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Ungefährdeter Auswärtssieg: Fortuna gewinnt 3:0 in Berlin

VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 29.10.2005 - 15:36

Berlin (rpo). So viel Grund zur Freude hatten die Düsseldorfer Fußballer in dieser Saison auf fremden Plätzen noch nicht gehabt: Mit 3:0 (1:0) gewann die Truppe von Trainer Uwe Weidemann bei Hertha BSC II. In einer unterhaltsamen Partie erzielten Tim Kruse, Hamza Cakir und Marcus Feinbier die Treffer. Es war ein nie gefährdeter Erfolg einer bärenstarken Düsseldorfer Mannschaft, die dabei zwei ihrer drei Treffer in Unterzahl erzielte: Verteidiger Gerrit Bürk war bereits in der 27. Minute nach einem Allerweltsfoul des Feldes verwiesen worden.

Marcus Feinbier im Zweikampf mit Herthas Amadeus Wallschläger.  Foto: rpo, Falk Janning
Marcus Feinbier im Zweikampf mit Herthas Amadeus Wallschläger. Foto: rpo, Falk Janning

Mit diesem ersten Auswärtssieg schlossen die Fortunen einen goldenen Oktober mit insgesamt drei Punktspielerfolgen und einem Remis ab und verbesserten sich ins Tabellen-Mittelfeld. Weidemann hatte den elf Akteuren vom Leverkusen-Spiel das Vertrauen gegeben, brachte nach dem Feldverweis Verteidiger Hamza Cakir für Mittelfeldmann Ahmed Cebe. Eraslan und Barth, die im Pokalspiel unter der Woche gefehlt hatten, waren wieder in die erste Elf gerückt. Sie waren die überragenden Abwehrsäulen in einem geschlossen starken Team, das zu keiner Phase der Partie gefährdet war und in sich sehr gefestigt wirkte.

Die Defensive stand sehr gut, Dirk Böcker findet sich in seiner Rolle als Staubsauger vor der Abwehr immer besser zurecht, im linken Mittelfeld mit Pino Canale und Tim Kruse gab es für Hertha kein Durchkommen und vorne trafen die Angeifer fast nach Belieben. Eine Ausnahme von der Zielgenauigkeit der vergangenen Wochen machte aber auch im Jahn-Sportpark lediglich Dauerläufer Andreas Lambertz, der zwar seine alte Form fast wieder gefunden hat, zweimal aber allein vor dem gegnerischen Kasten scheiterte.

Tim Kruse brachte seine Mannschaft mit einem kuriosen Treffer in Führung: Seine scharf hereingebrachte Ecke fälschte Berlins Keeper Kevin Stuhr-Ellegaard ins eigene Tor ab (22.). Die Gastgeber bemühten sich, Druck aufzubauen, doch die Angriffsbemühungen wirkten zu pomadig, viel zu harmlos und ideenlos.

Auch nach der überraschenden Roten Karte gegen Gerrit Bürk, der seinem Gegenspieler im Mittelfeld von der Seite in die Beine gerutscht war, wurde Hertha nicht stärker. Im Gegenteil: Die besseren Möglichkeiten hatten die Düsseldorfer. Die größte vergab Andreas Lambertz, als er den Ball kurz vor der Pause dem gegnerischen Torwart von der Strafraumgrenze aus in die Arme schlenzte. Zehn Sekunden nach Wiederbeginn machte er seinen Fehler wieder gut: Von Linksaußen bediente er Marcus Feinbier so genau, dass der Sturmtank aus kurzer Distanz nur noch den Fuß hinzuhalten brauchte, um das 2:0 zu erzielen.

Die Berliner wirkten geschockt und brachten kein Bein mehr auf die Erde. Ihre erste Torchance der zweien Halbzeit hatten sie vier Minuten vor Schluss, als der eingewechselte Lukymia Assani-Mulongoti knapp links vorbeischoss. Da stand es schon 3:0 für die Düsseldorfer: Ausgerechnet Manndecker Hamza Cakir hatte nach einem tollen Doppelpass mit Canale über Linksaußen für die Entscheidung gesorgt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Zweifel mehr an dem Dreier der Gäste.

