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Bayer Leverkusen
Bitterer Tag für Christoph Kramer

Fotostrecke: Das ist Christoph Kramer
Fotostrecke: Das ist Christoph Kramer FOTO: afp, Desk
Leverkusen. Bundestrainer Joachim Löw hat drei Bayer-Profis in seinen vorläufigen EM-Kader berufen. Ein großer Verlierer ist Weltmeister Christoph Kramer. Er fehlt bei der EM – die Verpflichtung von Julian Baumgartlinger wirft überdies Fragen zu seiner Zukunft bei Bayer 04 auf. Von Stefanie Sandmeier

Fünf Profis von Bayer 04 durften sich Hoffnungen auf den Sprung ins EM-Aufgebot machen. Letztlich berief Bundestrainer Joachim Löw drei von ihnen in seinen vorläufigen Turnierkader: Torhüter Bernd Leno, Karim Bellarabi und Julian Brandt. Während sich mancher mit Blick auf die Nominierung von Sebastian Rudy oder Lukas Podolski doch etwas verwundert zeigte, bewies der Bundestrainer, dass im Fall der Leverkusener sehr wohl das propagierte Leistungsprinzip Berücksichtigung fand.

Die drei Nominierten hatten letztlich entscheidenden Anteil am erfolgreichen Endspurt der Werkself auf Platz drei. Das hob Löw auch heraus. Die Nominierung des 20-jährigen Brandt darf jedenfalls durchaus als Belohnung für seine starken Leistungen insbesondere in der Rückserie gesehen werden. Neben dem Offensivmann lobte Löw auch die Entwicklung der weiteren Youngsters Leroy Sané (Schalke 04), Julian Weigl (Borussia Dortmund) und Joshua Kimmich (Bayern München) und strich dabei insbesondere Brandts "Leistungsexplosion" im Saisonfinale heraus.

Für Karim Bellarabi gilt letztlich ähnliches. Der 26-Jährige, der bereits zehn Länderspiel-Einsätze vorzuweisen hat, ließ einer schwachen Hinrunde eine starke Rückserie folgen. Bernd Leno sprach von einem "Traum, der in Erfüllung geht". Seit 2011 spielt er in Leverkusen und bot – mit wenigen Ausnahmen – in Summe ein konstant hohes Niveau. Auch er war in den vergangenen Wochen ein Garant auf dem Weg zur Champions-League-Qualifikation. Erstmals seit der Weltmeisterschaft 2002 stehen wieder mehr als zwei Bayer-Spieler in einem deutschen Turnier-Aufgebot. Die Freude darüber war in Leverkusen groß. "Ich gönne es jedem Einzelnen", sagte Geschäftsführer Michael Schade.

Gleichzeitig tat es ihm leid – für Jonathan Tah, vor allem aber für Christoph Kramer. Für den 20-jährigen Tah kommt das EM-Turnier noch etwas zu früh. Dass dem mit so viel Talent ausgestatteten Innenverteidiger die Zukunft gehört, daran zweifelt nach dieser Spielzeit aber kaum jemand. Statt in Frankreich, wird er wohl die Olympia-Mannschaft in Rio unterstützen.

Wie die Zukunft von Christoph Kramer in der Nationalmannschaft aussieht, ist dagegen fraglich. Der 25-Jährige, dessen Chancen aufgrund der Verletzungen von Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan trotz mäßiger Saison wieder gestiegen waren, gehört zu den Spielern aus dem Weltmeister-Kader, die nicht nominiert wurden.

Aber nicht nur deshalb war es ein bitterer Dienstag für Kramer. Beinahe zeitgleich mit der Nachricht der Nicht-Nominierung kam die Bestätigung vom neuen Mainzer Manager Rouven Schröder, dass Julian Baumgartlinger und Bayer 04 in den Vertragsverhandlungen "Einigkeit erzielt haben". Einem Wechsel steht damit nichts mehr im Weg. Der Kapitän der Rheinhessen darf den Verein dank einer Ausstiegsklausel wohl für vier Millionen Euro Ablöse verlassen. Dadurch nimmt der Konkurrenzkampf im ohnehin top-besetzten Bayer-Mittelfeld weiter zu. Eine Situation, die sich Roger Schmidt wünscht, der seine Lehren aus der abgelaufenen Spielzeit gezogen hat, als es gerade im defensiven Mittelfeld viele Verletzte gab.

Interessant wird sein, wie Kramer seine Situation jetzt und in Zukunft einschätzt. Ob er den Kampf um die Plätze annimmt, denn immer glücklich wirkte der zuletzt unter anderem von Neapel umworbene Weltmeister in seiner Rolle nicht. Manch einer in Mönchengladbach würde ihn – ungeachtet der wohl nicht zu realisierbaren Transfersumme – auch gerne wieder für die Borussia spielen sehen. Angesprochen auf mögliche Abgänge, erklärte Trainer Schmidt indes stets, keine Leistungsträger abgeben zu wollen. "Gerade mit Blick auf die nächste Saison und die vielen Englischen Wochen, brauchen wir einen breiten Kader." Aber er sagte auch, dass es zu Abgängen kommen kann, wenn Spieler für sich die Chance auf Spielzeit als zu gering einschätzen.

Quelle: RP
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