Podiumsdiskussion: Gegen Rassismus im Stadion
zuletzt aktualisiert: 21.10.2005 - 10:15Düsseldorf (rpo). Als abschließende große Veranstaltung der diesjährigen FARE-Woche lud der Supporters Club zur Podiumsdiskussion ins Haus der Jugend. Als Redner waren, neben der Moderatorin und ersten Vorsitzenden des SCD Dagmar Starke, für den Vorstand von Fortuna Düsseldorf Thomas Allofs, der farbige Schiedsrichter Dr. Alexandre Ntouba, Fortuna-Stürmer Ermin Melunovic, David Kurr vom Bündnis aktiver Fußballfans sowie für Tom Bose vom Antifa-Koordinierungskreis vertreten.
Die Frage-Runden und anschließenden Diskussionen waren intensiv und konstruktiv. Neue Aspekte um die Bekämpfung von Rassismus im Stadion ergaben sich in der angeregten Debatte. Thomas Allofs gab zu Beginn zu, dass es für einen Verein schwer ist zu handeln, erschreckte die Anwesenden dann allerdings mit der Aussage: "Es gibt nun einmal verschiedene Meinungen, die nicht zu unterdrücken sind. Man muss sie tolerieren - aber kann sie natürlich nicht akzeptieren. Der Verein ist da machtlos."
Dr. Alexandre Ntouba widersprach sofort. Es gebe verschiedene Strategien, das Problem der Diskriminierung wirkungsvoll anzugehen. Jeder müsse etwas tun. Man könne als Verein beispielweise Multiplikatoren ausbilden, die für Gespräche zur Verfügung stehen. Auch Tom Bose ist der Meinung, dass ein Fußballverein als gesellschaftliche Institution eine gesellschaftliche Verantwortung habe und den sich bei Fortuna immer stärker präsentierenden aktiven Nazi-Gruppierungen kein Raum gewährt werden sollte.
Verein und Fans seien in der Pflicht zu handeln. David Kurr schloss sich an: "In der Vereinssatzung heißt es schließlich auch: Er (Der Verein) tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegengetreten." Dem solle nun auch nachgegangen werden - zum Beispiel mit Ordnerschulungen, damit rechte Symbole schon bei den Einlasskontrollen erkannt werden. Der SCD bot an dieser Stelle Fortuna Düsseldorf offiziell erneut die Zusammenarbeit an. Auch aus der Runde der anwesenden Teilnehmer und Teilnehmerinnen kam der Einwand, dass die Sicherheitskräfte alle Mittel ausschöpfen müssten.
"Bei pyrotechnischen Gegenständen droht Stadionverbot und sofort ist die Polizei präsent. Mit eindeutig rechten und verbotenen Symbolen kommt man trotzdem ins Stadion." Thomas Allofs erkannte: " Der Verein tut noch zu wenig. Da muss man künftig härter durchgreifen. Ich werde dieses Thema bei der nächsten Vorstandssitzung ansprechen."
Auch sollen nun Tafeln mit Erklärungen zu rechten Zeichen, wie es sie bereits im Paul Janes-Stadion gab, in der LTU arena aufgehangen werden. Aus derartigen Versprechungen entstand die nächste Hoffnung aus der Runde: Da sich der Verein bei der diesjährigen FARE-Woche zu wenig engagiert hat und auf Grund der in Teilen mangelhaften Zusammenarbeit mit dem SCD einige bereits geplante Aktionen nicht durchgeführt werden konnten, wird erwartet, dass sich Fortuna Düsseldorf nächstes Jahr mehr einbringt.
Dr. Alexandre Ntouba verwies darauf, dass man Menschen mit rechtem Gedankengut nicht einfach ausschließen könne. "Sie wechseln sonst nur den Ort. Besser ist es, den Dialog zu suchen." Tom Bose entgegnete, die Erfahrung würde dem leider widersprechen. "Bei aktiven und organisierten Nazis ist die Ideologie zu stark. Da kann man nicht mehr drüber diskutieren." Dieter Bott, ehemals Initiator des Fanprojektes in Düsseldorf ergänzte: "Wirkungsvoll ist es, andere Autoritäten aufzubieten. Durch Aussagen von VIPs und Vereinsoffiziellen könne man häufig mehr erreichen."
Der Abend hat gezeigt, dass die Fans von Fortuna Düsseldorf und zukünftig auch der Verein selbst ein stärkeres Auftreten gegen rechte Strömungen im Stadion und im Umfeld von Fortuna Düsseldorf wünschen. Zukünftig soll aktiv versucht werden, eine Autorität zu schaffen, die es derartigen Gruppierungen nicht ermöglicht, bei uns Fuß zu fassen und weitere Mitglieder zu werben. Wir hoffen weiterhin, dass der Verein Fortuna Düsseldorf die Zusammenarbeit mit dem SCD ernst nimmt und auch annimmt. Wir werden uns um eine Kooperation bemühen.
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