Trainer Weidemann strahlte mit der Sonne um die Wette. Und besonders über das dritte Tor freute er sich: „Ich habe vor dem Spiel meinen Jungs gesagt, dass nicht nur Podszus und Feinbier Tore machen dürfen.“ Die 500 mitgereisten Fans stimmten lange nicht gehörte Töne an, sangen "Oh, wie ist das schön...", feierten Uwe Weidemann und hatten auch eine Neukomposition parat: "Fußballgötter in schwarz" heißt der Schlachtruf, mit dem sie ihre ganz in schwarz gekleideten Lieblinge feierten. Zum Schluss gab es noch Mainzer Kulturgut am Prenzlauer Berg: Die Fortunen machten mit den Fans zusammen die Humba.


STATISTIK ZUM SPIEL

Hertha: 1 Kevin Stuhr-Ellegaard - 3 Pascal Bieler, 8 Sebastian Hoeneß, 15 Amadeus Wallschläger, 16 David Krecidlo (65. Lukymia Assani-Mulongoti), 17 Ante Covic, 18 Robert Müller, 20 Kevin Boateng (65. Bilal Cubukcu), 21 Patrick Ebert, 31 Andreas Schmidt, 34 Sead Salihovic. Auf der Bank: 2 Assani Lukimya-Mulongoti, 4 Florian Hube, 5 André Thomas, 6 Volkan Altin, 11 Chinedu Ede, 25 Bilal Cubukcu, 22 Nico Pellatz. Trainer: Karsten Heine.

Fortuna: 22 Pat Deuß - 2 Gerrit Bürk, 3 Oliver Barth, 4 Dirk Böcker (83. Frank Scharpenberg), 7 Guiseppe Canale, 14 Tim Kruse, 15 Ahmed Cebe (33. Cakir), 17 Andreas Lambertz, 18 Erdal Eraslan, 20 Marcel Podszus, 26 Markus Feinbier (87. Denis Wolf). Auf der Bank: 6 Frank Scharpenberg, 11 Denis Wolf, 13 Engin Kizilaslan, 19 Ivan Pusic, 21 Hamza Cakir, 25 Lucas Marzok, 33 Dennis Prostka. Trainer: Uwe Weidemann.

Tore: 0:1 (19.) Tim Kruse, 0:2 (46.) Marcus Feinbier, 0:3 (57.) Hamza Cakir

Rote Karte: Gerrit Bürk (27.) Gelbe Karten: Patrick Ebert, Robert Müller - Erdal Eraslan, Patrick Deuß, Marcel Podszus, Markus Feinbier.

Schiedsrichter: Bornhöft (Bad Segeberg).

Zuschauer: 996


STIMMEN ZUM SPIEL

Karsten Heine: „Die Gurke zum 0:1 war bitter. Einen Rückstand wollten wir unbedingt verhindern, weil es sehr schwer ist, gegen die kompakten und zweikampfstarken Düpsseldorfer ein Spiel zu drehen. Im Eifer, den Ausgleich zu erzielen, waren wir überhastet. Wir hätten bis acht Uhr spielen können und hätten kein Tor erzielt.“

Uwe Weidemann: „Ich weiß nicht, was der Schiedsrichter bei dem Foul von Gerrit Bürk gesehen hat. Das war allerhöchstens eine gelbe Karte, allerhöchstens. Der Schiri hat sehr große Unruhe ins Spiel gebracht. Nach der Roten Karte wurde mir noch einmal kurz mulmig, aber nach dem 2:0 war ich sicher, dass wir das Ding nach Hause schaukeln. Es hat einer für den anderen gekämpft, die Mannschaft war unglaublich konzentriert. Scherzhaft könnte man sagen: ,Die rote Karte hat meiner Mannschaft gut getan, denn so war sie noch konzentrierter. Ich benutze nicht gerne Superlative, aber das war heute eine sensationelle Vorstellung meiner Mannschaft.“

Gerrit Bürk: „Das war nie und nimmer eine rote Karte. Es war mein erstes Foul. In der zweiten Halbzeit habe ich noch viele Fouls gesehen, die waren viel schlimmer als meines und wurden nicht geahndet.“

Marcus Feinbier: „Wir haben uns nicht davon irreleiten lassen, dass der Schiedsrichter nicht gerade für uns gepfiffen hat. Wir haben die Ungerechtigkeiten einfach ignoriert und uns nicht darüber aufgeregt. An dem Sieg hat mir auch gut gefallen, dass ihn meine Mutter und meine Brüder miterlebt haben, die ihm Stadion waren.“


 
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