Traum-Start mit zwei Siegen: Babelsberg erobert die Zweite Liga
zuletzt aktualisiert: 07.08.2001 - 13:35Potsdam (rpo). Die Zweitliga-Kicker aus der Filmstadt Babelsberg haben die Zweite Bundesliga im Sturm erobert und sich vorläufig einen Aufstiegsplatz erspielt. Traumhafte sechs Punkte haben die Neulinge nach dem vermeintlich schweren Start gegen zwei ehemalige Bundesligisten auf ihrem Konto.
Dabei waren sich Experten vorher sicher: Die "Babelszwerge" sind erster Absteiger und treten nur eine Spielzeit auf der Unterhaus-Bühne auf. Doch der Neuling will sich nicht von der Konkurrenz beeindrucken lassen. "Wir werden solange für Überraschungen sorgen, bis es irgendwann keine mehr sind", erklärte Manager Oskar Kosche im Überschwang, nachdem der MSV Duisburg am Sonntag mit einer 1: 3-Packung zurück in den Westen gechickt wurde. Bereits eine Woche zuvor war man bei Arminia Bielefeld (1:0) rotzfrech aufgetrumpft. Mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Stolz kommentiert Präsident Detlef Kaminski den Saisonauftakt: "Zwerge zeigen, dass man auch mit gutem Spiel in der angeblichen Klopperliga siegen kann. "
Gerade das "Zwerge"-Image wird gehegt und gepflegt. Während andere Teams sich in noblen Herbergen auf die Runde vorbereiten, hauste man bewusst spartanisch in der Sportschule Kienbaum in einem Neubaublock, in dem sich seit DDR-Zeiten nicht viel verändert hat. Keeper Alexander Kunze hatte sogar Angelausrüstung und das eigene TV mitgebracht, um der abendlichen Langeweile zu entfliehen.
"Volle Konzentration auf den Fußball", begründete Trainer Hermann Andreew und handelte offensichtlich richtig. Die Freude am Spiel und der ausgeprägte Teamgeist, Garanten für den Aufstieg, sind ungebrochen. "Ein verdienter Sieg für Babalsberg", musste MSV-Coach Pierre Littbarski zugeben und zeigte sich vor allem vom 2: 1 durch Vladan Milanovic beeindruckt: "Ein solches Tor sieht man in der zweiten Liga nicht oft."
Der an den fünf vorbereitenden Doppelpässen beteiligte Stürmer Enrico Röver kommentierte dagegen kurz und trocken: "So spielt man Fußball". Und Teamkollege Michael Lorenz enthüllte nach seinem Tor zum Endstand gegen die Zebras das Erfolgsmotto: "be a Zwerg" (sei ein Zwerg) stand auf dem T-Shirt unter dem gelupften Trikot.
Prominente Zuschauer auf der Tribüne zeigen sich beeindruckt vom filmreifen Auftritt. "Wir müssen aufpassen, wenn wir hier am 25. August zum Pokalspiel kommen", kommentierte Hertha-BSC-Trainer Jürgen Röber und Trainer Georgi Wassilew vom Konkurrenten 1. FC Union Berlin zeigte sich beeindruckt von der spielerischen Klasse.
Die "Zwerge" selbst machen sich dagegen weiter klein. "Uns fehlen jetzt noch 34 Punkte zum Klassenerhalt", sagt Kapitän Almedin Civa. Coach Andreew versucht, alle Emotionen im Zaum zu halten ("Das sind lediglich sechs Punkte gegen den Abstieg") und Klub-Boss Kaminski glaubt an dessen Fähigkeiten: "Ich mache mir keine Sorgen, dass die Spieler abheben. Spätestens bei der Video-Analyse wird der Trainer die Fehler gnadenlos aufzeigen."
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