Offener Brief bewegt die Fanszene: Ultras Düsseldorf erteilen DFB eine Absage
VON JENNIFER TÖPPERWEIN - zuletzt aktualisiert: 03.01.2005 - 12:30Düsseldorf (rpo). Gigantische, bunte Choreographien aus Papptafeln, Spruchbändern und Plastikfolien, die sich über mehrere Blöcke ziehen, zeichnen ganz besondere und wichtige Fußballspiele aus. Die Fans wollen damit ihre Verbundenheit, Unterstützung und Treue zu ihrer Mannschaft demonstrieren. Dafür beauftragt zu werden scheint unvorstellbar – so sehen es auch die Ultras Düsseldorf (UD). Sie lehnten kürzlich in einem Offenen Brief die Anfrage des DFB ab, eine derartige Aktion für das Länderspiel Deutschland gegen Argentinien in der LTU Arena am 9. Februar zu organisieren.
Die Fan-Gruppierung möchte sich nicht durch Dritte instrumentalisieren lassen oder ihre Aktivitäten entgeldlich anbieten, so heißt es in dem Brief. Dabei wurde die Bitte des Fußballbundes nicht einfach kategorisch abgelehnt. "Nachdem unser Fan-Beauftragter Bastian Skalnik den Vorschlag erhalten hatte, leitete er ihn sofort an uns weiter und stellte ihn intern zur Diskussion", erklärt Christian Köker von UD. Zwar wurde einige Tage von allen Beteiligten Pro und Contra abgewägt, jedoch habe sich schnell eine abneigende Haltung herausgestellt. Sie würde nun von der überragenden Mehrheit der Mitglieder getragen.
Negatives Verhalten soll nicht mitgetragen werden
Selbstverständlich richte sich die Entscheidung, nicht mit dem DFB zusammenzuarbeiten, keineswegs gegen die Nationalmannschaft. Darauf legen die Ultras besonderen Wert, schließlich seien einige von ihnen sogar bei vielen Spielen anwesend oder verfolgen die Ergebnisse regelmäßig. Andere Gründe hätten sie zu dieser Absage getrieben: Der DFB stelle sich entweder durch aktives Handeln oder durch passives Dulden oftmals in mehreren Punkten ein schlechtes Zeugnis aus. Dies möchten die Düsseldorfer Ultras nicht mittragen.
Kritisiert wurde in dem Schreiben zunächst die Versitzplatzung der Fußballstadien, welche die aktive und lebende Fankultur stark einschränken würde. Dazu kämen weiterhin die überproportional gestiegenen Eintrittspreise, die sozialschwache Gruppen und Jugendliche von den Spielen ausschließen würden. Eintrittskarten für die Weltmeisterschaft 2006 seien weiterhin für alle Fußballfans zu schwierig und nur durch ein kompliziertes Bestellsystem zu erhalten, wohingegen zu viele Sponsoren freien Eintritt hätten. Auch seien die Repressionen, wie beispielsweise Videoaufnahmen, von Polizei, Vereinen und Funktionären innerhalb und vor den Stadien nicht vertretbar. Die oftmals daraus resultierenden Stadionverbote würden meist willkürlich ausgesprochen. Letztlich wurde sich gegen die Regelung gestellt, dass Amateur-Vereine in der Regionalliga spielen und immer wieder Profi-Fußballer aus der ersten Mannschaft einsetzten dürften.
Positive Resonanz aus der Fanszene
Dass dies Anliegen sind, die nicht nur den Fans in Düsseldorf schwer im Magen liegen, zeigte sich nur einige Minuten nach Veröffentlichung des Briefes. Nachdem er ebenfalls in mehreren Diskussionsforen von Fußball- und anderen Sportvereinen deutschlandweit publik gemacht wurde, gab es fast nur positive Resonanz und Anerkennung für die Aktion der Ultras Düsseldorf.
Dies sei auch einer der Gründe, warum die Absage an den DFB in Form eines Offenen Briefes geschehen ist. "Alle sollen unsere Entscheidung nachvollziehen. Das fällt manchen nach dem Lesen des Briefes bestimmt leichter", begründet Christian Köker das Vorgehen, "Wir wollten dadurch eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Interessen und Probleme aller aktiven Fans in Deutschland erreichen."
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