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"Wieder im Job Fuß fassen"
Arbeitslose Fußballer halten sich im Gewerkschafts-Camp fit

Dusiburg/Köln. Im Proficamp der Spielergewerkschaft VDV halten sich derzeit arbeitslose Fußballer fit. Noch hoffen einige von ihnen auf eine neue Chance im Profigeschäft.

Es ist gerade zwei Jahre her, da schrieb Maximilian Riedmüller ein Stück Fußball-Geschichte. Damals, im Juni 2013, stand er Seite an Seite mit Manuel Neuer, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Co. auf dem Rathausbalkon in München und bejubelte das historische Triple der Bayern unter Trainer Jupp Heynckes - zuletzt aber war der Torhüter arbeitslos und musste sich im Proficamp der Spielergewerkschaft VDV in Duisburg fit halten.

"Aufgrund unglücklicher Umstände", wie es VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky im Gespräch mit dem SID ausdrückte, sei Riedmüller im Camp gewesen. Wie dem 27 Jahre alten Schlussmann ergeht es vielen Fußball-Profis: Auf den Höhenflug folgte der tiefe Fall, statt in den großen Arenen der Welt kicken ehemalige Profis wie Salvatore Gambino (Borussia Dortmund, 1. FC Köln), Christopher Schorch (Real Madrid 2, 1. FC Köln) Riedmüller und Co. in Duisburg in der Sportschule Wedau - und hoffen auf eine neue Chance.

Immerhin: "80 Prozent der Teilnehmer finden neue Jobs als Fußballprofis", berichtete Baranowsky, unter dessen Leitung das Camp seit 2003 stattfindet. Da die Spieler derzeit ohne Verein dastehen, können sie jederzeit unter Vertrag genommen werden. Unter der Regie der ehemaligen Bundesligaspieler Dietmar Hirsch und Georg Koch trainieren die Spieler zweimal täglich: Laktattests, Leistungsdiagnostik, Testspiele wie das 1:1 in Wien gegen den künftigen WM-Gastgeber Katar vor VDV-Angaben zufolge weltweit insgesamt 20 Millionen TV-Zuschauern - es geht professionell zur Sache. "Hätten die Spieler dieses Camp nicht, hätte sie quasi keine Möglichkeit mehr, auf Augenhöhe zu agieren und sich zu zeigen", meinte Baranowsky.

Hirsch und Koch arbeiten ehrenamtlich, auch sie hoffen auf eine neue Chance. "Die Erfahrungen helfen mir unheimlich weiter", sagte Hirsch dem SID: "Letztendlich will jeder wieder im Job Fuß fassen, und wir hoffen natürlich, dass sowohl die Spieler als auch die Trainer schnell wieder bei Vereinen unterkommen."

Für den Fall, dass es nicht klappt, "ist es der VDV wichtig, dass die Spieler einen beruflichen Plan B in der Tasche haben", sagte Baranowsky. Schließlich sei "jede Karriere endlich, egal ob mit 24 oder 37. Darum haben wir einen Laufbahncoach, der regelmäßig hier ist. Er zeigt Wege, um für den Tag X gewappnet zu sein. Wir haben auch einen Finanzcoach." Denn oftmals, so Baranowsky, versuchen Vereine, die prekäre Lage der Spieler mit einer unsicheren Zukunft, finanziellen Engpässen und Sorgen auszunutzen. "Es gibt Angebote, die weit unter dem Wert der Spieler sind", erzählte er, "und davor wollen wir sie schützen."

(sid)
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