Übertragung des Bayern-Spiels reine "Sensationsgier": Assauer übt harte Kritik an Mayer-Vorfelder
zuletzt aktualisiert: 07.11.2002 - 14:35Gelsenkirchen (rpo). Wegen der kurzfristigen Fernsehübertragung des DFB-Pokal-Spiels zwischen Bayern München und Hannover 96 hat Rudi Assauer harsche Kritik an Gerhard Meyer-Vorfelder und der ARD geübt. "Das ist ein Sieg der Sensationsgier über den Sport," meinte der Manager von Schalke 04.
Assauer beschimpfte den DFB-Präsidenten und forderte in seiner Wut Schadenersatz, Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser erregte sich über eine "Riesensauerei" - und Ligachef Werner Hackmann kündigte ernste Gespräche mit dem DFB-Präsidenten an: Die zusätzliche Live-Übertragung des Pokalspiels von Bayern München gegen Hannover 96 (2:1) hat einen ungeahnten Proteststurm ausgelöst.
"Da sieht man, dass es nicht um Sport geht, sondern um reine Sensationslust. Es wird Regress-Ansprüche der Vereine geben. Diese Aktion ist eine einzige Katastrophe für den deutschen Fußball. Das ist typisch für die Führung im deutschen Fußball", wetterte Aussauer.
Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat der Manager seine Schadenersatz-Drohungen zwischenzeitlich allerdings wieder zurückgenommen. Assauer habe in einem Telefon-Gespräch mit dem zuständigen DFB-Direktor Willi Hink mitgeteilt, "dass es keine Regress-Ansprüche gibt", erklärte Pressesprecher Harald Stenger. Assauer dementierte dies allerdings auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.
Auf die Frage, ob er nach einer Nacht Abstand etwas zurückzunehmen habe, sagte der Manager: "Nein, ich bleibe dabei. Es ist eine Zumutung, dass so etwas geschieht." Hackmann sieht nun in jedem Fall Geprächsbedarf: "Darüber werden wir im DFB-Präsidium zu reden haben", meinte der ehemalige HSV-Chef auf sid-Anfrage.
Assauer ließ kein gutes Haar an Mayer-Vorfelder, der kurzfristig trotz anderer vertraglicher Vereinbarungen grünes Licht für die Übertragung vor der zuvor schon geplanten Austrahlung der Begegnung von Schalke 04 gegen Borussia Mönchengladbach gegeben hatte. "Der Präsident alleine kann nicht entscheiden und machen, was er will. Das ist ein absoluter Gipfel der Unverfrorenheit für die Liga", schimpfte der Manager.
Bayern habe zudem für die Übertragung einen höheren Betrag erhalten als Schalke - was er den Münchnern aber nicht zum Vorwurf machen wolle. Und mit Blick auf eine schon länger geplante Pressekonferenz mit dem DFB-Chef und Hackmann zu einem Benefiz-Spiel für die Flutopfer sagte Assauer: "Wenn die am Montag kommen, müssen die sich Hörmuscheln aufsetzen."
Nicht nur, dass erstmals zwei Pokalspiele in einer Runde live übertragen wurden: Mit der Ausstrahlung der Begegnung aus München zudem wurde eine Vereinbarung gebrochen, wonach ein Live-Spiel nicht zeitgleich zu anderen Begegnungen ausgetragen wird. Diese Regelung war getroffen worden, damit die Zuschauer nicht wegen der TV-Ausstrahlung bei den weiteren Spielen fernbleiben. Die ARD soll dafür zusätzlich knapp zwei Millionen Euro gezahlt haben.
Unterstützung erhielt Assauer von Bayer Leverkusen. "Es ist schön für die Fans, die das Bayern-Spiel sehen konnten. Aber es gibt gültige Verträge und Richtlinien, nach denen nur ein Spiel pro Runde live übertragen werden kann. Dass die Vereine nicht gefragt und nicht einmal informiert werden, zeigt deutlich die Haltung des DFB gegenüber den Klubs", meinte Geschäftsführer Holzhäuser und brachte ebenfalls einen finanziellen Ausgleich für die kleinen Vereine, die möglicherweise geringere Zuschauer-Einnahmen hatten, ins Gespräch: "Ob sie vom DFB finanziell entschädigt werden, darüber wird man reden müssen, aber wir werden die kleinen Vereine bei diesem Bestreben sicherlich unterstützen."
ARD mit Einschaltquoten zufrieden
Weiterer Zuspruch kam von Bochums Trainer Peter Neururer. "Es kann doch nicht angehen, dass Bayern einfach mal so ein Fernsehspiel bekommt. Das steigert deren Einnahmen und bei unserem Spiel in Kiel kommen weniger Fans. Das sind Gelder, die Holstein und uns am Ende fehlen", meinte der Coach. Auch Gladbach-Trainer Hans Meyer schloss sich dem Protest an.
"Der Präsident hat die Entscheidung im Sinne der Fans gefällt, die das Spiel im Fernsehen verfolgen können", verteidigte Stenger den Alleingang von Mayer-Vorfelder. Zudem profitierten durch die zusätzlichen Einnahmen alle Vereine und nicht nur die am Spiel beteiligten Klubs. Außerdem sei es bei den zeitgleichen Begegnungen nicht zu drastischen Zuschauer-Einbrüchen in den Stadien gekommen.
Auch die ARD, die sich über 5,68 Millionen Zuschauer (19,8 Prozent) beim Bayern-Spiel und 5,86 Millionen (20,3 Prozent) bei der Schalke-Partie freute, bekam von Assauer ihr Fett weg. Dabei nahm "Assi" vor allem WDR-Intendant Fritz Pleitgen ins Visier: "Der Pleitgen hat einen Batzen Geld für Sensationslust rausgeschmissen. Wenn das was mit Sport zu tun haben soll, müssen wir aufhören. Das ist eine Lex Bayern. Sollen Sie doch auch sonst alle Bayern-Spiele live zeigen." ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf wies die Vorwürfe zurück: "Es kann uns doch keiner verbieten, dass wir im Sinne der Zuschauer handeln. Die Quoten bestätigen meine Auffassung."
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