Hallenmeisterschaften in Mülheim: Abbruch nach Massenschlägerei
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 06.01.2008 - 15:35Mülheim an der Ruhr (RPO). Rund 1500 Fußball-Fans wurden am Samstagabend Zeugen einer Massenschlägerei bei den Mülheimer Hallen-Stadtmeisterschaften. 50 Zuschauer und Spieler waren aufeinander losgegangen. Der Veranstalter musste das Turnier abbrechen.
Am letzten Tag des fünftägigen Events trafen in der RWE-Rhein-Ruhr-Sporthalle im ersten Halbfinale A-Kreisligist Rot-Weiß Mülheim und Landesligist Galatasaray Mülheim aufeinander. Nach mehreren Platzverweisen - die türkische Mannschaft stand nur noch mit zwei Feldspielern auf dem Platz - eskalierte die Situation beim Spielstand von 2:2.
Auf den Platz gestürmte Zuschauer, Spieler und Betreuer lieferten sich eine wüste Schlägerei, auch die beiden Schiedsrichter wurden attackiert. "Mit 30 Beamten und dem Ordnungsdienst haben wir die Situation in den Griff bekommen", erklärte Uli Feldkamp, Pressesprecher der Mülheimer Polizei, am Tag danach im Gespräch mit unserer Redaktion. Zwei Personen mussten demnach verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.
Schiedsrichter, der Einsatzleiter der Polizei und die Veranstalter zogen sich zu Beratungen zurück, nach einer halben Stunde wurde das Turnier abgebrochen. Einen Sieger gibt es bei der 36. Auflage der Veranstaltung zum ersten Mal nicht. "Die Sicherheit von Fans und Spielern war nicht mehr gewährleistet", so Feldkamp, der niemanden als Schuldigen abstempeln wollte.
Hausverbot für fünf Personen
"Ich frage mich aber, warum Fans aus Essen und Velbert für ein solches Turnier anreisen. Die sind doch bestimmt nicht nur am Fußball interessiert." Schon während der Vorrundenspiele hatten Fans des Oberligisten VfB Speldorf Ärger gemacht, fünf Personen wurde Hausverbot erteilt. Für Sicherheit sorgte diese Maßnahme aber nicht.
Wolfgang Krutzke, der Vorsitzende des Mülheimer Schiedsrichterausschusses, hatte die Geschehnisse vom Spielfeldrand verfolgt. "Galatasaray hat sich ganz mies verhalten, die Mannschaft und die Fans. Die haben gespuckt, geschlagen und getreten. Ich plädiere dafür, den Klub in Zukunft von diesem Turnier auszuschließen."
Ausschreitungen mit Tradition
Schon einmal hatte der Verband Mülheimer Fußballvereine den türkischen Verein für ein Jahr gesperrt, nach dem es 2005 zu Ausschreitungen gekommen war. Pikant: Auch damals hieß der Gegner im Halbfinale Rot-Weiß Mülheim.
In diesem Jahr soll es während der Partie zu Provokationen des türkischen Teams gekommen sein. Mehrere Zuschauer berichten von Gesängen wie "Auf geht's Deutschland, schießt ein Tor", nicht nur die Rot-Weiß-Fans sollen daran beteiligt gewesen sein.
"Außerdem gab es immer wieder rassistische Äußerungen. Das war schlimm und hat die Atmosphäre noch weiter aufgeheizt", so Trainer Hasan Yildirim: "Keiner kann etwas dafür, dass er Türke oder Deutscher ist. Ich bin hier geboren, ich liebe Deutschland. Warum passiert sowas?" Die Polizei bestätigte derlei Provokationen unterdessen nicht.
Der Grund für die Randale seien aber weder Sprüche noch Gesänge gewesen. "Die Schiedsrichter sind Schuld an allem, deswegen sind die Emotionen hochgekocht. Das waren zwei junge Bengel, die haben kein Fingerspitzengefühl gezeigt und meine Spieler unberechtigterweise vom Platz gestellt. Die hatten noch gar keine Erfahrung." Entschuldigen müsse sich sein Team nicht, "es ist halt passiert und jetzt sollte man die Sache abhaken."
Die beiden Schiedsrichter sind übrigens 25 und 27 Jahre alt und seit zehn Jahren im Geschäft. Der jüngere pfeift Bezirksliga, der ältere ist in der Verbandsliga im Einsatz.
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