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Kreisliga-Spiel in Eitorf
Schiedsrichter rettet Trainer das Leben

Schiedsrichter rettet Trainer das Leben
Lebensretter: Schiedsrichter Sener Tasdemir. FOTO: SV Siegburg
Siegburg. In einem Kreisliga-Spiel in Eitorf bricht der Co-Trainer der Gastmannschaft aus Siegburg an der Seitenlinie zusammen. Der Schiedsrichter erkennt sofort den Ernst der Lage und leistet Erste Hilfe. Damit rettet er dem Trainer das Leben. Von Wolfgang Ley

Am Tag nach den dramatischen Ereignissen prasselten die Lobeshymnen nur so auf Sener Tasdemir ein – zu Recht. Denn klar ist: Durch sein schnelles Eingreifen rettete der 46 Jahre alte Schiedsrichter des Kreisliga-A-Spitzenspiels SV Eitorf 09 - Siegburger SV 04 II dem Co-Trainer des SSV 04, der die Mannschaft an diesem Tage betreute, offensichtlich das Leben.

Keiner der Anwesenden wird die Bilder so schnell aus dem Kopf bekommen. Es läuft die 34. Minute, die Gäste führen mit 3:1, da sackt der 32-jährige Siegburger Assistenzcoach Christian Schöpper "von einer Sekunde auf die andere", wie es SSV-Geschäftsführer Walter Bleßgen beschreibt, am Spielfeldrand in sich zusammen. "Er hat die Augen verdreht und ist ganz blau angelaufen. Er hatte die Zunge verschluckt", erinnert sich Bleßgen – Herzinfarkt, schoss es allen durch den Kopf. Auch die Eitorfer sind fix und fertig, allen voran Trainer Kosta Pentazidis. Er und Schöpper sind sehr gute Bekannte. "Erst in der vergangenen Woche hat Christian seinen Geburtstag gefeiert", berichtet er. "Umso größer war der Schock, als er da am Boden lag."

Referee Sener Tasdemir aus Troisdorf erkennt, dass sich an der Seitenlinie etwas Schlimmes abspielt. Er unterbricht die Partie, eilt selbst zum Ort des Geschehens und reagiert blitzschnell, aber vollkommen unaufgeregt. "Der Unparteiische hat Christian die Zunge gelöst, hat Mund-zu-Mund- und Mund-zu-Nase-Beatmung sowie Herzmassagen durchgeführt und ihn damit wiederbelebt", erzählt Bleßgen mit großem Respekt. Zwar sei noch ein Arzt hinzugekommen, der privat zufällig am Platz gewesen sei, "aber da hatte der Schiedsrichter schon alle notwendigen Maßnahmen ergriffen". Dabei verfügt der Schiedsrichter nicht etwa über eine besondere Ausbildung, was Erste Hilfe angeht. "Ich habe einfach alles probiert, was ich aus dem normalen Kurs noch in Erinnerung hatte", berichtet Tasdemir. Anschließend bricht er das Match endgültig ab. In der Zwischenzeit sind Notarzt und Rettungswagen alarmiert worden; schließlich wird auch noch ein Rettungshubschrauber angefordert, um den Siegburger gefahrlos aus Eitorf in die Bonner Uniklinik bringen zu können.

Co-Trainer geht es wieder besser

Am Abend meldet sich Schöpper dann selbst schon wieder aus dem Krankenhaus mit einem Bild und der Nachricht, es gehe ihm besser. Zur gleichen Zeit bedankt sich Bleßgen im Namen des gesamten Siegburger Vereins per E-Mail bei Tasdemir "für Ihr schnelles, beherztes Eingreifen. Durch Ihre zielgerichtete Hilfe haben Sie Christian Schöpper wohl das Leben gerettet."

Sener Tasdemir selbst gibt sich derweil zurückhaltend und bescheiden. "Ich bin generell ein Typ, der nicht wegschauen kann, wenn etwas passiert. Ich hätte mit Sicherheit wesentlich mehr zu kämpfen gehabt, wenn ich nichts unternommen hätte, um zu helfen, nur weil 20 oder 30 Leute drumherum stehen", sagt der UPS-Supervisor am Flughafen Köln/Bonn. Zudem stehe ein Schiedsrichter im Mittelpunkt; da sei es schlimm, wenn er nicht eingreife. Für etwas Besonderes halte er seine Aktion aber nicht: "So etwas steckt doch in jedem Menschen."

Laut Günter Gertmann, dem Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses, passt das zu Tasdemirs Wesen. "Er ist einer der ganz Ruhigen im Lande", sagt Gertmann. "Aber in Eitorf war offensichtlich der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort." Den Regularien nach müsste das Meisterschaftsspiel bereits am Donnerstag wiederholt werden. Doch die Verantwortlichen des Fußballkreises und die Eitorfer haben bereits signalisiert, dass sie keinesfalls auf diesem Termin bestehen werden. "Wir werden erst dann spielen, wenn die Siegburger das wollen", erklärt Kosta Pentazidis.

 
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