Gewinner und Verlierer bei Fortunas Versammlung: Kampf gegen verbrannte Erde
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 27.04.2005 - 10:07Düsseldorf (RP). Der Gewinner des Abends war Joachim Erwin. Dabei spielte es keine Rolle, dass die Opposition einige Male über die Saalmikrofone Kritik anbringen konnte; ebenso wenig, dass der OB bei der Aufsichtsratswahl nur eine mäßige Stimmenzahl auf sich verbuchte. Fakt ist, dass Erwin das Gremium bekam, das er sich wünschte: mit LTU-Boss Jürgen Marbach und Reiner Calmund, ohne die von ihm wenig geliebten Georg Broich und Axel Pollheim.
Die Vereinsbasis, in der es vor allem bei den jüngeren Mitgliedern eine kritische Strömung gibt, ist im Aufsichtsrat allein durch Marcel Kronenberg vertreten. Ein ebenso intelligenter wie mutiger junger Mann, ohne Frage - aber doch isoliert im Kreis der Wirtschafts-Fraktion um den OB. In den kommenden drei Jahren wird dieser Kreis Fortunas Richtung vorgeben. Und das umso mehr, wenn demnächst wie geplant Heiner Kamps und Roger Klüh hinzu stoßen sollten.
Ein wirtschaftlicher Selbstläufer wird das Projekt Fortuna dadurch noch lange nicht. Frühere Klub-Vorstände haben bei Düsseldorfs Unternehmen viel verbrannte Erde hinterlassen, und dieses Terrain lässt sich nicht allein durch Namen und Absichtserklärungen zurückgewinnen. Selbst Marbach hat im Vorfeld der Wahlen verlauten lassen, dass er mit seiner Person gern helfen wolle - die LTU deshalb aber keineswegs eine Menge zusätzliches Geld in den Verein stecken werde. Ebenso kann sich Fortuna seit langem der ideellen Unterstützung eines Albrecht Woeste gewiss sein - ob Henkel deshalb jemals in den Kreis der Großsponsoren zurückkehren wird, ist sehr fraglich.
Reiner Calmund hat das Programm vorgegeben: „Fortuna braucht mindestens ein Jahr, um die Basis für einen späteren Aufstieg zu schaffen. Ein Mittelfeldplatz in der nächsten Saison ist normal.“ Ernüchternde, aber für jeden Realisten wohl klingende Worte. Der frühere Leverkusener Manager steht für den festen Entschluss, der Schaumschlägerei und Tagträumerei bei Fortuna endlich adieu zu sagen. Ein langsamer Aufbau ist vielleicht zunächst schwieriger zu verkaufen, auf mittlere Sicht aber ehrlicher. Dass einige Spieler, vor allem die umworbenen Marcel Ndjeng und Axel Bellinghausen, deshalb den Verein verlassen könnten, wird bewusst in Kauf genommen. Vielleicht gefällt aber auch ihnen der Kurs der neuen Ehrlichkeit.
Verlierer gab’s natürlich auch: alle, die geglaubt hatten, in einem Verein gehe es wirklich demokratisch zu. Faktisch blieb den Mitgliedern nur die Wahl zwischen der Absegnung von Erwins Kurs und dem Ausstieg in eine ungewisse Zukunft. Niemand kann ihnen verdenken, dass sie dieses Risiko scheuten.
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