WM-Playoff-Zusammenfassung: Auch Irland qualifiziert
zuletzt aktualisiert: 15.11.2001 - 18:08Neuss (rpo). Irland ist als letztes europäisches Team auf den WM-Zug gesprungen. Den Kicker von der grünen Insel reichte im Relegeations-Rückspiel eine 0:1-Neiderlage im Iran. Das Hinspiel hatten die Iren 2:0 gewonnen.
Belgien jubelt über den Schalker "Goldschützen" Marc Wilmots, Slowenien schwebt vor der WM-Premiere im siebten Fußball-Himmel und die Türkei feiert die zweite Teilnahme nach 47 Jahren WM-Abstinenz: Neben Deutschland qualifizierten sich am Mittwoch im entscheidenden Playoff-Rückspiel auch Belgien (1:0 in Tschechien), die Türkei (5:0 gegen Österreich) sowie "überraschend" Neuling Slowenien (1:1 in Rumänien) für die am 31. Mai 2002 beginnende Weltmeisterschaft-Endrunde in Südkorea und Japan.
Als 31. Mannschaft sicherte sich Irland am Donnerstag vor 110.000 Zuschauern in Teheran gegen die WM-Teilnahme. Yahya Golmohammadi (90.) sorgte für das iranische Siegtor, das allerdings nicht zum Weiterkommen reichte. Für die Kicker von der grünen Insel ist es der dritte Weltmeisterschafts-Start nach 1990 und 1994.
Die Belgier schrieben mit ihre bereits sechsten WM in Serie seit 1982 Geschichte. Mehr als 800 Fans begrüßten die "Roten Teufel" nach dem erneuten 1:0-Erfolg im Rückspiel in Prag noch nachts um 2.00 Uhr in Brüssel am Flughafen und feierten vor allem den eingewechselten Schalker Marc Wilmots. Der Kapitän hatte in seinem 60. Länderspiel in der 85. Minute durch ein Foulelfmetertor sein Land zur WM geschossen.
"Es gab nur einen Elfmeter in meiner Karriere, der wichtiger war. 1997 mit Schalke im Uefa-Cup-Finale. Hier haben keine Flamen und Wallonen gespielt, sondern eine wahre Mannschaft", kommentierte Wilmots, der damit seine vierte WM-Teilnahme perfekt machte. Zudem standen auch seine beiden Schalker Teamkollegen Nico van Kerckhoven und Sven Vermant sowie der Berliner Bart Goor, aber nicht der verletzte Emile Mpenza (ebenfalls Schalke), in der Erfolgself.
"Es ist einer der schönsten Momente in meinem Leben. Wir sollten nun aufhören, immer von den kleinen Belgier zu sprechen. So werden wir nie etwas erreichen. Wir sind nicht mehr nur die Außenseiter", meinte van Kerckhoven. Die Freunde über die erneute WM-Teilnahme ist in Belgien besonders groß, weil der Erzrivale Niederlande nur Zuschauer ist.
Auch in Istabul war in Yildiray Bastürk ein Bundesliga-Leagionär Wegbereiter zum historischen Erfolg. Die ganze Nacht feierten in der Haupstadt mehr als 3,5 Millionen Menschen ihre "Helden" und auch Bastürk, der den Führungstreffer (22.) sowie acht Minuten später das 2:0 durch Hakan Sükür vorbereitet hatte, ehe er wegen einer Sprunggelenk-Verletzung kurz vor der Pause ausgewechselt werden musste. "Das ist der Höhepunkt meiner Karriere. Wir haben Geschichte geschrieben, aber unsere Mission ist noch lange nicht vorbei", meinte Bastürk, der im rheinischen Derby beim 1. FC Köln am Samstag trotz Blessur mitwirken will.
Wahre Loblieder stimmten auch die türkischen Medien an. "Unsere Nationalelf hat mit dem 5:0 über Österreich und dem gelösten WM-Ticket den größten Erfolg in der türkischen Fußball-Geschichte geschrieben. Es war die Nacht der Legionäre", schreibt Hürriyet und der Star titelt gar: "Mein Gott, was ist das für eine Freude. Jeder kann heute stolz sein, ein Türke zu sein. Jetzt fahren wir nach Japan und Südkorea, wollen ins Viertelfinale". Auch Sabat schwärmt: "Ihr seid wunderbar, eine ganze Nation ist stolz auf euch".
Unterdessen sorgte Teamchef Senol Günes, vor dem Playoff-Triumph in der Kritik der nationalen Medien, mit seiner Rücktrittsdrohung für Unruhe am Bosporus. "Ich habe meinen Dienst für meine Nation geleistet. Ich werde am Dienstag bekanntgeben, was ich in Zukunft mache: Ich lasse nicht mit meinem Stolz spielen", meinte Günes verärgert.
In Österreich herrscht nach dem Debakel von Istanbul Katerstimmung. "Jämmerlich! Peinliche 0:5-Pleite. Herr Baric, was nun?" titelt der Kurier und die Kronenzeitung schreibt: "Aus vorbei - WM-Traum endet mit bösen Hieben. Totalversager in Istanbul." "Wir haben die Realität verkannt. Es ist traurig und bitter, so eine Abfuhr bekommen zu haben, aber wir haben bei der WM nichts verloren", kommentierte der bei Werder Bremen unter Vertrag stehende Mannschaftskapitän Andreas Herzog.
Die WM-Premiere feieren dagegen die Slowenen mit dem Unterhachinger Dzoni Novak dank eines 1:1 im Rückspiel in Rumänien nach dem 2:1-Hinspielsieg und wurden bei ihrer Ankunft in Ljubljana von 15.000 Fans euphorisch gefeiert. Es ist nach der EM-2000 der größte sportliche Erfolg der seit 1991 unabhängigen Republik.
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