FC-Kapitän Matthias Lehmann dem kicker: "Wir wissen, dass wir großes Potenzial haben. Wir wollen so lange wie möglich oben bleiben."

Verteidiger Dominique Heintz rechnet denn auch trotz Kölns "Berlin-Allergie" mit acht Niederlagen aus den vergangenen zwölf Vergleichen keineswegs mit einem Rückschlag. "Die Berliner spielen zuhause dominant", räumte der Verteidiger zwar ein, "aber sie wissen auch, wer zu Besuch kommt."

Stöger, der nach der Genesung von Verteidiger Dominic Maroh personell aus dem Vollen schöpfen kann, setzt auf das bewährt flexible Spiel aus einer kompakten Grundordnung, die auf "den Grundtugenden Fleiß, Konsequenz, Konzentration und Fitness" fuße. "Diese Tugenden hat die Hertha aber auch", sagte der 50-Jährige voller Wertschätzung.

Auch Berlin, das auf Valentin Stocker (Rotsperre) und Fabian Lustenberger (Beckenprellung) verzichten muss, freut sich auf das Duell der Traditionsklubs, zu dem 60.000 Zuschauer (4000 aus Köln) im Olympiastadion erwartet werden. "Es ist schön, ein Topspiel gegen Köln zu haben. Das zeigt, dass wir da sein können, wenn wirtschaftlich starke Teams schwächeln", sagte Hertha-Manager Michael Preetz.

Als größte Bedrohung für die mit vier Gegentoren äußerst sattelfeste Kölner Abwehr gilt Vedad Ibisevic, der in der Vorsaison alle drei Berliner Tore bei den Siegen gegen Köln (2:0 und 1:0) erzielt hatte. Köln setzt auf seine Doppelspitze mit Bundesliga-Toptorjäger Anthony Modeste (sieben Tore) und dem Japaner Yuya Osako (zwei Tore, drei Vorlagen), dessen Vertragsverlängerung bis 2020 am Donnerstag bekannt wurde.

(sid)
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