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Früherer Nationaltrainer in China
Schlappner fürchtet endgültiges Aus für China-Projekt

Klaus Schlappner fürchtet endgültiges Aus für China-Projekt in der Regionalliga
Klaus Schlappner und sein berühmter Hut (Archivfoto). FOTO: dpa
China-Kenner Klaus Schlappner fürchtet nach der vorläufigen Aussetzung von geplanten Freundschaftsspielen der chinesischen U20-Junioren gegen Teams der Fußball-Regionalliga Südwest ein komplettes Ende des Entwicklungshilfeprojekts.

"Die werden jetzt wohl erst mal nach Spanien oder England gehen", sagte Chinas deutscher Ex-Nationaltrainer der Tageszeitung "Die Welt".

Aus Sicht des früheren Bundesliga-Coaches bedeutet die am vergangenen Freitag gezogene Konsequenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aus Protestaktionen von Tibet-Aktivisten "einen schweren Rückschlag für die deutsch-chinesische Freundschaft. Das, was man über viele Jahre hinweg aufgebaut hat, wurde leichtfertig kaputtgemacht". Wie man das "beschädigte Verhältnis wieder kitten kann", müsse man sehen.

Allerdings hätte Schlappner auch von Chinas Verband CFA mehr Souveränität in Bezug auf die Tibet-Fahnen beim ersten Auftritt des Nachwuchses aus dem Reich der Mitte am vergangenen Wochenende beim TSV Schott Mainz erwartet. "Man hätte auf chinesischer Seite mit der ganzen Angelegenheit lockerer umgehen können", sagte der 77-Jährige.

In Mainz hatten die chinesischen Talente aufgrund von Protesten von Aktivisten aus dem von China annektierten Tibet vorübergehend den Platz verlassen. In anschließenden Verhandlungen mit den Asiaten verweigerte der DFB aus Gründen der Meinungsfreiheit die von China geforderte Garantie zur Vermeidung ähnlicher Vorfälle bei den weiter geplanten Begegnungen. Letztlich setzte der DFB wegen der starren Haltung der CFA-Vertreter die drei bis zur Winterpause noch vorgesehenen Begegnungen der Chinesen mit den deutschen Viertligisten ab.

Bei den betroffenen Regionalliga-Klubs - nicht jeder Verein stimmte einer Begegnung mit den Chinesen an seinem spielfreien Wochenende zu - herrscht unterdessen Ratlosigkeit. Für Wormatia Worms, das am zweiten Dezember als Testgegner der Asiaten an der Reihe gewesen wäre, unterstrich Geschäftsführer Giuseppe Lepore allerdings schon den Anspruch auf die für teilnehmende Regionalligisten ausgelobte Gage von 15.000 Euro: "Die Antrittsprämie ist im Etat fest eingeplant. Wir halten uns natürlich an die vertraglich Vereinbarungen. Ich erwarte vom DFB dasselbe."

Für Lepore muss das Projekt trotz der massiven Anlaufprobleme allerdings auch noch nicht beendet sein: "Ich würde es sehr begrüßen, wenn der DFB einen Weg aus dem Dilemma finden würde."

(sid)
 
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