Hitzfeld sagt Daum einen schweren Stand voraus: "Aus Notlösung wurde optimale Lösung"
zuletzt aktualisiert: 22.09.2000 - 15:35Berlin (sid). Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld hat dem neuen DFB-Teamchef Rudi Völler ein Riesenkompliment gemacht und gleichzeitig dem künftigen Bundestrainer Christoph Daum einen schweren Stand bei dessen Amtsantritt vorausgesagt. "Ich glaube, im Nachinein kann man die Notlösung als optimale Lösung bezeichnen. Neben seinem Fachwissen versteht es Völler, sich zurückzuhalten im richtigen Moment, und er hat psychologisches Geschick", sagte der Meistertrainer in einem Interview für die Samstagsausgabe der Berliner Tageszeitung Die Welt.
"Für Daum wird die Aufgabe nicht leichter damit, die psychische Belastung ist jetzt ziemlich groß. Es ist nicht angenehm für ihn, dass plötzlich ein Messias aufgetaucht ist aus dem Nichts. Ihn abzulösen wird diese psychische Belastung noch erhöhen, das steht schon jetzt fest. Mit jedem Sieg, den Völler erringt, wird die Aufgabe schwieriger", sagte Hitzfeld, der sich dennoch sicher ist: "Aber Daum wird das meistern."
Der Bayern-Trainer, der nach der Euro-Blamage der deutschen Mannschaft selbst als Bundestrainer gehandelt worden war, wäre nach eigenen Angaben nie in eine so verzwickte Situation wie sein Leverkusener Kollege Daum gekommen: "Ich hätte das nicht gemacht, ich hätte die Doppellösung bevorzugt, also eine Saison lang Vereins- und Nationaltrainer zu sein. Ich halte es für sehr gefährlich, ein Jahr vorher schon irgendwo zu unterschreiben. Man weiß ja nie, was alles passieren kann."
Vehement verteidigte der 51-Jährige noch einmal das Rotationsprinzip bei den Bayern. "Erfolgreich können wir nur sein, wenn wir rotieren, und zwar kräftig, ansonsten haben wir keine Chance, sonst ist die Mannschaft irgendwann ausgebrannt." Damit verwahrte sich Hitzfeld auch gegen die Kritik des Ex-Bayern Paul Breitner. Der Weltmeister von 1974 hatte seinem Ex-Verein und vor allem Hitzfeld "eine Verarschung der Zuschauer" vorgeworfen. "Breitner ist ein bezahlter Kritiker, er verdient sein Geld damit, zu polarisieren. Aber ich muss den Kopf hinhalten, nicht er, ich denke ein bisschen weiter als nur über den Tellerrand des nächsten Spiels."
Hitzfeld räumte aber ein, dass die Champions League derzeit eine Nummer größer als die Bundesliga sei, "wo die Gegner zuletzt schwächer waren". Dennoch sei es eine riesige Motivation, zum dritten Mal hintereinander deutscher Meister zu werden. Als schärfste Rivalen im Kampf um den nationalen Titel bezeichnete der Münchner Coach nach wie vor Vizemeister Bayer Leverkusen sowie Schalke 04 und Borussia Dortmund.
Der Bayern-Trainer gab zu, dass er diesem Jahr schon Angebote aus England, Spanien und Italien erhalten habe. "Für mich kommt aber nur Italien oder Spanien infrage. Das wäre reizvoll, eine neue Erfahrung, eine neue Herausforderung." Hitzfeld stellte in der Welt aber klar, dass er seinen Vertrag bei den Bayern bis 2003 erfüllen wolle: "Ich bin ein Trainer, der Verträge einhält."
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