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KFC Uerdingen
Oberliga statt Königsklasse

Mohamadou Idrissou: Oberliga statt Königsklasse
Mohamadou Idrissou spielt jetzt beim KFC Uerdingen. FOTO: dpa
Krefeld. Der KFC Uerdingen will mit aller Macht zurück in den großen Fußball. Dazu hat er sich jetzt die Dienste von Mo Idrissou gesichert, der vor wenigen Jahren noch mit einem Engagement in der Champions League rechnete. Von Oliver Schaulandt

Es klingt nach einer ziemlichen Kampfansage an die Konkurrenz: Regionalliga-Absteiger KFC Uerdingen hat gestern einen spektakulären Zugang vorgestellt. Der ehemalige Bundesliga-Profi Mohamadou "Mo" Idrissou stürmt ab sofort für die Blau-Roten. Der 35 Jahre alte Kameruner unterzeichnete einen Vertrag für die kommenden zwei Spielzeiten und soll mit seinen Toren dazu beitragen, dass der Abstieg in die Oberliga, Deutschlands fünfthöchste Spielklasse, umgehend korrigiert wird. Am kommenden Samstag, im ersten Heimspiel, könnte der Angreifer zum ersten Mal zum Einsatz für seinen neuen Verein kommen: Gegner dann ist die Spielvereinigung Schonnebeck. Zuvor hatte der DFB-Pokalsieger von 1985 mit Verteidiger Timo Achenbach einen Spieler geholt, der in der vergangenen Saison noch in der Zweiten Liga beim SSV Sandhausen aktiv war.

Idrissou, der 39 Mal für Kameruns Nationalmannschaft auflief, ging für Hannover 96, den MSV Duisburg, Borussia Mönchengladbach, den SC Freiburg und den 1. FC Kaiserslautern in der ersten und zweiten Liga auf Torejagd. Er bringt es auf 139 Einsätze (27 Tore) in der Bundesliga und 164 (68 Tore) in der Zweite Liga. Von Kaiserslautern wechselte er für kurze Zeit nach Israel zu Maccabi Haifa (Idrissou: "Die haben das schönste Stadion der Welt"), von dort aus zum mazedonischen Erstligisten KF Shkendija - und nun zum KFC Uerdingen.

Möglich macht die Finanzierung die Vereinsführung, die zügig zurück in die Zweite Bundesliga kehren will. Vorsitzender Agissilaos Kourkoudialos, der sich aufgrund der schwierigen Aussprache seines Namens nur Lakis nennt, ist in der Immobilienbranche tätig und sorgte in früheren Jahren schon für Schlagzeilen, als er unter anderem den ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig Ailton für ein kurzes, aber ungemein medienwirksames Gastspiel nach Uerdingen holte.

Der zweite Vorsitzende ist seit dem Frühjahr der russische Geschäftsmann Mikhail Ponomarew. Er leitet das Unternehmen Energy Consulting und ist unter anderem Gesellschafter und Trikotsponsor beim Eishockeyklub Düsseldorfer EG sowie Vorsitzender und Trikotsponsor des AFC Bournemouth, der in die englische Premier League aufgestiegen ist. Energy Consulting ist eine russische Beratungsgruppe, die laut eigenen Angaben im Verband der HLB Russian Group in der nationalen Rangliste der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppen "Rossijskij Audit" den fünften Rang einnimmt. Seit dieser Saison ist Ponomarew Trikotsponsor der Uerdinger.

Vor rund fünf Jahren träumte Idrissou noch vom großen internationalen Fußballgeschäft. Nach seinem Engagement in Freiburg wechselte er nach Gladbach mit den Worten: "Ich habe eh keine Lust mehr, mit euch Absteigern zu spielen. Ich spiele nächstes Jahr in der Champions League."

Idrissou gilt als Skandal-Profi. 2004 lautete ein Vorwurf, er habe seine damalige Freundin krankenhausreif geschlagen. In Freiburg und Kaiserslautern äußerte er sich abfällig über Mitspieler, in Mönchengladbach haderte er öffentlich mit der Vereinsführung. Im vergangenen Monat, zurück aus Israel und Mazedonien, absolvierte er ein Probetraining beim Drittligisten Preußen Münster und wurde dort sogleich im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover von der Polizei vernommen. Ihm wird vorgeworfen, den Unterhaltszahlungen für seine elf Jahre alte Tochter nicht nachzukommen. Laut Medienberichten habe Idrissou als Begründung dazu angegeben, er habe kein Geld mehr. Auch für seinen zwei Jahre alten Sohn soll der Profi angeblich keine Alimente zahlen; Ende Oktober soll in Essen der Fall vor Gericht gehen.

Und auch bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft ist Idrissou kein Unbekannter: Er soll zu seiner Zeit in Kaiserslautern eine ehemalige Bekannte per Textnachricht mit dem Tod bedroht haben. Laut Beschluss des Amtsgericht Frankfurt darf sich der Fußballer nun weder der Wohnung der Frau nähern, noch ihre Arbeitsstelle aufsuchen, sie nicht anrufen oder ihr Textnachrichten schicken. Bei Verstoß gegen die Auflagen drohe ihm laut Medienberichten angeblich ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro. Idrissou sagte gestern dazu: "Wenn ihr das alles lest, was über mich geschrieben steht, müsst ihr denken, ich sei ein Verbrecher. Dabei bin ich doch nur ein Fußballspieler."

Quelle: RP
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