Fortuna spielt Hertha an die Wand: Gala mit zehn Mann
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 31.10.2005 - 08:07Düsseldorf (RP). Die Örtlichkeit versprüht noch den kühlen Charme der DDR-Vergangenheit. Im Düsseldorfer Fanblock des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks dagegen ist von Kühle keine Spur. Südländisch wird gefeiert, mit allem zugehörigen Überschwang. „Fußballgötter in Schwarz“, singen sie immer wieder - darunter tut man’s nicht bei Fortuna. Nicht nach einem 3:0-Sieg in Berlin. Der Trainer hat Verständnis für den Jubel, wenn er sich auch nicht an der „Humba“ in der Fankurve beteiligt.
Er klatscht aus der Ferne Beifall, gibt zu, dass ihn die „Uwe-Weidemann“-Gesänge freuen. „Alles andere wäre nicht ehrlich“, sagt er, trinkt sich ein paar Minuten später sogar ein Pils. „Das muss jetzt sein.“ Auf der Rückfahrt im Bus dann wird er seinen Jungs auch ein paar Bierchen gönnen: „Sie sollen dieses Spiel ruhig einmal in vollen Zügen genießen.“ Keine alltägliche Reaktion des sachlichen Trainers, aber es war eben auch keine alltägliche Partie.
Eine Stunde lang hatte Fortuna in Unterzahl gespielt, weil Schiedsrichter David Bornhöft wohl als Einziger im Stadion ein platzverweisreifes Foul von Gerrit Bürk gesehen hatte. Die zehn Düsseldorfer aber spielten die elf Berliner an die Wand, begünstigt durch einen Treffer zum allerbesten Zeitpunkt. Zwölf Sekunden nach dem Wiederanpfiff machte Marcus Feinbier auf Flanke von Andreas Lambertz das 0:2. „Der absolute Genickbruch für uns“, kommentierte Karsten Heine, Trainer der Zweitvertretung von Hertha BSC. Auch Uwe Weidemann sah in dieser Szene den Knackpunkt.
„Nach der unberechtigten Roten Karte bin ich etwas unruhig geworden“, sagte der 42-Jährige. „Aber was die Mannschaft nach dem 0:2 gezeigt hat, war fantastisch.“ Immer wieder verfingen sich die Berliner im ganz starken Innenblock mit Oliver Barth, Erdal Eraslan und Dirk Böcker, brachten außer harmlosen Verzweiflungsschüssen nichts zuwege. Oder Tim Kruse auf der linken Seite, für den Weidemann das Prädikat „überragend“ wählte. Verdienter Lohn sein direkt verwandelter Eckball, von dem Keeper Kevin Stuhr-Ellegaard noch länger schlecht träumen dürfte.
Ganz besonders freute sich der Coach aber für sein türkisches Duo: Für Eraslan, „weil er ein paar Probleme hatte und jetzt seine Form gefunden hat“, und für Hamza Cakir. Ein Schmankerl war dessen 3:0, nach Spurt übers ganze Feld und Doppelpass mit „Pino“ Canale. Nur einer machte den Trainer „wahnsinnig“: Andreas Lambertz, der klasse spielte, aber zwei hundertprozentige Chancen versiebte. „Und als ich ihm dann sage: Lumpi, den musst du reinmachen - da fragt er mich noch mit treuen Augen: Welchen, den ersten oder den zweiten?“
Die Gala im Jahn-Sportpark ließ Uwe Weidemann aber selbst diesen Wahnsinn verkraften.
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