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Leverkusen
Stehaufmännchen Bayer 04

Bayer - Darmstadt: Einzelkritik
Bayer - Darmstadt: Einzelkritik FOTO: dpa, mjh fpt
Leverkusen. Nach drei Siegen sind die Leverkusener zurück in der Spur. An der Trendwende haben vor allem die Jungen großen Anteil. Von Stefanie Sandmeier

Benjamin Henrichs' Schritte vor die Mikrofone wirken natürlich noch etwas zögerlich. Wer will es dem 19-Jährigen auch verdenken, der nach dem 3:2 der Leverkusener in der BayArena die große Medienrunde vor sich hatte. Von allen Seiten wurden dem Abwehrspieler die Aufnahmegeräte entgegengestreckt, der es auf beeindruckende Weise binnen eines Dreivierteljahres vom Nachwuchsspieler ins Aufgebot der A-Nationalmannschaft schaffte. Das Tempo scheint dem jungen Mann selbst etwas suspekt. "Das ist echt krass, oder?", fragte er zurück.

Die Antwort muss lauten: Ja, das ist es! Zwischen dem Anruf von Bundestrainer Joachim Löw, der ihn zu den Länderspielen in San Marino und Italien einlud, und der Entscheidung Roger Schmidts, das Mittelfeldtalent zum Außenverteidiger umzuschulen, liegen nur elf Monate. Seitdem kennt die Entwicklungskurve des Profis mit ghanaischer Mutter und deutschem Vater, der rechts wie links verteidigen kann, nur eine Richtung - die nach oben.

Im September 2015 gab Henrichs sein Bundesliga-Debüt in Dortmund vor mehr als 80.000 Zuschauern, am Mittwoch war er beim 1:0 vor 85.000 Zuschauern im Wembley-Stadion einer der besten Leverkusener - beinahe überflüssig zu erwähnen, dass sich der Teenager auch Bestnoten gegen Darmstadt verdiente. Er gehört wie Julian Brandt (20) oder Jonathan Tah (20) zu den jungen Wilden im Team von Roger Schmidt, denen der Trainer ungeachtet sportlicher Krisen das Vertrauen schenkt. Auch sie reiften unter ihm früh zum Nationalspieler und zahlen es mit Leistung zurück.

Brandt, der nach intensivem Fußball-Sommer etwas Zeit brauchte, um Tritt zu finden, war derjenige, der dem Darmstadt-Sieg allen voran den Stempel aufdrückte. Nicht nur, weil er Hakan Calhanoglu das 1:0 auflegte, er wurde erstmals in dieser Saison auch zum Torschützen. "Wenn der Knoten platzt, ist das wichtig fürs Team, aber auch fürs eigene Ego", meinte Brandt.

Den Reigen der Jungspunde komplettierte im offensiven Mittelfeld Kai Havertz, der Vorbereiter von Charles Aránguiz' Tor zum 3:1 und mit 17-Jahren jüngster Leverkusener Bundesliga-Debütant. Der zeigte ebenso unerschrocken wie schon nach seinen Einwechslungen in Wolfsburg und Wembley mit großer Selbstverständlichkeit, was ihn auszeichnet. "Er kann alles, sogar Kopfball", schwärmte Schmidt: "Es macht Spaß, mit dieser jungen Mannschaft zu arbeiten. Sie hat alles außer Erfahrung, aber die holen wir uns gerade."

Bayer hat sich mit diesem und den Erfolgen gegen Wolfsburg und Tottenham einstweilen seiner Sorgen entledigt. "Wir sind innerhalb einer Woche von der Hölle wieder in den Himmel gekommen", fasste es Julian Baumgartlinger bildhaft zusammen. Mit diesen Siegen in der Liga und Champions League habe sein Team "eine gute Basis gelegt", ist Schmidt überzeugt. Grund für Freudentänze gibt es auch weiterhin nicht, die Richtung stimmt indes wieder. Bayers Profis nutzten die Woche, um einige Dinge geradezurücken - so wie sie es zuletzt immer taten, wenn die sportlichen Ziele bedroht schienen und es für ihren Trainer eng wurde.

Wenn es nicht lief wie vor Schmidts erster Sperre Anfang des Jahres, ließ die Werkself sieben Siege folgen. Nach dessen jüngstem Tribünenaufenthalt sind es drei. Die Hoffnung ist groß, den Bock diesmal frühzeitig umgestoßen zu haben. Die nächsten Gratmesser heißen Leipzig und Bayern München. Sie zeigen, was die Woche wert war.

Quelle: RP
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