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Bayer Leverkusen
Leno: "Klar spürt man Druck"

Porträt: Bernd Leno – Leverkusener Torwart-Juwel mit DFB-Ehren
Porträt: Bernd Leno – Leverkusener Torwart-Juwel mit DFB-Ehren FOTO: dpa, bt hak
Leverkusen. Am Sonntag tritt Bayer 04 beim 1. FC Köln an. Torhüter Bernd Leno könnte in diesem Nachbarschaftstreffen im Mittelpunkt stehen. Ob er über die Saison hinaus in Leverkusen bleibt, ist offen. Von Stefanie Sandmeier

Es gibt nicht viele Profis in Leverkusen, die länger im Verein sind als Bernd Leno. Fünf Jahre spielt er bereits für Bayer. In dieser Zeit hat er 30 Champions-League-Spiele bestritten, dazu zehn in der Europa League. Am Sonntag bestreitet er beim 1. FC Köln (17.30 Uhr/Live-Ticker) sein fünftes Derby und sein insgesamt 161. Bundesligaspiel.

Das ist deshalb so erwähnenswert, weil der Torhüter kürzlich erst 24 Jahre alt geworden ist. Leno zählt zu der Sorte Spieler über die sein Trainer Roger Schmidt sagt: Erfahrung ist keine Sache des Alters. Von dem einen oder anderen Fehler einmal abgesehen, gehörte der gebürtige Bietigheimer stets zu den verlässlichen Größen. Dass die Werkself die Champions League wieder aus eigener Kraft erreichen kann, ist auch sein Verdienst. Bayer hat die letzten drei Spiele gewonnen, blieb in den letzten vier Partien ohne Gegentor. Leno hätte nichts dagegen, diese Quote in Köln auszubauen. Der Keeper freut sich auf die Partie. "Auch wenn das vielleicht einige FC-Fans nicht als Derby sehen, für uns ist das ein besonderes Spiel. Das merkt man schon allein daran, wie viel darüber gesprochen wird. Die Atmosphäre ist eine andere, es geht mitunter etwas hitziger zu auf dem Platz. Wir wollen unbedingt gewinnen und unseren Fans etwas Gutes tun."

Für beide Klubs steht viel auf dem Spiel

Für beide Klubs geht es ungeachtet des Prestiges um viel. Die Kölner wollen dem wahrscheinlicher werdenden Klassenerhalt die Restzweifel nehmen, Bayer 04 weiter im Rennen um die Champions-League-Plätze bleiben. Wie im Vorjahr, braucht die Werkself nach durchwachsener Saison dazu einen guten Schlussspurt. Leno sieht sein Team im Konkurrenzkampf mit Berlin und Mönchengladbach aber mit guten Chancen. "Unsere Tendenz ist positiv und spricht klar für uns. Die Jungs wollen das große Ziel unbedingt erreichen – das spürt man im Training. Der Spaß ist zurück. Nichtsdestotrotz liegen die Teams eng beisammen. Wer die beste letzte Luft hat, wird Champions League spielen."

Tatsächlich ist eine Entwicklung zu erkennen. "Zuletzt haben wir weniger riskant gespielt, hatten eine bessere Balance", erklärt Leno, der zugibt: "Klar spürt man Druck, das hat man der Mannschaft auch angemerkt. Gegen Villarreal oder Hamburg zum Beispiel. Wir haben gegen den HSV zwar gewonnen, aber unser Spiel war mitunter chaotisch, noch verkrampft und auch von Verunsicherung geprägt. Das hat viel Kraft gekostet, insbesondere mental. Dennoch wirkte das Spiel gegen den HSV wie eine Art Befreiung, weil wir gezeigt haben, dass wir sehr wohl gewinnen können. Vielleicht brauchen wir diesen Druck."

