| 11.59 Uhr

Bayer Leverkusen
37 Punkte könnten für Bayer schon reichen

Nur Havertz und Leno überzeugen
Nur Havertz und Leno überzeugen FOTO: dpa, puc nic
Ingolstadt. Mit Ach und Krach hat Bayer Leverkusen beim FC Ingolstadt eine weitere bittere Schlappe vermieden. Das 1:1 (0:0) war alles andere als glanzvoll, aber es reichte, um die Abstiegsangst zu bannen.

Rudi Völler brauchte den Schnaps mit Ingolstadts Präsident Peter Jackwerth dann doch nicht, um seinen vielleicht rebellierenden Magen oder die Nerven zu beruhigen. Der erleichterte und deshalb gut gelaunte Sportchef von Bayer Leverkusen hielt einfach nur Wort. "Ich habe versprochen, dass ich einen Schnaps mit ihm trinke, und das tue ich jetzt", sagte Völler nach dem eminent wichtigen 1:1 (0:0) beim FC Ingolstadt, der nun dem Abstieg ins Auge blickt.

Es war gerade nochmal gut gegangen für Bayer – und so hatte allein dieses Remis schon befreiende Wirkung. Die Enttäuschung über den vergebenen Sieg mit einer Williams-Birne besser zu verdauen, hatte eher Jackwerth nötig. "Dieser Punkt kann sehr wichtig sein", sagte Völler. "Es könnte schon reichen", befand Bayer-Geschäftsführer Michael Schade.

37 Punkte hat der Werksklub nun insgesamt, das genügt im Moment für Rang zwölf. Dem Champions-League-Teilnehmer bleibt der mögliche GAU des Abstiegs mit ziemlicher Sicherheit erspart, aber nicht eine indiskutable Bundesliga-Bilanz. Egal, was an den beiden letzten Spieltagen noch passiert.

Havertz wird nach Abiturprüfung zum Retter

Zum Bayer-Retter stieg Teenager Kai Havertz auf, der noch am Donnerstag eine Abiturprüfung geschrieben hatte und am Samstag mit Köpfchen in der 78. Minute die nächste schlimme Pleite abwendete. "Tolles Füßchen, tolles Verständnis und ein Näschen", lobte Völler den 17-Jährigen. "Ich ziehe meinen Hut. Wahnsinn, was er leistet in dieser Saison", sekundierte Stürmer-Routinier Stefan Kießling.

Das Ausgleichstor hatte Völler in der Kabine zusammen mit den Physiotherapeuten erlebt. Wie in der Vorwoche hatte der frühere Bundestrainer seinen Tribünenplatz schon nach wenigen Minuten geräumt. Nicht aus Frust oder Ärger, sondern wegen seiner Emotionalität. "Ich habe gemerkt, ich fluche zu extrem. Es ist nicht so gut, wenn das alle Spieler hören", sagte er schmunzelnd. Schließlich saßen neben Völler auch die verletzten Lars Bender, Jonathan Tah und Ömer Toprak.

Völler hatte auch nicht übermäßig gezittert, behauptete er jedenfalls, als Sonny Kittel (73.) die Ingolstädter in Führung brachte. "Ich habe das Gefühl gehabt, wir wollen nochmal", sagte Völler.

"Bereit für den Abstiegskampf"

Überhaupt betonten die Rheinländer über die Maßen den Team- und Kampfgeist der Mannschaft, die in den Tagen vor dem Schlüsselspiel viel für den Zusammenhalt getan hatte. "Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind für den Abstiegskampf", resümierte Trainer Tayfun Korkut, der mit Bayer nun magere sieben Punkte in neun Spielen geholt hat.

Bereit waren auch die Schanzer, wie eigentlich immer in den vergangenen Wochen. Es mangelte weder an Einsatz, noch an Leidenschaft, aber an genug Toren und Abgezockheit. "Ich habe das Wort bitter nach Spielen zu oft sagen müssen. Wir waren oft ganz eng dran, wir hatten oft mehr verdient", meinte Trainer Maik Walpurgis. Realität ist aber Tabellenplatz 17 mit 30 Punkten.

Ingolstadt kann den Relegationsplatz noch schaffen, aber dazu sind mit ziemlicher Gewissheit Siege in Freiburg und gegen Schalke nötig. "Die Bundesliga hat schon viele verrückte Geschichten geschrieben, warum nicht auch dieses Jahr", sagte Walpurgis.

Den Glauben an ein Fußball-Wunder haben die Donaustädter jedenfalls nicht verloren. "Wir sind Realisten, aber es ist nicht unmöglich", meinte Jackwerth. Dann genehmigte er sich mit Völler den edlen Obstler.

(sid)
 
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