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Legendärer Auftritt bei Pressekonferenz
"Instinkttrainer" Legat begeistert als Sprachakrobat

Thorsten Legat beim FC Remscheid: "Instinkttrainer" begeistert als Sprachakrobat
Thorsten Legat als Trainer beim FC Remscheid FOTO: hertgen
Düsseldorf. Thorsten Legat ist neuer Trainer beim FC Remscheid. Auf den ersten Blick unspektakulär. Hätte es da nicht eine denkwürdige Pressekonferenz gegeben. Mit einem Legat in Hochform. Von Andreas Reiners

Die Bühne des Ex-Bundesliga-Profis ist heute ein wenig kleiner als früher. Landesliga. Sechste Spielklasse, Amateurfußball. Echter Sport, ganz nah an der Basis. Dort kommen offene Worte noch besser an. Und Legat enttäuschte bei seiner Vorstellung als neuer Trainer des FC Remscheid nicht.

Beziehungsweise des "FC Reeehmscheid", wie er seinen neuen Klub bei der offiziellen Pressekonferenz durchweg nannte. Sein größter Wunsch sei es gewesen, "einmal für den FC Remscheid Trainer zu sein dürfen", sagte er. Und während der rund zehn Minuten, in denen Legat zu Wort kam, sorgte er wieder mal für eine mitunter spektakuläre Sprachakrobatik.

"Momentan ist die reine Fitnesszulassung von der Mannschaft auf 70 Prozent, wie ich gehört habe. Meine Aufgabe ist es, richtungswegend Klassenerhalt", sagte Legat, der sich selbst als "Instinkttrainer" bezeichnete. Die Einstellung sei immer Fakt, außerdem brauche er jetzt "Kerle mit Eier inner Buxe. Die Investition von den Spielern wird am Tage geführt. Ich kann in den Köpfen der Spieler eins sagen: Dass sich andere Zeiten in Remscheid ändern." Ja, man weiß wohl, was er meint. Wie er es sagt, ist Thorsten Legat im Original.

Und klar: der harte Hund führt seine Mannschaft mit harter Hand. "Man geht freitags auch mal schön weg und ballert sich den Arsch voll, auf gut Deutsch gesagt. Entschuldigung für diesen Ausdruck. Aber nicht mehr bei mir."

Die besten Sprüche der Bundesliga-Geschichte

Rückblick. Die Sonne brennt. Im Gelsenkirchener Parkstadion ist es heiß, in diesem Sommer im Jahr 2000. Es ist business as usual beim FC Schalke 04. Fototermin. Das alljährliche Mannschaftsbild. Neben den üblichen Waldläufen während der Saisonvorbereitung wohl mit der langweiligste Termin.

Für Legat allerdings nicht. Denn Legat war immer für Unterhaltung gut. Für echten Ruhrpott-Charme, kombiniert mit einem losen Mundwerk, dazu ein bisschen Kindskopf. Unvergessener Schnappschuss aus der damaligen Zeit: Legats bis zum Anschlag hochgezogene Hose, die nach einer Wette letztendlich auch fotografisch auf dem offiziellen Teamfoto festgehalten wurde. 1000 Mark erhielt Legat für die Wette, als Strafe bekam er 25.000 Mark aufgebrummt. Seinen Einwand, dass es sich dann für ihn nicht rechne, beantwortete der damalige Manager Rudi Assauer mit einem Wutausbruch.

Legat war einer dieser Typen, vielleicht sogar einer der Prototyopen der Typen, die die Bundesliga heute vergeblich sucht, im Strudel der glattgebügelten und auf Hochglanz polierten Marketing-Maschine irgendwo verloren hat. Und, so hat man bisweilen den Eindruck, auch gar nicht mehr haben will. Ja, Legat war vielleicht eher einfach gestrickt. Dafür aber unverfälscht, unverbiegbar, geradeaus, ein Kämpfer auf dem Platz, der abseits des Rasens sein Herz immer noch gerne auf der Zunge trägt. Harter Kern, weiche Schale.

Unvergessen ist dieser Dialog: "Herr Legat, wie sind sie eigentlich zum Bodybuilding gekommen?" Antwort: "Immer die Castroper Straße rauf." Legendär. Weniger witzig fand sein damaliger Stuttgarter Mannschaftskollege Pablo Thiam, dass Legat auf ein Poster, dass Thiam mit einer Trinkflasche zeigte, das Wort "Negersaft" kritzelte. Eine besondere Art des Humors, die nicht jedem gefällt. Dem VfB damals natürlich auch nicht. Legat flog raus.

C-Prominenz kämpft bei Promiboxen um den Titel FOTO: dpa, cas

In Erinnerung geblieben ist auch sein Auftritt beim Promi-Boxen im vergangenen Jahr. Sein Einlauf, mit dem Wahnsinn in den Augen, unter Strom stehend. So sehr, dass ihm sogar Drogenkonsum unterstellt wurde. Das fand dann Legat wiederum nicht wirklich lustig.

Doch der heute 46-Jährige ist jemand, über dessen Sprüche man unweigerlich lachen muss. Weil sie eine gewisse Eigenkreation sind, schnodderiges, verbales Ruhrpott-Rodeo, kleine mündliche Meisterwerke.

Warum versucht sich jemand wie Legat, der sichtlich brennt, der mit Leidenschaft bei der Sache ist, nicht bei einem höherklassigen Verein anstatt im, vorsichtig ausgedrückt, beschaulichen Remscheid? Nun, zum einen, da es bis zum FC für ihn nur "zwölf Minuten Fahrt" sind. Zum anderen ist Legat Familienvater.

"Ich habe nach meiner Karriere gesagt: Wenn ich Vater werde, hört der ganze Spuk auf. Ich brauche mir nichts mehr zu beweisen. Das einzige, das ich mir beweisen möchte, sind sportliche Erfolge. Die Kompetenz, die Fachlichkeit, die ich am Tage lege, meinen Spielern und den anderen mitzuteilen, da geht was. Und mehr möchte ich gar nicht mehr", sagte er. Etwas umständlich, aber seine Art kommt an. Bei seinem Debüt gewann der FC Remscheid gegen den Tabellenzweiten Cronenberg mit 1:0.

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