Regionalliga ist kein Selbstläufer: Krösus RB Leipzig läuft nur hinterher
zuletzt aktualisiert: 04.02.2011 - 07:20Chemnitz (RPO). Der Chemnitzer FC sorgt in der 4. Liga für Furore und läuft RB Leipzig den Rang ab. Das viele Geld der Leipziger dient den mittellosen Chemnitzern als zusätzliche Motivation.
Armut schlägt Reichtum, Tradition schlägt Retorte: Der Chemnitzer FC zeigt dem finanziell übermächtigen Rivalen RB Leipzig in der 4. Liga die Grenzen auf. Wenn am Wochenende die Regionalliga-Rückrunde beginnt, haben die Himmelblauen beste Karten, den Durchmarsch des Millionen-Projekts zu verhindern und in der Fanszene viele Sympathien zu gewinnen.
"Das Duell David gegen Goliath hat immer seinen Reiz", sagte der CFC-Vorstandschef Mathias Hänel vor dem ersten Ligaspiel des Jahres bei Hertha BSC Berlin II am Sonntag dem SID. Chemnitz, DDR-Meister von 1967 und Stammklub von Michael Ballack, führt die Tabelle an und liegt zwölf Punkte Vorsprung vor Leipzig, das den Aufstieg mit den Getränke-Millionen von Red Bull im Rücken fest eingeplant hatte.
Doch nun gerät das Projekt ins Stocken, der CFC frohlockt. "Die Jungs sehen es als reizvolle Aufgabe an, gegen einen finanziell besser gestellten Klub wie RB Leipzig zu bestehen", sagte Trainer Gerd Schädlich. Der Liga-Krösus Leipzig startet am Montag zu Hause gegen Eintracht Braunschweig II in die Rückrunde.
Zwar will man auch in Chemnitz erfolgreich sein und in die 3. Liga aufsteigen, eine Entwicklung wie in der Messestadt Leipzig ist für den Vorstandsvorsitzenden aber nicht vorstellbar. "Natürlich ist der wirtschaftliche Posten wichtig. Aber wir werden uns niemals fremdbestimmen lassen", sagt Hänel.
Das neue Selbstvertrauen ist rund um das veraltete Stadion an der Gellertstraße überall spürbar - und auch verständlich. Der Erfolg gibt dem einstigen FC Karl-Marx-Stadt recht. "Wir sind zufrieden mit der Hinrunde. Das war nicht unbedingt zu erwarten", sagte Schädlich. Zwar habe man schon vor der Saison angekündigt, um den Aufstieg mitzuspielen. "Dass sich allerdings eine solche Eigendynamik entwickelt und der Vorsprung schon so komfortabel ist, damit konnte man vorher nicht rechnen."
Auch für den Trainer kommt nur die Höhe des Vorsprungs überraschend. "Ich bin jetzt im dritten Jahr hier und wir haben uns personell stets verbessert. Die jungen Spieler haben sich gut entwickelt", sagte Schädlich und fügte an: "Unser kleiner Kader hat uns bisher Vorteile eingebracht. Die Hierarchie hat einfach gepasst. "
Auch im DFB-Pokal hinterließen die Chemnitzer um ihren Topstürmer Benjamin Förster einen guten Eindruck. Gegen den Bundesligist VfB Stuttgart verpassten sie im eigenen Stadion nach großem Kampf erst durch ein 1:3 nach Verlängerung den Sprung ins Achtelfinale. Anschließend frotzelte der Stadionsprecher noch ganz im Rausch des dramatischen Pokal-Fights: "Heute haben wir hier ein tolles Fußballfest erlebt, auch ohne Millionen eines Getränkeherstellers."
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