Regionalliga Nord: Fortuna im Pech - Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit
VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 25.11.2005 - 17:19Kiel (rpo). Fortuna hat in einem rassigen und dramatischen Fußballspiel ein 3:3 (2:1) beim Spitzenreiter Holstein Kiel erkämpft und nach dem schwachen Pokalauftritt in Wuppertal (0:3) mit einer überzeugenden Leistung überrascht. Vor dem Spiel wären die Tabellenachten aus Düsseldorf sicher mit einem Remis beim Spitzenreiter zufrieden gewesen.
Doch nach dem unglücklichen Spielverlauf überwog bei den Düsseldorfer die Enttäuschung: Erst in der fünften Minute der Nachspielzeit hatten sie den Ausgleich kassiert. Mit einem weiteren Sieg wäre endgültig der Kontakt zur Tabellenspitze gelungen. Im dichten Schneetreiben im Holstein-Stadion führten die eine Stunde lang toll konternden Düsseldorfer zwischenzeitlich schon mit 3:1 und standen dicht vor einem Überraschungserfolg. In der letzten halben Stunde verdienten sich die Kieler das Remis durch eine engagierte Angriffsleistung.
Für Aufregung sorgte der Schiedsrichter, der Andraes Lambertz „wegen Spielverzögerung“ die Ampelkarte zeigte. Weil in Kiel die Tafeln mit den Rückennummern fehlten, war Lambertz auf Weisung von Trainer Uwe Weidemann lediglich zu Jörg Albertz gelaufen, um ihm seine Auswechslung anzukündigen.
Fortuna hätte in der hektischen Schlussphase mit dem Treffer zum 4:2 den Sack zumachen können, doch Marcel Podsus scheiterte freistehend vor Kiels Keeper Preuß.
Die Kieler waren zunächst besser ins Spiel gekommen und hatten Fortuna in deren Hälfte eingeschnürt. Fortuna ging mit der zweite Chance aber in Führung: Der Kieler Lindemann köpfte den Ball ins eigene Netz.
Drei Minuten später hatte Deuß Probleme nach einer Ecke und Dobry vollendete zum 1:1. Fortuna ging aber in Folge nicht unter, sondern war zum Staunen der Besucher die bessere Mannschaft, trat selbstbewusst und offensiv auf. Lohn war das 2:1 durch Marcus Feinbier, der nach 45 Minuten einen Albertz-Freistoß einköpfte.
Die Kieler kamen lange nicht ins Spiel, weil sie den Düsseldorfer in den Zweikämpfen meist unterlegen waren. Mit Wiederbeginn brachte Kiels Trainer Frank Neubarth Stürmer Ryan Coiner und tat damit einen Glücksgriff. Zwar traf sieben Minuten nach Wiederbeginn der überragende Andreas Lambertz nach einem Freistoß von Feinbier aus 18 Metern zunächst noch zum 3:1 für die Düsseldorfer. Doch Coiner hatte einige gute Aktionen und wirbelte die Fortunen-Abwehr gehörig durcheinander. Er hatte Chancen für einen Hattrick, allein der großartig parierende Pat Deuß verhinderte diesen.
Kurios, dass ausgerechnet der starke Fortuna-Keeper dann die tragische Figur des Abends war, weil er in der Nachspielzeit einen abgefälschten Boy-Schuss aus 25 Metern fallen ließ und Coiner zum 3:3 verwandelte. Deuß ließ sich auf den Boden fallen, saß wie ein Häufchen Elend im Fünf-Meter-Raum und wurde von seinen Kameraden getröstet.
STATISTIK ZUM SPIEL
Holstein Kiel: Preuß - Sandmann (85. Bartels), Boy, Molata, Rohwer, Piorunek, Niedrig (75. Hauptmann), Breitenreiter, Lindemann Würll (46. Coiner), Dobry.
Fortuna Düsseldorf: Deuß Eraslan, Böcker, Barth, Kruse Cebe (81. Wolf), Lambertz, Albertz (86. Scharpenberg), Heeren, Podszus, Feinbier (90. Steegmann).
Zuschauer: 3.360.
Tore: 0:1 Lindemann (25., Eigentor), 1:1 Dobry (30.), 1:2 Feinbier (45.), 1:3 Lambertz (50.), 2:3 Coiner (63.), 3:3 Coiner (90.).
Schiedsrichter: Schriever (Otterndorf).
Gelb: Sandmann, Lindemann, Piorunek, Breitenreiter / Albertz, Barth, Böcker.
Gelb-Rot: Lambertz (Düsseldorf) wegen unsportlichen Verhaltens (86.).
STIMMEN ZUM SPIEL
Uwe Weidemann: "Es war das größte Kompliment für uns, als ein Kiel-Anhänger sagte, was für eine tolle Truppe wir haben. Wir wissen, wie hart wir für diese Serie arbeiten müssen. Wenn uns nach den letzten Leistungen andere in den Kreis der Aufstiegsanwärter heben wollen, dann freut uns das. Am Anfang war der Respekt sicherlich sehr groß, Kiel wurde erst nach der Pause gefährlich, dann sind wir aber wirklich stark unter Druck geraten. Jetzt gilt es für uns, zu regenerieren, um die letzten Spiele vor dem Winter noch erfolgreich angehen zu können."
Werner Sesterhenn: "Ich weiß nicht, warum so lange nachgespielt wurde. Der Schiedsrichter hatte schon zwei Mal die Pfeife im Mund, pfiff aber nicht ab. Ansonsten muss man sagen, haben wir eine tolle Begegnung gesehen."
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