Fortuna in Chemnitz: Der Traum geht weiter
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 14.11.2005 - 11:07Frank Mayer lehnt an der Wand des Spielertunnels. Sein Gesichtsausdruck verrät ganz klar: Der 28-Jährige ist einfach nur noch traurig. „Bitte haben Sie Verständnis”, sagt der Stürmer des Fußball-Regionalligisten Chemnitzer FC höflich. „Zu diesem Spiel möchte ich nichts sagen. Gar nichts.” Auch viele freundliche Händedrücke und eine innige Umarmung mit Marcel Podszus, der im Gegensatz zu ihm noch immer das Fortuna-Trikot trägt, ändern nichts an Mayers Stimmung.
Wie sollten sie auch? Der Blondschopf ist zwar der aktivste Stürmer seiner Mannschaft gewesen, hat aber eine hundertprozentige Torchance vergeben, die das 1:0 für den CFC bedeutet hätte. Danach hat sein Klub im eigenen Stadion eine 0:4-Klatsche kassiert, gegen Mayers Ex-Verein.
Und Trainer Dietmar Demuth hat ihn aus unerfindlichen Gründen auch noch ausgewechselt, nach nur 57 Minuten. Die Ex-Kollegen fühlen sichtlich mit dem beliebten „Fränkie” aber das ist auch schon das Einzige, was den Jubel bei Fortuna ein wenig dämpfen kann. 4:0 in Chemnitz, der nächste Husarenritt. Sieben Pflichtspiele in Folge ohne Niederlage, sechs davon gewonnen. Sechs Punkte und 7:0 Tore aus den letzten beiden Auswärtsspielen. 505 Minuten ohne Gegentreffer. Von Platz 19 auf Platz acht geklettert. Zahlen, die kaum zu glauben sind nach dem verkorksten Saisonstart mit vier Niederlagen.
„Jetzt haben wir eine geile Rückfahrt”, ruft Kapitän Dirk Böcker in die Runde. Doch einen Augenblick später ist er schon wieder auf dem Boden eine Tatsache, die Trainer Uwe Weidemann an seiner Mannschaft sehr schätzt. „In den ersten 20 Minuten waren wir nicht auf dem Platz”, sagt Böcker. „Das darf nicht passieren. Wenn wir da in Rückstand geraten, dürfen wir uns nicht beschweren.”
Seine Mitstreiter sagen fast das Gleiche, man spürt die hohen Ansprüche, die die Truppe sich selbst setzt. Aber ein wenig Lob darf auch sein, wie bei Marcus Feinbier: „Wir haben einfach einen Lauf. Die Gemeinschaft zeichnet uns aus.” Kein Wort von der glänzenden eigenen Leistung des 35-Jährigen, die nur noch von der Galavorstellung von Marcel Podszus übertroffen wurde, dem einfach alles gelang. „Die Jungs sind noch enger zusammengerückt”, sagt Trainer Uwe Weidemann. „Das sind keine Worthülsen, das zeigen sie auch auf dem Platz. Einer läuft für den anderen, sie sind geil auf Erfolg.” Podszus (2), Feinbier und Tim Kruse drücken das mit herrlichen Toren auch zahlenmäßig aus.
Der Trainer der Chemnitzer beschönigt nichts. „20 Minuten lang haben wir eins unserer besten Spiele gemacht”, meint Demuth, „aber Düsseldorf hat mit seiner ganzen Klasse unsere Fehler fürchterlich bestraft. Das tut weh, das sind Schmerzen. Am Ende sind wir mit dem 0:4 sogar noch gut bedient.” Fortunas Traum aber geht weiter.
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