1. Bundesliga 17/18
| 21.50 Uhr

Endspiel um Europa
Und plötzlich hat Köln etwas zu verlieren

Europacup-Träume: Und plötzlich hat der 1. FC Köln etwas zu verlieren
Konstantin Rausch (l.) und Jonas Hector diskutieren nach dem 2:2 in Leverkusen. FOTO: dpa, mb
Düsseldorf/Köln. Sollte der FC die erste Europacupteilnahme seit 1992 verpassen, wäre es eine Delle im Aufwärtstrend. Das Spiel am Samstag gegen Mainz entscheidet über Europa oder nicht. Von Stefan Klüttermann und Stephan Seeger

Eine Fähigkeit, die sie in Köln seit Jahr und Tag mit Hingabe pflegen, ist die Selbstironie. Über sich selbst lachen zu können, zählt zum kölschen Kulturgut. So wie der Gang zum FC - wo freilich über viele triste Spielzeiten hinweg die Selbstironie der Fans in Galgenhumor abdriftete, abdriften musste. Aber seit ein paar Jahren ist alles besser, und so steht der FC tatsächlich erstmals seit 25 Jahren wieder an der Schwelle zum Europapokal. Auch auf seiner eigenen Internetseite, auf der die Macher schon mal vorsorglich einen Menüpunkt "Europa" einfügten.

Doch wer dort klickt, bekommt eine inhaltsleere Seite angezeigt. "Under Construction", steht in Großbuchstaben neben einem Bild von Vereinsmaskottchen Hennes geschrieben. Der Geißbock trägt einen gelben Bauarbeiterhelm. "Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an diesem Vorhaben", heißt es dort. Stichwort Selbstironie. Doch selbst solch ein Augenzwinkern taugt dieser Tage nicht dazu, ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl rund um den FC zu übertünchen: das, an diesem Samstag mal wieder wirklich etwas zu verlieren zu haben. Denn zum Ende einer Saison, in der die Kölner an 31 von 33 Spieltagen auf Rang sieben oder besser dastanden, aus den Europapokalrängen rauszufallen, ginge als unverkennbare Delle im Aufwärtstrend der vergangenen Jahre durch.

"Hätte uns vor einigen Wochen jemand gesagt, dass wir mit einem Sieg mindestens Siebter sind, hätten wir sofort eingeschlagen", sagt Abwehrspieler Dominique Heintz. Aber aus "hätte" ist nun eben der Ist-Fall geworden: Schlägt der FC am 34. Spieltag die quasi geretteten Mainzer, ist er mindestens Siebter und wäre, gesetzt den Fall, Borussia Dortmund gewinnt das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt, für die Europa League startberechtigt. Doch Rang sieben deswegen als halbe Miete für den Europapokal zu betrachten, stört Trainer Peter Stöger. Und am 27. Mai, nach einer Woche als gefühlter Europa-League-Teilnehmer, durch eine Frankfurter Überraschung aus allen Träumen gerissen zu werden, wäre der emotionale GAU aus Kölner Sicht. Also ist Rang sechs der Wunschtraum. Der wäre am Samstag bei einem eigenen Sieg drin, wenn zeitgleich Freiburg nicht in München gewinnt oder die fünftplatzierten Berliner gegen Leverkusen verlieren.

Egal, welches Szenario nun eintritt: Es sind letztlich die Früchte des eigenen Erfolges, die eine gewisse Erwartungshaltung rund um den Verein haben wachsen lassen. Viele möchten die geradlinig positive Entwicklung unter dem Duo Stöger und Manager Jörg Schmadtke nun eben in der Rückkehr nach Europa münden sehen. Sie wäre die vorläufige Krönung einer finanziellen und sportlichen Konsolidierung seit dem vorerst letzten von fünf Wiederaufstiegen 2014. Zwölf und neun - so lauten die Platzierungen des FC in den vergangenen zwei Erstliga-Spielzeiten, da ergibt sich die Bewertung dieser Saison für manchen allein aus mathematischer Reihung.

Wie es ist, etwas aus der Hand zu geben, erfuhr der FC dabei im Derby bei Bayer 04 am Wochenende. Hätte der FC nach 2:0-Führung nicht noch 2:2 gespielt, würde er jetzt schon Platz sechs belegen und hätte alles in der eigenen Hand. Es soll als Schuss vor den Bug taugen, als letzter Impuls, das große Ziel nun auch tatsächlich zu erreichen. "Wenn wir es wirklich schaffen würden, wäre das für alle Kölner ein Traum. Dann würde der Ausnahmezustand herrschen", sagt Kölns Torhüter Timo Horn. Es ist keine allzu gewagte Prophezeiung. Feiern ist schließlich auch ein kölsches Kulturgut.

Quelle: RP
 
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