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Bayer Leverkusen
Kramer macht Schritt nach vorn

Fotostrecke: Das ist Christoph Kramer
Fotostrecke: Das ist Christoph Kramer FOTO: afp, Desk
Leverkusen. Bisher hatte der Weltmeister im Trikot der Werkself wenig geglänzt. Beim 1:0 gegen Mainz 05 zeigte der Mittelfeldspieler eine deutlich verbesserte Leistung und analysierte anschließend mit klaren Worten seine Eingewöhnungsprobleme. Von Patrick Scherer

Christoph Kramer gehört zu den positiven Ausnahmeerscheinungen im Fußballgeschäft was die Klarheit seiner Aussagen betrifft. In der von PR-Fachmännern und selbst ernannten Image-Veredlern geprägten Bundesliga-Glanzwelt ist der 24-Jährige eher ein Kind der alten, kernigen Schule: Mit Kuchen in der Hand und im Mund, schlichter Tasche ohne Gucci-Label in der Hand und Frisur ohne Gel steht Kramer nach dem 1:0 seiner Werkself gegen den FSV Mainz 05 lässig wirkend im Gang und spricht Klartext: "Die ersten Spiele habe ich echt schlecht gespielt. So viele schlechte Spiele wie ich hier schon gemacht habe, habe ich sonst nirgendwo gemacht." Zack - keine Verdrehung von Tatsachen, keine Schönrednerei, sondern Selbstkritik in Reinform. Hatten ihn Mitspieler und sein Trainer zuletzt immer in Schutz genommen, bringt Kramer das auf den Punkt, was objektive Beobachter ihm in den ersten Wochen seit seiner Rückkehr von Mönchengladbach nach Leverkusen unterstellt haben: Die spielerische Transformation vom Ballbesitzfußball mit ruhiger Balleroberung zu schnellem Umschaltspiel mit aggressivem Pressing hat der Weltmeister noch nicht ganz vollzogen.

"Das ist aber ganz normal, ich mache mir da keinen Stress", sagt Kramer. "Man muss ehrlich zu sich sein: Es ist ein brutal anderer Fußball als in Gladbach. Dass man beim Wechsel von einem Extrem-Fußball in den anderen Extrem-Fußball nicht direkt an die Leistungen vergangener Tage anknüpfen kann, ist logisch. Das braucht Eingewöhnung, das braucht Zeit. Und die Zeit wird man ja wohl auch bekommen dürfen. Heute habe ich, glaube ich, ein ganz gutes Spiel gemacht, weil die Kugel lief. Das kommt mir entgegen." Gegen Mainz war Kramer der auffälligste Mann auf dem Platz, hatte viele Ballkontakte, leitete Angriffe ein, bestritt viele erfolgreiche Zweikämpfe und fand in jeder engen Situation eine Lösung. "Heute hatten wir den Ball, haben Fußball gespielt, das ist das Wichtige, dann kommt mir ein Spiel entgegen. Dann holt man sich über eine Spielgeschichte Mut, holt sich Sicherheit. Das haben wir heute gemacht - noch nicht gut, aber am besten im Vergleich zu allen anderen Ligaspielen", analysiert der gebürtige Solinger.

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Und weil Kramer ein offener Typ ist, sagt er auch unumwunden, dass der Fußball, den Lucien Favre in Mönchengladbach hat spielen lassen, besser zu ihm passe: "Ich habe meine Stärken im Ballbesitzfußball, in der Tiefen-Balleroberung, so wie es das Gladbacher Spiel verkörpert hat, was ich natürlich auch zwei Jahre lang trainiert habe." Dann muss natürlich auch die Frage erlaubt sein, ob der Leverkusener Stil unter Trainer Roger Schmidt überhaupt auf Dauer für ihn ideal sei? "Man kann sich an diese Art Fußball zu spielen, gewöhnen. Es war auch am Anfang in Gladbach nicht einfach für mich, sich an den Ballbesitzfußball zu gewöhnen. Man vergisst, dass ich dort auch nicht so einen idealen Start hatte. Ich hatte ein richtig gutes erste Spiel, aber danach hat es auch ein bisschen gehapert", erklärt Kramer.

Die Situation des zentralen Mittelfeldspielers ist damit ein Spiegelbild der Lage des Vereins: Die Werkself braucht in diesen Tagen auch noch Zeit, um wieder an die Leistungen der vergangenen Saison anzuknüpfen. Gegen Mainz gelang der erste Sieg nach drei Niederlagen in der Bundesliga in Serie. Spielerisch blieb die Werkelf so manches schuldig, aber der Erfolg dürfte zumindest etwas von dem so dringend benötigten Selbstvertrauen zurückbringen. "Hätten wir das Spiel gegen Darmstadt gewonnen, hätten wir durchaus von einem vernünftigen Saisonstart sprechen können. Das haben wir nicht, also standen wir heute ein bisschen unter Druck", sagt Kramer. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, die Ruhe bewahrt, vernünftigen, ordentlichen Fußball gespielt. Das war der Schlüssel zum Erfolg, darauf können wir aufbauen."

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Kapitän Lars Bender, der nach seiner Oberschenkelprellung wieder von Beginn an spielen konnte und eine wichtige Stütze war, sagt mit Blick aufs Spiel bei Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr): "Ich hoffe, dass nun auch die Lockerheit wiederkommt." In dieser Hinsicht kann sich das Team von Bayer 04 bei Mitspieler Kramer nützliche Tipps abholen.

Quelle: RP
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