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Chaos bei 1860: Trainingsstart ins Ungewisse

TSV 1860 München: Trainingsstart ins Ungewisse beim Chaos-Klub
Neuer und alter Trainer: Torsten Fröhling. FOTO: dpa, shp nic
München. Am Montag startete 1860 München in die Vorbereitung auf die neue Zweitliga-Saison. Doch das Chaos bleibt.

Torsten Fröhling stand entspannt am Rande der Tartanbahn und beobachtete seine Profis beim obligatorischen Laktattest. Alles sah auf dem Nebenplatz des Olympiastadions nach einem standesgemäßen Trainingsauftakt bei einem normalen Fußball-Zweitligisten aus. Doch bei 1860 München ist derzeit nichts normal. Fünf Wochen vor dem Saisonauftakt versinken die Löwen weiter im Chaos.

Während Trainer Fröhling ("Es zählt jetzt alleine die Vorbereitung") und auch der umstrittene Sportchef Gerhard Poschner am Montag bemüht waren, einigermaßen die Fassung zu wahren, geht es in der Führungsetage weiter rund. Christian Waggershauser, neuer Interims-Chef des Verwaltungsrats bei 1860, sucht nach dem Rücktritt der gesamten Führungsmannschaft der Sechziger fieberhaft nach einem Notpräsidium. "Doch wer tut sich das denn noch an?", fragte Meister-Kapitän Peter Grosser bereits - und sprach den meisten Fans aus der Seele.

Derweil unternimmt Investor Hasan Ismaik sogar in der Trainerfrage seltsame Alleingänge. Der Jordanier soll laut Bild-Zeitung Stuttgarts Ex-Coach Huub Stevens kontaktiert haben. Sollte es den Anruf von Ismaik gegeben haben, sagte Stevens (61) der Bild, "dann hätte ich ihm gesagt, dass Sechzig Kontinuität braucht. Das ist ein größeres Projekt, und sie brauchen einen Trainer für drei, vier Jahre. Ob ich dafür der Richtige bin, weiß ich nicht."

Geht es nach Poschner, ist ohnehin Löwen-Retter Fröhling der richtige Coach. Doch Ismaik, der auch Felix Magath strikt ablehnt, hatte zuletzt schon in einem SZ-Interview durchklingen lassen, dass er diese Meinung überhaupt nicht teilt. Doch zu den ganzen Ränkespielen und der verworrenen Lage im Verein wollte sich Poschner nicht äußern. "Ich rede nicht über Politik, das ist nicht mein Bier", wehrte er am Montag entsprechende Nachfragen zum Wahnsinn beim Meister von 1966 ab.

Doch dass die akuten Probleme auch seine Verhandlungen mit möglichen Zugängen belasten, wollte er zumindest nicht abstreiten. Noch gibt es keinen Transfer zu vermelden, dabei sind ein bis zwei Spieler pro Mannschaftsteil fest eingeplant. Handlungsunfähig seien er und sein Geschäftsführer-Kollege Markus Rejek aber nicht, betonte Poschner: "Es gab bei der Lizenzierung ein Budget. In diesem Rahmen können wir uns bewegen."

Er fühle sich nach den "großen Fehlern" der vergangenen Saison auf jeden Fall "in der Verpflichtung. Mir ist bewusst, dass Vieles schief gelaufen ist", räumte der frühere Profi erneut offen ein. Man müsse die Bereitschaft haben, "alles auf Null zu stellen und muss die richtigen Lehren ziehen".

Poschner fing gleich einmal damit an und formulierte nicht wie in den vergangenen Jahren utopische Saisonziele. Diesmal geben sich die Löwen, die dem Absturz in die 3. Liga in letzter Sekunde entgangen waren, mit einem "gesicherten Mittelfeldplatz" zufrieden. "So eine Saison darf es definitiv nicht mehr geben", sagte der Sportchef.

Doch momentan deutet beim Chaos-Klub aus München wenig darauf hin, dass es besser wird. Auch bei Ex-Präsident Gerhard Mayrhofer ist die Hoffnung wohl gering, was seine Abschiedsworte bei Facebook unterstreichen: "Wer jetzt noch nicht verstanden hat, was mit unserem Verein passiert, wird es vermutlich auch nicht mehr verstehen."

(sid)
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