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Regionalliga Nord: Fortuna-Desaster in Babelsberg

VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 18.11.2007 - 15:37

Potsdam (RPO). Die erhoffte Wende blieb aus, die Punktspielpremiere von Fortunas Interims-Coach Wolf Werner auf der Düsseldorfer Trainerbank ging gründlich daneben: Beim abstiegsgefährdeten SV Babelsberg 03 kassierte eine erschreckend schwache Düsseldorfer Elf eine 0:3 (0:0)-Niederlage und verpasste damit den erhofften Sprung an die Tabellenspitze der Regionalliga Nord.

Trainer Wolf Werner zeigte beim 0:3-Desaster am Spielfeldrand  keine Emotionen.  Foto: rpo, Falk Janning
Trainer Wolf Werner zeigte beim 0:3-Desaster am Spielfeldrand keine Emotionen. Foto: rpo, Falk Janning

Im ersten Durchgang hielt die Fortuna, die sich am vergangenen Montag nach drei Jahren vom bisherigen Coach Uwe Weidemann getrennt hatte, noch ein 0:0. Nach der Pause brachen alle Dämme. Shergo Biran schockte die Werner-Elf mit dem 1:0 für Babelsberg in der 57. Minute. Daniel Frahn (74.) und Patrick Moritz (82., Foulelfmeter) erhöhten später für die erwartet kampfstarken Potsdamer.

In dieser Verfassung müssen sich die Rot-Weißen keine Gedanken über den Aufstieg in die 2. Liga machen. Ein Großteil der 600 mitgereisten Düsseldorfer Fans verließ nach dem dritten Gegentreffer fluchtartig das Karl-Liebknecht-Stadion, wollte sich das Elend nicht länger mit ansehen. Trainer Werner nahm nach dem Schlusspfiff auch gar kein Blatt vor den Mund, versuchte gar nicht, die katastrophale Anti-Leistung seiner Schützlinge in ein besseres Licht zu rücken.

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"Das ist ein Desaster", erklärte der neue Mann auf der Trainerbank. "Das eigentlich enttäuschende an dem Spiel ist, dass ich in meiner Mannschaft keinen Spieler gesehen habe, der wirklich Tabellenführer werden wollte."

Eine Halbzeit ging die stark abwartende und auf Vorsicht bedachte Düsseldorfer Haltung gut. Als die Gastgeber nach dem Wechsel aber den Druck erhöhten und einen leidenschaftlichen Kampf zeigten, stießen die ängstlich wirkenden Fortunen schnell an ihre Grenzen und hatten den Angriffen nichts entgegenzusetzen.

"Wenn man nur mitspielen will, ist das einfach zu wenig", klagte Werner. Einige in seiner Mannschaft hätten geglaubt, mit Fußball spielen zum Erfolg kommen können, klagte der Trainer, der sich den Schreckens-Kick nach Außen völlig gelassen auf seinem Stuhl neben der Ersatzbank ansah. Beim 3:2-Sieg im Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Köln am vergangenen Dienstag war er  dagegen schon nach zwei Minuten wegen eines emotionalen Ausbruchs vom Unparteiischen ermahnt worden.

In Potsdam war die Köln-Euphorie schnell verflogen, denn schnell wurde klar, dass die Probleme Weidemanns nun die Probleme des Nachfolgers sind und sich nicht in Luft aufgelöst haben. Schlimmer noch: Beim 1:1 gegen Braunschweig vor Wochenfrist zeigte Fortuna während der letzten 20 Minuten bedingungslosen Einsatz. Diesmal war nicht der Hauch eines Aufbäumens zu spüren.

Geblieben ist den Düsseldorfern die mangelnde Torgefahr: Wie in den vergangenen Wochen ging ihnen völlig die Aggressivität ab, den Ball über die gegenerische Torlinie bringen zu wollen. Pomadig und ohne Temperament wirkten die Aktionen. Aus dem Mittelfeld entstand überhaupt kein Druck nach vorne. Marco Christ und Marek Klimczok wirkten wie Fremdkörper, fanden überhaupt keine Bindung zu ihren Nebenmännern und verloren immer wieder die Bälle. Vorne hingen wie unter Werners Vorgänger die beiden Stürmer Axel Lawarée und Bekim Kastrati in der Luft.

