Fans wollen auf ihre Bedürfnisse aufmerksam machen: „Wie ein Kampf gegen Windmühlen“
zuletzt aktualisiert: 11.09.2004 - 15:10Düsseldorf (rpo). Bei der Eröffnung der Multifunktionsarena in Düsseldorf feierten die meisten der 38.123 Fans ihre Fortuna. Lauthals wurden die Spieler regelrecht zu dem 2:0-Sieg gegen Union Berlin getragen. David Kurr, Mitbegründer der Initiative Pro Stehplatz MFA und Vize-Vorsitzender des Supporters Club Düsseldorf (SCD), kann sich über die Stimmung aber nicht wirklich freuen. Er befürchtet, dass die Interessen der Fanszene für immer zerstört sind.
Natürlich sei er von der gigantischen Kulisse beeindruckt. Die Euphorie solle aber nicht falsch verstanden werden. „Sie galt der Mannschaft, nicht der Arena“, differenziert David.
Er ist seit vielen Jahren Fortuna-Fan und hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich auch für die übrigen Anhänger zu engagieren. Und für sie will er auch weiterhin kämpfen. „Ich fühle mich verantwortlich“, hebt er hervor.
Die Initiative Pro Stehplatz MFA arbeitete seit Monaten dafür, dass auch die Fan-Seite des Vereins Gehör bekommt und ernst genommen wird. Nun hat David Angst, dass die Bemühungen vergeblich waren, wenn die Allgemeinheit sich nun doch mit der Arena unter den jetzigen Bedingungen abfindet.
„Wir sind aber kein Produkt“, betont David, „Mit uns kann man nicht alles machen.“ Damit spielt er auf die nicht beachteten Bedürfnisse der Initiative und des SCD an. Sie fordern immer noch eine Begehung der Arena mit 50 Fans, sowie Gespräche und ständigen Kontakt mit der Betreibergesellschaft. Auch sollten Choreographien offiziell erlaubt werden.
Aber stur und „dickköpfig“ an etwas festhalten wollen sie nicht. „Stehplätze werden in der momentanen Situation nicht verlangt, aber die Fans müssen darüber informiert werden, wie dieses Problem in Zukunft gehandhabt werden soll“, stellt David richtig.
Kampf für eine lebendige Fan-Kultur
„Wir wollen doch gar nicht alles schlecht machen“, führt er fort. Einziges Ziel sei, dass Fan-Vereinigungen auch in Zukunft aktiv und lebendig sind. Aber genau diese kritischen Anhänger, die auch selber etwas auf die Beine stellen wollen, seien den Verantwortlichen meist ein Dorn im Auge.
Seine Furcht gilt besonders dem Trend des blinden Konsumierens. „Ich will keine Passivität und Dauerberieselung, sondern die Kommunikation zwischen den Leuten verbessern. Die verschiedensten Fans sollen zusammen stehen und die Mannschaft unterstützen“, verdeutlicht David. Angst hat er davor, dass dies bei der Arena verloren geht.
Auch bei der Arena-Eröffnung ging der Kampf weiter. Im Vorfeld wurde ein offener Brief an die Betreibergesellschaft der Multifunktionsarena geschrieben. Vor dem Spiel wurden 2000 Flugblätter und 2000 „Supporters Echos“ verteilt. Sechs große Transparente wurden gemalt, von denen jedoch nur die Hälfe mit hinein gelangte.
Mit dieser Aktion sollten in erster Linie die Leute erreicht werden, die nur wegen der Arena da waren. Sie sollten ebenfalls über die Unzulänglichkeiten informiert werden. Die Bedürfnisse der Fans müssten Gehör finden und aktuell bleiben. „Sonst waren die Anstrengungen bislang nur ein Kampf gegen Windmühlen“, befürchtet David.
Jedoch scheint die Arbeit bereits gefruchtet zu haben. Allen Bestimmungen zum Trotz standen eingefleischte Anhänger der Düsseldorfer in einem Block auf ihren Sitzen. Ihre Gesänge schalten immer wieder durch die ausverkaufte Arena: „Ohne Stehplatz wär hier gar nichts los!“
Von JENNIFER TÖPPERWEIN
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