Peter Meyer war ein Vollblutstürmer: Dä Pitter wird 65
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 16.02.2005 - 11:03Düsseldorf (RP). Wenn es um seine Fortuna ging, kannte Peter Nießen kein Pardon. Der alte Mann mit dem grauen, ein wenig wilden Haar war Platzwart am Flinger Broich. Und weil ihm nichts verborgen blieb im Klub, hörte er auch von einem Gerücht, das ihn nicht mehr zur Ruhe kommen ließ: „Dä Pitter” war zum Probetraining nach Mönchengladbach eingeladen. Das aber, so dachte sich Peter Nießen, musste unter allen Umständen verhindert werden indem er die Fortuna-Bosse über Meyers Pläne informierte.
Schatzmeister Heinz Hahn ist daraufhin nach Gladbach gekommen und hat mich dort im Trikot vom Platz weggeholt”, erinnert sich Peter Meyer. Und mit breitem Lachen fügt er hinzu: „Peter Nießen hat mich verraten.”
In die Fremde hatte den gebürtigen Düsseldorfer ohnehin nichts gezogen; deshalb waren auch die Bemühungen des 1. FC Köln, Meidericher SV und VfB Stuttgart fehl geschlagen, den Vollblutstürmer zu verpflichten. „Ich war eben ein Düsseldorfer Junge”, erzählt Meyer. Was ihn nicht daran hinderte, ein paar Jahre später, nach Fortunas Bundesliga-Abstieg 1967, doch noch einen Vertrag bei der Borussia zu unterschreiben.
Als Junge wollte Peter Meyer („Ich habe die Schule vernachlässigt, weil ich einfach fußballverrückt war”) ursprünglich immer nur Tore verhindern. Denn Toni Turek, Fortunas legendärer Torhüter aus der Weltmeisterelf von 1954, war sein großes Vorbild. Erst Jupp Hassels, Jugendobmann von Turu Düsseldorf, für die Meyer vor seiner großen Fortuna-Zeit spielte, entdeckte sein Stürmertalent, „weil ich so gut dribbeln konnte fummeln, wie man damals sagte”. Von da an war der Schwarzhaarige Jahr für Jahr in seinen Teams Torschützenkönig und wegen seiner volksnahen Art Liebling der Fans.
Ein rechter Schlingel war „dä Pitter” allerdings auch und den schönen Dingen des Lebens so sehr zugetan, dass Fortuna ihm sogar mal einen Detektiv hinterherschickte, um ihn bei den feuchtfröhlichen Streifzügen zu erwischen. „Wir hatten in den 60er Jahren vier Spaßmacher im Klub. Das waren Horst Häfner, Jupp Hellingrath, Hermann Straschitz und ich”, erzählt Peter Meyer. „Und wenn bei Fortuna was los war, dann war einer von uns immer dabei.”
Selbst im fernen Teheran „haben wir alle ein bisschen gebechert”. Dreieinhalb Wochen waren die Düsseldorfer damals unterwegs. In Persien, wo die Menschen auf den Straßen gegen den Schah aufbegehrten, Panzer auffuhren und sogar geschossen wurde, so dass die Spieler in den nahe gelegenen Bergen in Sicherheit gebracht wurden. Auf Ceylon (heute Sri Lanka) und in Ost-Pakistan (Bangladesch), in Ägypten bei 54 Grad Hitze. „16 Pfund habe ich während der Reise abgenommen”, erinnert sich Meyer. „Und ein Schweizer, der die Reise vermittelt hatte, war plötzlich mit dem ganzen Geld, das Fortuna bekommen sollte, abgehauen.”
In Mönchengladbach machte Peter Meyer an der Seite von Günter Netzer noch einmal Furore, als er in 19 Bundesligaspielen 19 Tore schoss eine Traumquote. Beim 0:0 in Albanien trug er das Nationaltrikot und rechnete sich sogar Chancen auf die WM-Teilnahme aus, bevor ein Schien- und Wadenbeinbruch seine Profikarriere praktisch beendete. Borussia war zu einem Demonstrationslehrgang vor Verbandstrainern in die Sportschule Duisburg-Wedau eingeladen, als er beim Spiel Sturm gegen Abwehr mit seinem Torwart Volker Danner zusammenprallte. Er spielte später nur noch einmal 45 Minuten lang in der Bundesliga - im August 1969.
Mit Gerd Sehl, einem ehemaligen Fortuna-Kameraden, leitet Meyer in Düsseldorf-Oberbilk ein Reparaturunternehmen für Autokupplungen. Am Freitag wird „dä Pitter” 65.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