Lediglich einen mickrigen Schussversuch brachten die Gäste im ersten Durchgang zustande. Schließlich scheiterte Bekim Kastrati kurz vor dem Wechsel nur knapp mit einem Kopfball. In der Halbzeitpause habe er seine Schützlinge vor dem zu erwartenden temperamentvollen Sturmlauf der Mannen Dietmar Demuths gewarnt, berichtete Wolf Werner. Vergeblich. Seine Kicker fanden einfach keine Einstellung zum Spiel, schafften es nicht, auf Kampf umzuschalten.

Bereits während eines zunächst offenen Schlagabtausch zu Beginn der zweiten 45 Minuten wirkte die Defensive der Düsseldorfer alles andere als sattelfest. Der Gegentreffer war nur eine Frage der Zeit und kündigte sich an. Linksverteidiger Fabian Hergesell bekam mit zunehmender Spieldauer immer größere Probleme mit dem sich in einen Spielrausch steigernden Daniel Frahn, der an allen drei Treffern beteiligt war. Beim ersten Treffer dribbelte Frahn Hergesell auf Rechtsaußen aus und passte von der Grundlinie auf den freistehenden Shergo Biran, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte, zum 1:0 zu vollenden.

Werner brachte in der Schlussphase Christian Erwig als dritten Stürmer und hätte mit seinem Alles-oder-Nichts-Spiel beinahe Erfolg gehabt: Erwig scheiterte mit einem Schuss am toll reagierenden 03-Keeper Carsten Busch und der eingewechselte Sebastian Heidinger köpfte den Abpraller gegen die Latte.

Statt 1:1 hieß es wenige Sekunden später nach dem anschließenden Babelsberger Konter 0:2 aus Düsseldorfer Sicht: Jens Langeneke hatte als letzter Mann gegen drei Stürmer keine Chance; diesmal verwandelte Frahn selbst. Werner war sauer über das Gegentor, kreidete es den Abwehrspieler an. "Sie haben undsizipliniert gespielt. wenn ich sechs offensive Spieler bringe, dann dürfen nicht auch noch die vier Abwehrspieler wegrennen und ihre Positionen verlassen."

Sieben Zeigerumdrehungen später dann sogar das 0:3 gegen die frustrierten Kicker aus Düsseldorf per Foulelfmeter. Robert Palikuca hatte Gökhan Ahmetcik nicht folgen können und ihn im Strafraum gefoult. SVB-Käpt'n Patrick Moritz schickte Michael Melka in die rechte Ecke, schob das Leder in die linke.


STATISTIK ZUM SPIEL

SV Babelsberg 03 - Fortuna 3:0 (0:0) 

Babelsberg: 1 Carsten Busch - 2 Dirk Jonelat, 3 Martin Neubert (37. Zenk), 7 Matthias Rudolph, 21 Slavomir Lukac - 33 Björn Laars, 6 Tom Mauersberger, 8 Patrick Moritz, 11 Aymen Ben-Hatira, 16 Daniel Frahn (76.Hartwig), 28 Shergo Biran (76. Ahmetcik). Auf der Bank: 12 Sven Roggentin, 5 Maik Neumann, 23 Gökhan Ahmetcik, 31 Bastian Zenk, 10 Sven Hartwig, 22 Manuel Stiefel, 9 Ibrahim Türkkan. Trainer: Dietmar Demuth.

Fortuna: 1 Michael Melka - 4 Robert Palikuca, 6 Jens Langeneke, 21 Hamza Cakir, 24 Fabian Hergesell - 31 Olivier de Cock - 7 Marco Christ (69. Erwig), 17 Andreas Lambertz, 23 Marek Klimczok (65. Heidinger) - 20 Bekim Kastrati (84. Costa), 25 Axel Lawaree. Auf der Bank: 12 Michael Ratajczak, 16 David Krecidlo, 2 Ken. Asaeda, 3 Claus Costa, 9 Christian Erwig, 11 Sebastian Heidinger, 14 Oliver Hampel. Trainer: Wolf Werner.

Zuschauer: 3003.

Tore: 1:0 Biran (57.), 2:0 Frahn (75.), 3:0 Moritz (82., Foulelfmeter)

Gelbe Karten: Lukac - Cakir.


STIMMEN ZUM SPIEL:

Dietmar Demuth: "Wir haben in der zweiten Halbzeit kompakt gestanden und mit mehr Leidenschaft agiert. Deshalb geht der Sieg in Ordnung."

Wolf Werner: "Der gegner hat auf Kraft, Power und Aggressivität gesetzt. da kann man nur mithalten, wenn man die gleichen mittel einsetzt."


 
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