Fortuna in Osnabrück: Klägliche Chancenverwertung, mangelhafte Disziplin
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 05.12.2005 - 10:10Düsseldorf (RP). Damit hatten Fortunas Spieler nun wirklich nicht gerechnet. Da war ihre Erfolgsserie gerade auf spektakuläre Art gerissen, nach acht Partien ohne Niederlage mit einer 0:5-Klatsche beim VfL Osnabrück - und im Düsseldorfer Fanblock wurde gefeiert. Nicht etwa sarkastisch: „Wir sind stolz auf unser Team“, sangen die 1000 Anhänger, und: „You’ll never walk alone“. Ihr werdet niemals allein gehen - wann hätte dieser alte Schlager der Band Gerry and the Pacemakers je besser gepasst als in diesem Moment?
Der rot-weiße Anhang demonstrierte mit diesem Dank für die beeindruckenden zehn Wochen seit der letzten Punktspielniederlage in Lübeck, dass die Aufholjagd Zuschauer und Kicker zusammengeschweißt hat. Im Sieg sowieso, aber eben auch in der Niederlage. Nach etlichen ungläubigen Blicken ging die Mannschaft in die Fankurve, zum Abklatschen und für ein paar aufmunternde Worte. Die waren auch nötig nach einer Partie, in der so ziemlich alles schief gegangen war, was schief gehen konnte. In erster Linie natürlich in puncto Disziplin, abzulesen an den vollauf berechtigen Gelb-Roten Karten gegen Erdal Eraslan und Ahmet Cebe.
„Die beiden haben der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen“, sagte Trainer Uwe Weidemann. Vor allem bei Familie Cebe dürften die Weihnachtsgeschenke diesmal kleiner ausfallen: „Das wird etwas teurer für ihn.“ Die Meckerei gegen den Linienrichter nach einer umstrittenen Abseitsstellung war ebenso überflüssig wie die Rangelei vier Minuten später an der Außenlinie. Das Einzige, das Cebe damit erreichte, war die Entscheidung gegen Fortuna. Zuvor hatten die Düsseldorfer sich selbst noch mit zehn Mann gegen die Niederlage gestemmt und auch reichlich Chancen herausgespielt.
Deren Verwertung war ein weiteres Desaster des Nachmittags. Die erste hundertprozentige Möglichkeit ließ Marcus Feinbier schon nach 180 Sekunden aus - aber was sich dann Denis Wolf in der 22. und 46. Minute bot, war in Prozenten nicht mehr auszudrücken. Dass der verletzte Marcel Podszus, den Wolf höchst unzureichend ersetzte, beide genutzt hätte, blieb eine (wenn auch begründete) Spekulation.
Mit nur noch neun Mann ging Fortuna schließlich ein wie eine Orchidee im Tiefkühlfach. „Düsseldorf hatte lange mehr vom Spiel und dicke Chancen“, gab VfL-Coach „Pele“ Wollitz ehrlich zu. „Nach dem 3:0 fiel dann eine Last von uns ab.“ Mit Ausnahme der dämlichen Platzverweise verziehen Trainer und Fans die Schlappe. Für diesmal. Die Spieler sollten sich keine Illusionen machen: Am nächsten Samstag gegen Wattenscheid ist Wiedergutmachung gefordert.
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