Das Spiel danach gegen Stuttgart sei bereits gut gewesen, gegen Wolfsburg noch besser. "Wenn wir dieses Niveau halten, haben es alle Gegner schwer", ist der 24-Jährige überzeugt, der nach eigenem Bekunden nie wirklichen Zweifel daran hatte, dass Bayer die Trendwende gelingen würde. "Zweifel nicht, der Abstand zu den vorderen Plätzen war ja nie übermäßig groß. Aber Fußball ist mein Beruf, der einen Großteil meines Lebens bestimmt. Wenn die Dinge plötzlich schlecht laufen, beschäftigt man sich auch privat damit und fängt natürlich an nachzudenken."

Bayers neues Selbstvertrauen

Die jüngsten drei Siege haben das Selbstvertrauen wachsen lassen, dass es auf der Zielgeraden der Saison gelingt, zumindest das wichtigste Ziel Champions League zu erreichen. Hoffnung schöpft der Klub nicht zuletzt durch Rückkehrer wie Lars Bender. "Er strahlt unglaubliche Präsenz aus. Das spürt unser Team, aber auch der Gegner", findet Leno.

In den direkten Duellen hat es Bayer 04 nun selbst in der Hand. Das erste gegen Hertha BSC Berlin steigt am 30. April. Ein wichtiges Datum – auch für Leno. Bis dahin hat er Zeit, seine Ausstiegsklausel zu ziehen, die ihm einen vorzeitigen Wechsel im Sommer erlaubt. Für Leno keine einfache Situation. "Ich spiele seit fünf Jahren in Leverkusen. Es ist ja nicht so, dass ich hier unbedingt weg möchte. Ich bin dem Verein dankbar für die Chance, die ich bekommen habe. Dass man sich nach fünf Jahren vielleicht mal mit einem Wechsel beschäftigt, finde ich legitim."

Spekulationen will Leno nicht kommentieren, dem es bei seiner Entscheidung nicht ums Geld, sondern allein um sportliche Gründe geht. "Ich bin ehrgeizig, habe noch viel vor – auch in der Nationalmannschaft. Ich möchte mich dort etablieren. Das Gesamtpaket muss stimmen, deshalb wird sich zeigen, wo die Reise hingeht. Es ist nicht gesagt, dass ich weggehe. Im Moment gebe ich alles für Bayer und dass wir die Champions League erreichen."

Wer Leno kennt, weiß, dass er das auch so meint. Die Europameisterschaft im Sommer ist sein zweites großes Ziel in diesem Jahr. Nominiert war er bereits. Sein Debüt gegen die Niederlande in Hannover fiel allerdings aufgrund des Terrorverdachts aus. "Es wäre ein Traum gewesen, aber es kam bekanntermaßen etwas dazwischen. Ich verliere deshalb aber nicht die Nerven, weil ich noch kein Länderspiel gemacht habe. Ich finde es wichtig, geduldig zu bleiben, dann wird man auch belohnt."

Auch ohne Länderspieleinsatz glaubt der 24-Jährige aber an seine Chance. "Hinter Manuel Neuer ist alles offen. Ich möchte sehr gerne dabei sein, versuche die letzten sechs Spiele zu nutzen, um auf mich aufmerksam zu machen", sagt Leno. Mit Bundestorwart-Trainer Andreas Köpke hält er den Kontakt. "Wir stehen in ständigem Austausch, das ist wichtig für mich. Ich fühle mich da schon wertgeschätzt", entgegnet der Keeper. "Es ist für jeden Fußballer ein Traum, für sein Land zu spielen und die Hymne zu hören. Wenn es nicht klappt, wäre ich enttäuscht, aber es bricht keine Welt zusammen."

Dass das Verhältnis zwischen ihm und Roger Schmidt belastet und es im Training zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sein soll, dementierte der Trainer Anfang der Woche. Diverse Medien haben den 24-Jährigen mit RB Leipzig in Verbindung gebracht. Auch die englische Liga fällt in diesem Zusammenhang. Leno sagt: "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Aber ich bin ehrlich: Es ist noch alles offen – in jede Richtung. Falls es so kommt, würde ich den Verein aber vorher informieren und sicher nicht durch die Hintertür verschwinden."

Quelle: RP
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