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Bayer Leverkusen
Mehmedi deutet Abschied an

Porträt: Admir Mehmedi: Mazdeonier in Diensten der Schweiz
Porträt: Admir Mehmedi: Mazdeonier in Diensten der Schweiz FOTO: dpa, dna nic
Mönchengladbach. Der 25-Jährige ist über seine zunehmende Nichtbeachtung unter Roger Schmidt unzufrieden. Das "Abenteuer" Bayer 04 könnte für den Schweizer Offensivmann nach nur einem Jahr ein vorzeitiges Ende nehmen. Von Stefanie Sandmeier

Als einer der letzten Bayer-Profis verließ Admir Mehmedi das Stadion in Mönchengladbach. Höflich wie immer begegnete der Leverkusener Offensivmann seinen Gesprächspartnern. Die 1:2-Niederlage hätte nicht sein müssen, sagt er. Aber dieses vorletzte Saisonspiel, das sportlich keinen Wert mehr besaß, war längst nicht mehr das Thema. Das wusste auch Mehmedi, der auf Nachfrage überraschend offen Einblicke in sein Seelenleben gewährte.

Wieder war sein Arbeitstag ein kurzer. Sein Anteil am Spiel gegen die Borussia: neun Minuten. Zum wiederholten Mal war der 25-Jährige in der Bundesliga nur Reservist. Was die Situation umso schlimmer für ihn machte: Roger Schmidt war aufgrund der kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfälle (Kevin Kampl und Julian Brandt) mit nur 13 Feldspielern nach Mönchengladbach gereist. Schmidt gab in der Offensive Robbie Kruse den Vorzug. Mehmedi saß 81 Minuten auf der Bank. Für den Schweizer der Tiefschlag der vergangenen Wochen.

Mehmedi ist angesichts seiner zunehmenden Nichtbeachtung unzufrieden. Sechs Mal wurde er in der Rückrunde - jeweils spät - eingewechselt. Fünf Mal überhaupt nicht, gegen Schalke gehörte der Angreifer nicht einmal zum Kader. "Man muss nicht sonderlich intelligent sein, um meine Situation einzuschätzen. Ich bin nicht gekommen, um auf der Bank zu sitzen", sagt Mehmedi. "Das ist eine schwierige Situation für alle. Für mich persönlich ist das im Hinblick auf die EM enttäuschend - zumal das Abenteuer für mich in Leverkusen so gut begann. Ich habe bewiesen, dass ich ein guter Spieler für diese Mannschaft sein kann."

Mehmedi kam im Sommer vom damaligen Absteiger SC Freiburg mit großen Erwartungen. Tatsächlich hatte er einen guten Start. Er bekam seine Spielzeit und hatte nach der Hinrunde zwei Bundesligatore sowie vier in der Champions League erzielt (dazu eines in den Play-offs). Wettbewerbsübergreifend ist er Bayers drittbester Vorlagengeber. Trotzdem setzte Schmidt in der Rückrunde mehrheitlich auf andere Spieler. Während Bayer 04 zuletzt von Sieg zu Sieg eilte, und Spieler wie Julian Brandt und Karim Bellarabi aufblühten, sah Mehmedi meist von außen zu. Er ist einer der großen Verlierer von Bayers Erfolgsserie, nur 20 Minuten hat er seit dem 26. Spieltag gespielt. Warum? Mehmedi schaut ratlos. "Ich weiß es nicht. Dass ich am Schluss dieser Saison so dastehen würde wie jetzt, hätte ich nicht erwartet. Das ist mir in meiner Karriere noch nie passiert", fügt der Schweizer Nationalspieler an. "Anscheinend ist der Trainer mit meiner Leistung nicht zufrieden. Er stellt die Spieler auf, die er für die Richtigen hält, dazu gehöre ich nicht. Erklären kann ich es mir auch nicht."

Roger Schmidt betonte unlängst, sein Team stets nach Leistungsgesichtspunkten aufzustellen. Im offensiven Mittelfeld haben Brandt und Bellarabi seit Wochen einen Lauf und lieferten nicht zuletzt mit ihren Toren die besten Argumente.

Im Moment der Unzufriedenheit würde man von Mehmedi vielleicht eine verbale Attacke erwarten. Doch die spart er sich. Seine Aussagen sind klar heraus, besitzen eine gewisse Schärfe, ein böses Wort Richtung Schmidt fällt indes nicht.

Das spricht für den Menschen Mehmedi, der sehr sachlich und in einer für ihn typisch unaufgeregten Art über den Fußballer Mehmedi spricht. Der ist erkennbar frustriert und kündigt Gespräche an. "So kann es nicht weitergehen. Wir setzen uns nach der Saison zusammen und sprechen darüber, was für beide Seiten das Beste ist", sagt er.

Ein Abschied ist nicht ausgeschlossen. Mehmedi besitzt zwar einen Vertrag bis 2019 - je nachdem, wie Schmidt seinen Kader plant, wird man dem 25-Jährigen bei der Suche nach einem neuen Verein aber wohl keine Steine in den Weg legen. Seite Sport

Quelle: RP
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