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Martin H. Tätzner berichtet aus Chemnitz: "Ein Weltklassetag"

zuletzt aktualisiert: 15.11.2005 - 12:16

Chemnitz (rpo). Etwa 500 Düsseldorfer begleiteten ihre Fortuna zum Auswärtsspiel nach Chemnitz. Bei strahlendem Sonnenschein sahen sie einen triumphalen 4:0-Erfolg ihrer Mannschaft. Fortuna-Fan Martin H. Tätzner alias der mattn berichtet für RP Online von seinen Erlebnissen während dieser Fahrt.

Unsere Tour nach Chemnitz begann schon vor einem halben Jahr- im Internet. Bei einem großen Auktionshaus wurden Gutscheine für Doppelzimmer meistbietend versteigert. Im Angebot unter anderem auch das Renaissance „Wellness“ Hotel in Chemnitz. „anutrof“, Teil der berühmt-berüchtigten „Nordconnection“, lag bereits auf der Lauer. Ein paar Mausklicks im richtigen Moment und wenig später war er stolzer Besitzer von zwei Übernachtungen für je zwei Personen in insgesamt vier Doppelzimmern inklusive Frühstück für durchschnittlich 72 Euro - pro Zimmer!

Soweit, so gut. Aber wir sind immer noch Fortuna. In der Chemnitz- „Vorbereitung“ kam es also zu einigen „Umdisponierungen“, wodurch letztlich ein Platz frei wurde, welchen ich dann kurzfristig noch ergattern konnte. Als kleine „Revanche“ für die Autotour nach Berlin wollte der „Düsseltaler“ diesmal den Kutscher mimen. Aber auch hier; „Wir sind Fortuna Düsseldorf“, also ereignete sich Donnerstagabend, zwölf Stunden vor der geplanten Abfahrt, nahe der Brehmstrasse noch ein folgenreicher Auffahrunfall, der unser ursprüngliches Beförderungsmittel außer Gefecht setzte. Ein Ersatz wurde jedoch schnell in Form von meinem eigenen Wagen gefunden.

Freitagmorgen ging es dann (obligatorische 30 Mattn-Minuten nach vereinbarter Zeit) los in Richtung Chemnitz. Die relativ unspektakuläre Fahrt endete Stunden später nach circa 450 Kilometern am Hauptbahnhof Chemnitz. Einprägsames Bild: Unmittelbar vor dem Haupteingang des Bahnhofes steht (noch) das alte Hotel Carola, was auf den ersten Blick wirkt, wie eine Art Spukschloss. Heruntergekommene Fassade, kaum ein unbeschädigtes Fenster und ein Dach, das hoffentlich schon mal dichter war. Die Ankunft von „anutrof“ stand kurz bevor und so wurde mitgebrachtes Altbier zwecks adäquaten Empfangs mit zum Bahnsteig genommen. Kurz nach Öffnen der ersten Biere kamen auch Meik Gahlmann (ohne Worte), Ostsee (ebenfalls „Nordconnection“) und seine Freundin zum Bahnsteig; das Empfangskomitee war somit vollzählig.

Gemeinsam ging es dann zum Hotel. Kurz eingecheckt, Zimmer begutachtet, Altbierzwischenlagerung in der Minibar… Ungewöhnlich das Schließsystem. Es gibt dort nämlich keine Schlüssel, sondern eine Key-Card, mit der man bestimmte Türen im Hotel öffnen kann. Ohne diese Karte werden die Zimmer außerdem stromlos geschaltet. Irgendwie ist das symptomatisch für den Osten bzw. den kleinen Teil, den wir in den zweieinhalb Tagen mitbekommen haben. Entweder Hightech oder eben Bauruine. Hopp oder Top. Ein paar Willkommensbiere später ging es dann um kurz nach Neun auch schon wieder zum Bahnhof, das zweite Empfangskomitee war gefordert, denn diesmal sollten die Berliner ankommen.

