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Bayer Leverkusen
Leno: "Das war sehr schockierend"

Bayer 04 Leverkusen: Bernd Leno begrüßt Absage des Länderspiels in Hannover
Bernd Leno findet, dass die Absage des Länderspiels gegen die Niederlande die richtige Entscheidung war. FOTO: afp, MLM
Leverkusen/Düsseldorf. Bernd Leno von Bayer Leverkusen erlebte die dramatischen Ereignisse rund um die deutsche Nationalmannschaft hautnah mit. Der Torhüter begrüßt die Absage des Länderspiels in Hannover. Von Simon Janssen und Patrick Scherer

Es ist kurz nach 19.15 Uhr am Dienstagabend, als sich Oliver Bierhoff im Bus der deutschen Nationalelf von seinem Sitz erhebt. Der Teammanager stellt sich vor die Mannschaft und teilt ihr mit, dass er gerade telefonisch erfahren habe, dass das in knapp anderthalb Stunden angesetzte Länderspiel in Hannover gegen die Niederlande aufgrund einer Terrorwarnung abgesagt wird.

"Im ersten Moment war das schockierend, weil uns direkt wieder die Bilder der Anschläge von Paris in die Gedanken kamen", sagt Bernd Leno, der im Bus saß. Vier Tage zuvor hatte er im Stade de France ausgeharrt, während der Terror in der Stadt wütete. Die Absage des Spiels in Hannover war für ihn daher logische Konsequenz: "Die Leute, die das entschieden haben, werden sich etwas dabei gedacht haben. Es war die richtige Entscheidung, da gar kein Risiko einzugehen."

Porträt: Bernd Leno – Leverkusener Torwart-Juwel mit DFB-Ehren FOTO: dpa, bt hak

Der Torhüter von Bayer Leverkusen war das zweite Mal mit der A-Nationalmannschaft auf Reisen. Im Oktober war er erstmals für die Spiele in Irland und gegen Georgien nominiert worden. "Eine tolle Erfahrung", hatte Leno danach zu Protokoll gegeben. Auch auf seine zweite Dienstreise nach Paris und Hannover hatte sich Leno gefreut. Was bleibt, ist aber Verunsicherung und die Erinnerung an Terror und Angst.

"Es waren keine schönen Tage"

"Es waren keine schönen Tage, das ist klar", sagt Leno am Tag nach der Spielabsage. Das Team wurde fünf Kilometer vor der Hannoveraner Arena von der Polizei zunächst zu einer ihrer Dienststellen eskortiert. Nach weiterer Beurteilung der Sicherheitslage ging es ins Teamhotel. Danach durften die Spieler direkt die Heimreise antreten. Einige flogen noch in der Nacht nach München, andere fuhren direkt mit dem Auto Richtung Nordrhein-Westfalen. Als Letzter verließ Shkodran Mustafi Richtung Valencia am Mittwoch um 7 Uhr das Teamquartier in Barsinghausen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) teilte am Nachmittag mit, dass alle Spieler "wohlbehalten zu Hause angekommen" sind.

Reaktionen: "Wann hört das bitte auf!??"

Dass der Bundesliga-Alltag ab Freitag wieder Einzug hält und Bernd Leno mit Bayer am Samstag in Frankfurt wieder seinem Beruf nachgehen wird, begrüßt der Torhüter. "Der Fußball darf sich dem Terror nicht geschlagen geben."

Angela Merkel war mit Innenminister Thomas de Maizière am Dienstag nach Hannover gereist. Direkt nach der Absage flog sie nach Berlin zurück. Am Mittwoch betonte die Bundeskanzlerin: "Ich danke der Nationalmannschaft, dass sie bereit war, dieses Spiel zu spielen, denn sie hatte ja schwere Tage hinter sich." Leno beschreibt die Situation im Pariser Stade de France am Freitagabend. Der 23-Jährige habe die Selbstmordattentäter akustisch wahrgenommen, aber gedacht, es seien sehr laute Böller gewesen. "Nach dem Schlusspfiff haben wir dann erfahren, dass es sich dabei um Explosionen handelte und dabei Menschen ums Leben gekommen sind. Das war sehr schockierend", sagt Leno und spricht von seiner Angst aufgrund der ungewissen Situation, als das Team in den Kabinen des Stadions übernachtete und in jeder Minute auf die Nachricht wartete, endlich zum Flughafen gebracht werden zu können. "Wir haben auf den Sitz- und Massagebänken geschlafen oder auf Matten. Wir waren einfach extrem froh, als wir Paris dann verlassen hatten und wieder zu Hause waren", sagt Leno.

Bis sich die deutsche Nationalelf zu den nächsten Länderspielen gegen England am 26. März in Berlin und drei Tage später in München gegen Italien wiedertrifft, vergehen gut vier Monate. Viel Zeit zur Aufarbeitung bei Leno & Co. Schon nach der Horrornacht von St. Denis hatte Löw das Gespräch mit dem DFB-Teampsychologen Hans-Dieter Hermann gesucht, um die nötigen Maßnahmen zu besprechen. "Erst der Alltag in den Vereinen und die Gespräche zu Hause werden hier helfen. Das Angebot einer fachlichen Unterstützung haben die Spieler ohnehin", sagte Hermann. "In Paris war die Gefahr konkreter, in Hannover war sie eher abstrakt. In Verbindung mit den Vorerlebnissen war die Bedrohung dennoch spürbar."

Martin Kind, Präsident von Hannover 96, sprach vom Beginn einer neuen Zeitrechnung: "Das wird den Fußball verändern und stellt uns vor eine neue Herausforderung." Ähnlich bestürzt hatte sich Ligapräsident Reinhard Rauball geäußert: "Der Fußball hat mit dem heutigen Tag in vielen Facetten eine andere Wendung bekommen."

Quelle: RP
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