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Bayer Leverkusen
Kein klares Bekenntnis von Chicharito

Bayer 04 Leverkusen: Chicharito ist glücklich, aber "man weiß nie, was passiert"
Chicharito bei einer Presserunde in Zell am See. FOTO: KSMedianet / Bayer 04
Zell am See. Über die Zukunft von Chicharito wird immer wieder fleißig spekuliert. Der Mexikaner betont, in Leverkusen glücklich zu sein. Aber: "Man weiß nie, was passiert." Von Stefanie B.-Sandmeier

Es waren bei weitem nicht so viele Fans wie zu Jahresbeginn in Orlando, aber auch in Leverkusens Trainingslager in Zell am See-Kaprun schaute dieser Tage der eine oder andere mexikanische Anhänger von Javier Hernández – genannt Chicharito – vorbei. Sei es, um sich Fotos und Autogramme abzuholen, oder einfach nur, um einen Blick aus nächster Nähe auf ihr Idol zu erhaschen, das nicht nur aufgrund seiner beeindruckenden Torquote in der vergangenen Spielzeit, sondern auch aufgrund seiner medialen Strahlkraft ein Phänomen ist. In 40 Pflichtspielen für Bayer 04 erzielte er 26 Tore, 17 davon in 28 Bundesliga-Partien. Allein über das soziale Netzwerk Twitter folgen ihm weltweit über 6,9 Millionen Menschen.

Seit Chicharito in Leverkusen spielt, profitiert auch der Werksklub von dessen Beliebtheit, der nach eigenen Angaben 12.000 Trikots mit dem Namenszug des Mexikaners auf die Reise Richtung USA und Südamerika schickt, wo dessen Fans bereits auf das neue Saisonhemd warten. Die Spiele mit Bayer-Beteiligung erreichten im zurückliegenden Jahr in Mexiko Top-Quoten. Zum Bundesliga-Start am 27. August gegen Borussia Mönchengladbach ist der US-Rechteinhaber Fox mit Live-Übertragungen wieder dabei.

Wie lange der Angreifer noch die Farben der Werkself vertritt, vermag im Profigeschäft Fußball aber niemand vorherzusagen. In Leverkusen hat gewiss niemand Interesse, den Mexikaner abzugeben. "Es gibt auch keinen Grund, warum Chicharito den Verein in diesem Sommer verlassen sollte", sagt Geschäftsführer Michael Schade. "Er fühlt sich bei uns wohl, spielt in einer guten Mannschaft Champions League." Aber Schade sagt überdies: "Auch für ihn gilt, was für jeden anderen Profi gilt: Niemand ist unverkäuflich."

Tatsächlich ist aber gerade die Champions League ein Haupt-Kriterium bei der Vereinswahl für den Mexikaner, dem es wichtig ist, sich seinen Landsleuten auf Europas Bühne präsentieren zu können. Bei welcher Summe Bayer 04 schwach werden würde, ist Spekulation. Auch Trainer Roger Schmidt betont stets, dass er davon überzeugt ist, Chicharito noch eine weitere Saison in seinen Reihen zu haben. Es müsse schon etwas Außergewöhnliches passieren, dass er Leverkusen in diesem Jahr verlässt, glaubt der 49-Jährige.

Dass sich Spieler heutzutage dennoch winden und schwertun, Treueschwüre gegenüber ihren Arbeitgebern abzugeben, verwundert in Zeiten, in denen Verträge offenkundig immer mehr an Wert verlieren, nicht. Chicharito hätte am Mittwoch das Gegenteil beweisen können. Aber von ihm gab es auf Nachfrage kein klares Bekenntnis zu seinem Klub zu hören, jedoch schwang in seinen Aussagen deutlich mehr Verbundenheit und Identifikation mit seinem Klub als noch zu Jahresanfang im Trainingslager in den USA mit.

Zu den ständig wiederkehrenden Gerüchten um einen Wechsel zu einem vermeintlich zahlungskräftigeren Klub wollte sich der Mexikaner indes nicht äußern. "Jetzt in diesem Moment bin ich Leverkusen-Spieler. Ich bin glücklich hier in diesem fantastischen Verein. Aber schauen Sie: Ich bin zweimal hintereinander am letzten Tag der Transferperiode gewechselt. Ich habe gedacht, ich bleibe in Madrid und ich habe gedacht, ich bleibe in Manchester – am Ende bin ich in Leverkusen gelandet. Man weiß also nie, was passiert", erklärte der Stürmer, der in Leverkusen noch einen Vertrag bis 2018 besitzt. Ausgeschlossen ist nicht, dass sich bis zum Ende des Transferfensters nicht noch ein Klub in Leverkusen meldet. Dann wird es spannend zu sehen sein, was all diese Worte wert sind. Ein Wechsel aber käme überhaupt nur mit der Freigabe von Bayer 04 zustande.

Wir fassen die weiteren Aussagen des 28-Jährigen zusammen.

Chicharito über …

… die Mannschaft: "Wir haben eine gute Mannschaft. Die sportliche Leitung hat bei der Zusammensetzung darauf geachtet, Spieler zu verpflichten, die zu unserer schnellen Spielweise passen und sich schnell integrieren."

… seine Offensivpartner Kevin Volland und Karim Bellarabi: "Das Zusammenspiel mit den beiden klappt schon super, aber das gilt für das gesamte Team. Zum ersten Mal in den vergangenen beiden Jahren sind wir mit Ausnahme von Lars Bender und Julian Brandt, die bei den Olympischen Spielen sind, mal als Mannschaft zusammen - ohne Verletzte. Wenn du dann so eine hohe Qualität im Kader hast wie wir, macht es die Umsetzung der Spielidee des Trainers und das Zusammenspiel leichter."

… Ziele: "Es war ein erstes fantastisches Jahr für mich. Wir sind Dritter geworden, haben uns für die Champions League qualifiziert. Ich wünsche mir, dass die kommende Saison besser und erfolgreicher wird mit den neuen Spielern. Das heißt: mehr Punkte in der Bundesliga holen, weiter im Pokal kommen und über die Gruppenphase in der Champions League bleiben."

… Stefan Kießling: "Er ist eine Legende in diesem Verein. Man kann gar nicht wirklich beschreiben, wie wichtig er für uns und den Klub ist. Wir hoffen alle, dass er schnell wieder fit wird."

… eine Torquote: "Die setze ich mir nicht. Das habe ich noch nie gemacht. Mein Ziel ist es, dass Leverkusen unter die Top vier kommt. Vielleicht können wir auch um den Titel mitspielen, man weiß nie. Leicester zum Beispiel hat der Welt gezeigt, was im Fußball alles möglich ist."

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