Auch hier funktionierte der Transport mit der Bahn ungewöhnlich gut und „Undercoverbln“ und „der Unioner“ kamen mit respektabler Berliner Kindl- „Füllung“ am Bahnhof an. Zurück im Hotel wurde auch das letzte Zimmer bezogen, und unser „Krokodil“ bekam Hunger… Und wenn Krokodile nämlich Hunger haben, dann sollte man diesem Anliegen eine möglichst hohe Priorität einräumen… In einem Brauhaus in der Innenstadt gab es dann neben einem „Hellen“ und einem „Kupfer“ aus der Hausbrauerei auch eine Portion Bratwurst mit Kartoffelpüree und Sauerkraut für 3,90 Euro. Preislich war übrigens das gesamte Wochenende unglaublich günstig. Die Menschen im Osten bekommen für die gleiche Arbeit leider weniger Geld, da stimmt versöhnlich, dass wenigstens die Preise angepasst sind.

Radschläger kollektiv bestiegen

Beim Verlassen des Lokals herrschte dann allgemein eine sehr gute Stimmung, das Krokodil war satt, und das einheimische Bier konnte man auch trinken… Dies veranlasste uns spontan, den in der Partnerstadt Düsseldorfs aufgestellten Radschläger kollektiv zu „besteigen“. Nach diesen sportlichen Leibesübungen und dem Fußmarsch zurück durch Chemnitz’ Strassen passierte folglich im Hotel „nicht mehr viel“. In der Lobby trafen wir noch einen Lok-Leipzig-„Fan“. Dessen Kumpel konnte überhaupt nicht verstehen, dass wir für ein Drittligaspiel nach Chemnitz fahren. Er wäre immer für die, „die guten Fußball spielen“. Um es kurz zu machen: Wir haben ihn auch nicht verstanden.

Und dann, während die ersten Busse mit Fortunen sich auf den Weg in den Osten machten, gingen bei uns langsam die Lichter aus… Am nächsten Morgen waren alle wieder erstaunlich früh auf den Beinen und so saßen wir bereits um neun Uhr gemeinsam beim Frühstücksbuffet. Da wir immerhin in einem Fünf-Sterne-Wellness Hotel logierten, wurde nach dem Frühstück auch noch der Poolbereich aufgesucht. Schwimmbecken, Whirlpool, Sauna. Wer sich derart vorbereitet, kann ein Spiel eigentlich gar nicht mehr verlieren, dachten wir. Eine besondere Augenweide war einmal mehr der Herr „Düsseltaler“, der für die Wasserspiele einen eigenen (rot-weißen!) Schwimmanzug mit formvollendeter Badekappe trug- Weltklasse! Nach Anti- Aging- Aufguss, Aquarobic und Erlebnisduschen haben wir die T’aiChi-, FengShui- und Reiki- Welt wieder verlassen und hinterließen eine etwas pikiert drein blickende „Poolbetreuerin“, die sich merklich wunderte, was denn das viele Wasser neben dem Becken sollte…

Auf zum Spiel

Top-fit ging es zu Fuß durch Chemnitz zum „Stadion an der Gellertstraße“. 250 Meter neben dem „Pitch“ suchten wir noch die „Getränke Welt“ auf, wo es „der Unioner“ schaffte, unmittelbar vor dem Spiel und mitten in Chemnitz, ein (Diebels) Altbier zu erstehen - für 81 Cent inkl. Pfand! Im Stadion trafen wir zunächst auf Frank Mayer, der zwar noch nicht sicher sagen konnte, ob er denn spielen wird, aber in diesen Fall definitiv ein Tor machen wollte. Nach und nach trafen auch die Busse aus Düsseldorf ein und die obligatorischen Begrüßungsrituale wurden abgefeiert, bis dann irgendwann das Spiel begann. Beide Fanlager begrüßten sich den Umständen entsprechend „höflich“.

Der Düsseldorfer Gästeblock war eine bunte Mischung aus vorwiegend dunkel gekleideten Fortunen, einigen lila-weißen aus Aue, Dresdnern und selbstverständlich auch vielen Rot-Weißen; insgesamt circa 500 fanden sich so im Stehplatz-Gästeblock ein. Über Chemnitz kaum eine Wolke, noch lachte nur die Sonne, welche tief am Novemberhimmel stand und lange Schatten der Spieler auf den Rasen warf.

