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Blamage vor DFB-Bundestag
Aufstiegsreform für Regionalliga vorerst gescheitert

Porträt: Reinhard Grindel: Der neue DFB-Präsident
Porträt: Reinhard Grindel: Der neue DFB-Präsident FOTO: dpa, fis jhe
Frankfurt. Nach jahrelanger Kritik sollte an diesem Freitag bei einem DFB-Bundestag endlich ein neues Modell für den Regionalliga-Aufstieg beschlossen werden. Doch daraus wird wohl nichts. Die vielen Fußball-Landesverbände können sich einfach nicht einigen.

Waldhof Mannheim. Kickers Offenbach. Bayern München II. Das sind nur die drei namhaftesten Vereine, die in den vergangenen Jahren in den umstrittenen Aufstiegsspielen der Fußball-Regionalligen gescheitert sind. Eigentlich sollte diese Regelung am Freitag beim Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes endlich geändert werden. Doch daraus wird nun erst einmal nichts.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung und Informationen der Deutschen Presse-Agentur droht die Reform vorerst zu scheitern, weil sich die vielen Landesverbände auf kein neues Modell einigen können. Bei einem Gipfeltreffen von DFB-Präsident Reinhard Grindel mit den regionalen Vertretern wurde am Mittwochabend in Frankfurt am Main kein Kompromiss mehr gefunden.

Dem "Bild"-Bericht zufolge soll das Thema nun sogar komplett von der Tagesordnung des Bundestages gestrichen werden. Stattdessen soll eine Experten-Kommission die Zeit bekommen, um eine Regionalliga-Reform jenseits aller sportpolitischen Streitigkeiten zu erarbeiten.

Auf der einen Seite ist das ganz im Sinn der DFB-Spitze, die hitzige Diskussionen und eine Kampfabstimmung am Freitag im Congress Center der Frankfurter Messe unbedingt vermeiden möchte. Auf der anderen Seite passt diese Entwicklung auch gut zur desaströsen Verfassung, in der sich der Verband in diesen Monaten präsentiert.

Überall gibt es Baustellen, die selbst verschuldet sind. Dazu gehören die chaotische Umsetzung des Videobeweises, der Streit im Schiedsrichter-Wesen, die Aufregung um den Grundlagenvertrag mit der DFL und die massiven Steuernachzahlungen im WM-Skandal. Der Versuch, die Regionalligen zu reformieren, kommt jetzt noch dazu, denn auch dieser Prozess war bislang durch heftige Auseinandersetzungen und ein Gefeilsche hinter den Kulissen geprägt. Auch hier hat sich die DFB-Spitze um Reinhard Grindel mit großem Eifer eingeschaltet, aber letztlich kaum etwas in den Griff bekommen.

Das Problem der Regionalliga-Reform ist: Es stehen gleich sieben verschiedene Modelle zur Diskussion. Aber bei jedem müsste irgendein Landesverband Zugeständnisse machen, zu denen er nicht bereit ist. Vor allem die Vertreter der neuen Bundesländer beharren wie bisher auf einer eigenen Regionalliga, der Staffel Nordost.

Am einfachsten wäre es, in Zukunft vier statt fünf Regionalligen zu betreiben und jeden Meister am Ende einer Saison direkt aufsteigen zu lassen. Doch dann wäre die Frage: Wo verlaufen die Grenzen? Je eine Staffel im Norden, Süden, Osten und Westen würde die besonders mitgliederstarken Regionen im Westen und Südwesten benachteiligen.
Einen Teil der ostdeutschen Vereine in eine Nord-Staffel zu integrieren und den anderen Teil gegen bayerische Vereine antreten zu lassen, würden wiederum die Nord-Ost-Vertreter nicht mitmachen.

Grindel ist deshalb für ein Konsens-Modell: Danach soll es bei fünf Regionalligen bleiben, aber künftig vier statt bisher drei Aufsteiger geben. Der Meister des Westens und des Südwestens soll jedes Jahr direkt aufsteigen, der dritte feste Aufstiegsplatz nach einem Rotationsmodell an den Erstplatzierten aus dem Norden, Nordosten oder Bayern gehen. Der vierte Aufsteiger müsste in zwei Playoff-Spielen zwischen den Meistern der übrig gebliebenen Ligen ermittelt werden.

Aber auch für dieses sportlich komplizierte Verfahren gibt es keine Mehrheit. Und so bleibt es vorerst bei dem Modell, das alle seit Jahren kritisieren: Fünf Regionalliga-Staffeln, die nach jeder Saison nur drei Aufsteiger in drei Playoff-Duellen ermitteln.

Auch der DFB-Bundestag kann sich so wieder jenem Thema widmen, das der eigentliche Grund für seine Einberufung war: die Abstimmung über die DFB-Akademie. Jahrelang hat der bisherige Rennbahnbetreiber dieses Prestigeprojekt verzögern können. Jetzt steht aus Sicht des DFB endlich die Entscheidung über den Bau des bis zu 150 Millionen Euro teuren Leistungs- und Verwaltungszentrums auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn an. Die DFB-Spitze rechnet mit einer Zustimmung. "Wir benötigen einen neuen Impuls in der Nachwuchsarbeit. Wir sind in den europäischen Klubwettbewerben aktuell nicht so erfolgreich, wie wir uns das wünschen", sagte Generalsekretär Friedrich Curtius der "Frankfurter Rundschau". "Es wäre ein großer Fehler, wenn wir uns auf den Erfolgen ausruhen würden."

(dpa)
 
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