Weidemann hat Erfolg: Modell Menschlichkeit
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 01.02.2006 - 07:56Düsseldorf (RP). Am Freitagabend geht’s los. Endlich. Exakt 55 Tage nach dem letzten Meisterschaftsspiel der Fußball-Regionalliga gegen die SG Wattenscheid 09 und 14 Tage nach der Rückkehr aus dem Trainingslager in der Türkei greift Fortuna wieder ins Geschehen ein. Klar, dass niemand im Düsseldorfer Lager etwas dagegen hätte, wenn die Saison so weiterginge, wie sie am 10.Dezember vorübergehend aufhörte - mit einem 1:0-Sieg.
Bei allem Respekt vor den Wattenscheidern hat Fortuna übermorgen allerdings ein dickeres Brett zu bohren. Rot-Weiss Essen, ab 19.30 Uhr Gastgeber an der Hafenstraße, ist nicht nur der aktuelle Erzrivale für die Düsseldorfer Fans, sondern zugleich ein ernst zu nehmender Aufstiegskandidat. Das möchte Fortuna erst noch werden - und wahrscheinlich nicht mehr in dieser Saison. „Zehn Punkte liegen wir hinter Platz zwei zurück“, sinniert Trainer Uwe Weidemann. „Das ist sehr viel Zeug. Wir wollen uns zunächst einmal weiterentwickeln, auch mit Blick auf die nächste Saison. Wir sollten nicht vergessen, dass wir am zehnten Spieltag noch ganz, ganz unten standen. Erstes Ziel ist es, nicht mehr da rein zu rutschen.“
Immerhin gibt selbst der vorsichtige Coach zu: „Falls wir doch noch einmal oben rankommen sollten, würden wir uns nicht wehren.“ Mit dieser Mischung aus Zurückhaltung und gesundem Selbstbewusstsein ist Weidemann nach der Trennung vom Lautsprecher-Gespann Berthold/Morales zum Glücksfall für den Klub geworden. Im Gegensatz zu diesen beiden gelang es dem 42-Jährigen, die Achtung der Spieler zu erwerben, ohne dabei Furcht zu verbreiten.
„Ich bin ein Teil der Mannschaft“, beschreibt der Trainer, „und das wissen die Jungs auch. Ich respektiere die Spieler sehr. Und deshalb kann ich auch erwarten, dass sie mich respektieren.“ Menschlichkeit zu zeigen sei für ihn ganz wichtig, betont der gebürtige Thüringer. „Ich versuche, im Umgang mit den Spielern 70 Prozent Lob und 30 Prozent Kritik anzubringen. Da muss doch nur jeder auf sich selbst schauen: Wenn man nie ein Lob hört - woher soll man dann die Motivation nehmen?“
Zu dieser Maxime passt, dass Weidemann im Trainingslager extrem großen Wert darauf legte, das Sozialverhalten der Mannschaft zu stärken. „Ziel einer solchen Reise ist nicht nur intensives Training. Man muss diese Zeit auch nutzen, enger zusammen zu rücken.“ Dass in der Türkei und danach die Spieler selten zu zweit oder zu dritt, sondern meist zu acht oder neunt anzutreffen waren, ist für ihn ein gutes Zeichen. „Natürlich müssen die Jungs nicht alle Freunde sein, das geht in einem 22-Mann-Kader gar nicht. Aber sie müssen sich gut genug verstehen, dass sie alle gemeinsam für eine Sache kämpfen können: für Fortuna.“ Und das am besten schon übermorgen in Essen.
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