Die erste Hälfte ereignete fast ausschließlich in der Angriffshälfte der Chemnitzer, die die Partie in Richtung der Sonne spielend begannen. Ungefähr 20 Minuten lang, sah man kaum etwas von der Partie, außer bis zu 21 Mann in der Hälfte der Fortunen. Der erste Konter der Fortuna mündete noch in einer Abseitsstellung, der zweite aber hatte es in sich. Die weit aufgerückten Chemnitzer standen dem schnellen Gegenangriff Podzsus’ und Feinbiers relativ chancenlos gegenüber und der erste „richtige“ Torschuss bedeute tatsächlich die Führung für Fortuna!

„Mayer ist rot-weiß!“

Nachdem der Düsseldorfer Block „Mayer ist rot-weiß!“ angestimmt hatte, wurde dieser ausgewechselt und Fortuna schraubte das Ergebnis bis zum Spielende noch auf ein unglaubliches 0:4! Eigentlich reichen auch nur 5 Buchstaben aus, um das weitere Geschehen im ehemaligen Karl-Marx-Stadt zu beschreiben: Party! Nach dem Spiel verabschiedeten wir uns von allen, die nun per Bus die Heimreise antraten- dachten wir zumindest. 20 Meter später sahen wir uns nämlich schon wieder, da die Busse zunächst noch einmal ins Stocken gerieten. Kurze Zeit später ging es dann aber letztlich doch zurück gen Westen.

„Lieber tapfer am Zapfhahn als bewusstlos auf Bus-Klos“ dachten wir „Zurückgebliebenen“ und machten uns auf zurück ins Hotel. Zu diesem Zeitpunkt waren der Herr Gahlmann und „der Düsseltaler“ schon wieder zurück im Hotel. Die Last eines DIN-A2-Spielankündigungsplakates und die Euphorie des Sieges dehnten unseren „Heim“weg nämlich noch auf beachtliche zweieinhalb Stunden(!) aus, inklusive Posieren vor dem bekannten Karl Marx- Denkmal… Im Hotel trafen wir uns alle wieder, bestellten ein Großraum-Taxi und machten uns auf zum „Diebels Fasskeller“, um den Sieg zu begießen und noch ein paar „Bekannte“ zu treffen.

Im Taxi kam unsere obligatorische Frage „Wie hat eigentlich der CFC gespielt?“ nicht so gut an, wie erwartet. Schade eigentlich. Obwohl, nüchtern betrachtet. hätte man sich dies bei der „Frisur“ des Fahrers bereits denken können. Es blieb dann aber doch- den Umständen entsprechend ruhig im Taxi. Nach der Fahrt zahlten wir (auch hier einen sehr moderaten Preis) und der Fahrer steckte das Geld ein- und zwar in sein Portemonnaie mit einem überdimensional großen CFC Aufkleber…

Zum Abschluss eines Weltklasse-Abends

Der folgende Abend ist eigentlich einen eigenen Bericht wert und daher sei nur erwähnt, dass es ein überragender Abschluss eines Weltklasse- Tages war. Vielen Dank an alle, die dabei waren, besonders natürlich an Franky, du bist ein super Typ. Deine DVD bekommst du natürlich so schnell wie möglich. Und vergiss uns nicht! Wir vergessen Dich auch nie! Erneut im Taxi ging es zurück ins Hotel und einer der beiden Berliner hat jetzt eine verliebte Taxifahrerin in Chemnitz, die dort auf ihn wartet. Auch, wenn es ein fast perfektes Wochenende war, bleibt zu hoffen, dass sie dort noch lange warten muss - sportlich gesehen, versteht sich.

Im Zimmer wurden noch ein paar Spreewaldgurken in Dosen als kleinen Mitternachtssnack verzehrt. Nachdem „Zimmer 353“ nicht mehr überredet werden konnte, uns zu besuchen und mit uns zu feiern, fielen uns dann auch irgendwann glücklich und erschöpft die Augen zu. Am nächsten Morgen wurde teilweise erneut das Wellness-Programm genutzt, nach dem Frühstück aber auch schon die Heimreise angetreten. Jetzt sitzen wir hier und können es nicht erwarten, dass wir uns alle möglichst schnell wieder sehen.

Erfolg macht sexy - und süchtig.

Euer Martin H. Tätzner,  dermattn.de


 
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