1. Bundesliga 16/17
| 07.52 Uhr

Spiel gedreht gegen den BVB
1. FC Köln ist Westdeutscher Herbstmeister

Fotos: Kölner Modeste jubelt nach Siegtor oben ohne
Fotos: Kölner Modeste jubelt nach Siegtor oben ohne FOTO: dpa, jgu hak
Köln. Der 1. FC Köln hat gegen Mönchengladbach, Schalke, Leverkusen und jetzt auch gegen Dortmund gewonnen – vier seiner sechs Siege hat er also gegen NRW-Teams geholt. Von Martin Beils

Jörg Schmadtke wusste dank seiner Lebenserfahrung und jahrzehntelanger Praxis in allen möglichen Funktionen des Profifußballs natürlich, was ihn und die anderen Beschäftigten des 1. FC Köln erwartete. "Der eine oder andere wird wohl nicht nüchtern nach Hause gehen", mutmaßte der Sportchef, bevor er den Weg von Müngersdorf hinüber ins Rechtsrheinische zur Weihnachtsparty in den Rheinterrassen antrat.

Es war ja auch eine perfekte Vorlage für ein frohes Fest, die seinen Profis mit dem Sieg über Borussia Dortmund gelungen war, die insbesondere der zuvor seit dem ersten Oktoberwochenende erfolglosen Torjäger Anthony Modeste mit dem 2:1-Siegtreffer auf den letzten Drücker geschafft hatte. Acht Minuten zuvor hatte Simon Zoller für den Ausgleich nach dem Kopfballtor durch Sokratis gesorgt. "Hopp oder top" (Schmadtke) hatten die Gastgeber in den Schlussminuten gespielt. Es war ihnen gelungen, die Partie zu "emotionalisieren", wie der Dortmunder Trainer Thomas Tuchel erkannt hatte.

Modeste setzte den Schlusspunkt hinter ein starkes Kalenderjahr. "Wir haben an keinem einzigen Spieltag in einer wirklich bedrohlichen Tabellenregion gestanden", stellten Schmadtke und sein Geschäftsführerkollege Alexander Wehrle fest, "dass dies bereits für viele völlig selbstverständlich zu sein scheint, zeigt, wie erfolgreich dieses Jahr war."

Vor allem die Bilanz gegen die regionale Konkurrenz fällt glänzend aus. Der FC hat in der Hinrunde gegen Borussia Mönchengladbach, bei Bayer Leverkusen, auf Schalke und jetzt gegen den BVB gewonnen. Anders als die anderen Westklubs mussten die Kölner allerdings nicht die Belastung durch einen europäischen Wettbewerb tragen und auch durch Länderspielabstellungen sind sie nicht so strapaziert wie zum Beispiel das Team von Trainer Tuchel. Der wies ganz zu Recht darauf hin, dass seine Mannschaft in der Hinrunde 30 Begegnungen bestreiten musste. Mehr als alle anderen deutschen Profiklubs. Auswahlspiele kamen hinzu.

"Früher gab es mal den Titel eines Westdeutschen Meisters", erinnerte Schmadtke. Doch das war vor seiner Zeit. Zuletzt in der Saison 1962/63. Der FC holte sich diesen Titel vor dem BVB - ein paar Wochen später standen die Kölner im Finale um die Deutsche Meisterschaft (1:3 gegen Dortmund). Jetzt sind sie eine Art Westdeutscher Herbstmeister - wenngleich sie in der alle 17 Spiele umfassenden, echten Tabelle hinter den vier anderen Westklubs liegen.

Die Basis für eine gute Weiterentwicklung nach dem Jahreswechsel ist gelegt. Die Europa-League-Ränge liegen in Reichweite. "Wer weiß, was noch kommt", deutete Dominic Maroh an, der als zentrales Glied eine Fünfer-Abwehrkette steuerte. Und Trainer Peter Stöger meinte, dass sein Team "so gut wie Dortmund dastehen würde", wenn es nicht nur gegen Spitzenklubs, sondern auch gegen die Vereine, "die in der Tabelle unter uns stehen, gewinnen würden". Die fehlende Konstanz und die mangelnde Durchschlagskraft gegen defensiv orientierte Mannschaften sind die Schwachpunkte. In den acht Heimspielen vor diesem Wochenende waren den Kölnern nur fünf Treffer gelungen, zuletzt stand viermal hintereinander die Null vorn.

Der Sieg gegen die Borussia sorgte nach den zuletzt ertragarmen Heimspielen für einen Stimmungsumschwung. Die Klubhymne in Klavierversion zu Handybeleuchtung, dann "In unserem Veedel" a capella von der Südtribüne - der Übergang von Besinnlichkeit hinein in den Karneval und zurück klappte perfekt. Gestern sangen 30.000 im Stadion Weihnachtslieder.

Das leidige Schiedsrichterthema, das den FC durch die Hinrunde begleitete, hatte, drohte auch an diesem Samstag wieder ein zentrales zu werden. Nach dem Handtor des Hannoveraners Leon Andreasen, der Elfmeterpunkt-Manipulation von Augsburgs Torhüter Marwin Hitz und der Eierkopp-Affäre zuletzt in Bremen. Als Dortmunds schwacher Linksverteidiger Joo Ho Park nun dem Kölner Pawel Olkowski im Strafraum auf den Fuß trat, blieb der Pfiff von Schiedsrichter Knut Kircher aus. Doch diese Episode war auf einmal nur noch ein Randaspekt. Genau wie die Tatsache, dass sich Zoller und Modeste mit ihrem Oberkörper-Posing überflüssige Gelbe Karten einhandelten.

Quelle: RP
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