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Bayer Leverkusen
Auch bei Chicharito gibt es eine Schmerzgrenze

Leverkusen. Der mexikanische Stürmer ist für die Werkself nicht nur sportlich ein Glücksfall. Bayer 04 will sich aber "nicht in der Chicharito-Manie verlieren", sagt Marketingdirektor Jochen A. Rotthaus, sondern auch für die Zeit nach ihm gewappnet sein. Von Stefanie Sandmeier

Es gab zuletzt kaum ein Spiel, das in der Nachbetrachtung der Höhepunkte ohne Chicharito auskam. Das liegt vor allem an seiner herausragenden Trefferquote. Als einziger Bayer-Profi schießt der Mexikaner im Saisonverlauf verlässlich Tore. 21 Treffer in 23 Pflichtspielen (13 davon in der Bundesliga) sind es inzwischen. Dem nicht genug, sorgt der 27-Jährige, der in seiner fußballverrückten Heimat beinahe als Heiligtum verehrt wird, auch in Leverkusens Marketingabteilung für zufriedene Gesichter.

Geschäftsführer Michael Schade bezeichnete Javier Hernández wohl auch deshalb als "Rundumsorglospaket", weil er Bayer 04 eben nicht nur wichtige Tore, sondern eine Beachtung garantiert, die in dieser Form niemand erwarten durfte.

Insbesondere international. In Teilen der USA zum Beispiel, wo viele seiner Landsleute leben, schauen die Menschen zum Frühstück inzwischen mit Vorliebe die Spiele der Leverkusener an. Das passt ganz wunderbar zu den Expansionsbestrebungen der Bundesliga - und der Internationalisierungsstrategie von Bayer 04. Weil Chicharito hilft, Türen zu öffnen.

Wie lange er das im Trikot der Leverkusener macht, darüber wird bereits spekuliert. Mit seiner Torquote betreibt der Mexikaner jedenfalls kräftig Eigenwerbung - und weckt dadurch Begehrlichkeiten. Aus England soll es bereits Interessenten geben. Die locken mit viel Geld. Umso wichtiger wird es sein, die Champions League zu erreichen und ein sportliches Pfund dagegenzuhalten. Andernfalls wird es schwer, ihn vom Bleiben zu überzeugen. Wenngleich Geschäftsführer Michael Schade klarstellt: "Wir haben mit Leistungsträgern wie Chicharito über den Sommer hinaus Verträge. Wir entscheiden, wer den Verein verlässt." Unverkäuflich ist aber auch er nicht. "Wir möchten ihn auf keinen Fall abgeben", fügt Schade an. "Aber wir sind auch ein Wirtschaftsunternehmen und haben eine Schmerzgrenze. Entscheidend ist aber, dass Bayer 04 die bestimmt."

Im Werksklub ist niemand so naiv zu glauben, dass der Mexikaner in Leverkusen sein Fußball-Rentenalter erreicht. Das betonte indirekt Jochen A. Rotthaus, der beim Kongress "SpoBis" in Düsseldorf in seiner Funktion als Direktor Marketing und Kommunikation sprach. "Wir müssen den Chicharito-Effekt so gut es geht mitnehmen, uns aber gleichzeitig für eine Zeit nach Chicharito wappnen."

Die Zeit danach - das kann nach Ablauf des bis 2018 datierten Vertrages, aber eben auch davor sein. Deshalb arbeite der Klub beispielsweise in den Werbegrafiken teilweise reduziert mit Chicharito und stelle "auch unsere anderen Stars in den Vordergrund". Bayer 04 wolle sich "nicht in der Chicharito-Manie verlieren". Rotthaus bezeichnete den Mexikaner als einen "kleinen Baustein in der langfristig angelegten Internationalisierungsstrategie".

In der internationalen Vermarktung sieht er allerdings noch viel Arbeit auf den Verein zukommen. "Wir glauben und hoffen, dass wir durch unsere gesteigerte Reichweite und Awareness potenzielle Sponsoren generieren können." Dies sei allerdings noch ein langer Weg.

In den sozialen Medien sei der Aufschwung durch Chicharito bereits deutlich zu beobachten. So kommen aktuell etwa 20 Prozent der Follower von Bayer 04 bei Facebook, Twitter und Co. aus Mexiko.

Angesprochen auf mögliche Angebote, ließ Chicharito im Trainingslager seine Zukunft über den Sommer hinaus offen. Er betonte zwar, wie wohl er sich in Leverkusen fühlt, wo er wieder Gelegenheit bekommt, Tore zu schießen, verwies aber auf die Mechanismen des Profi-Fußballs. "In diesem Sport spielt es keine Rolle, ob Du einen Vertrag über zehn Jahre unterschreibst oder zehn mal um ein Jahr verlängerst. In sechs Monaten kann alles wieder anders sein", sagte er. Erstes Ziel sei es, eine gute Rückrunde zu spielen. Auch davon wird abhängen, wie seine Geschichte weitergeht.

Quelle: RP
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