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Bayer Leverkusen
Der Mythos Wembley macht der Werkself Hoffnung

Bayer 04 Leverkusen: Der Mythos Wembley macht der Werkself Hoffnung
Rudi Völler sieht sein Team gegen Tottenham nicht chancenlos. FOTO: dpa, gki jai
Nach drei Unentschieden in der Champions League muss Bayer Leverkusen am Mittwoch im legendären Wembley-Stadion punkten, um weiter realistische Chancen auf das Achtelfinale zu haben. Sportchef Rudi Völler ist überzeugt: "Wir haben alle Möglichkeiten."  Von Stefanie Sandmeier, London

Dichter Nebel lag beim Anflug auf London über der Stadt, in der Luft leichter Nieselregen. Der Tross von Bayer Leverkusen wurde am Dienstag vom typisch britischen Wetter empfangen. Der 20 Profis umfassende Kader der Werkself landete am frühen Mittag und bezog im Anschluss Quartier in der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches, wo am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) das vierte Spiel der Champions-League-Saison ansteht.

Vor der Abreise schwang bei Mannschaft und Trainer viel Optimismus und Hoffnung mit, dass nach der Energieleistung in Wolfsburg nun der erste Sieg in der Königsklasse gelingt. "Wir wissen alle, dass es extrem schwierig wird", sagt Kevin Kampl. "Aber wir reisen nach dem wichtigen Bundesliga-Erfolg mit einem guten Gefühl nach London. Das merkt man an der Stimmung in der Mannschaft. Mit dem Teamgeist wie in Wolfsburg und einer guten Leistung können wir auch gegen Tottenham bestehen."

Ungeachtet der eigenen Motivation erwartet der Mittelfeldmotor in der Königsklasse allerdings das "bisher schwerste Spiel. Da wird einiges auf uns zukommen". Der Slowene kennt das Wembley-Stadion, in dem Tottenham derzeit wegen eines Umbaus an der White Hart Lane seine Heimspiele in der Champions League austrägt, und weiß um die Stimmung, die die Fußball verrückten Engländer dort entfachen können. "Ich habe mit der Nationalmannschaft dort schon einmal gespielt. Das war eine einzigartige Atmosphäre. Solche Spiele hat man als Fußballer nicht oft im Leben", schwärmt Kampl. Es werde mitunter auch darauf ankommen, dieses Erlebnis nicht als Last zu empfinden. "Das sollte jeder Fußballer genießen."

Chicharito mit guten Erinnerungen an Wembley

Chicharito, der von 2010 bis 2015 (inklusive Leihe bei Real Madrid) für Manchester United spielte, blies ins gleiche Horn. "Dieses Spiel in Wembley ist ein sehr spezielles Spiel für mich, hier habe ich mein erstes Tor in meinem ersten Spiel in Europa geschossen", sagte der Stürmer.

Im Hinspiel bot Bayer 04 eine leidenschaftliche Partie und zeigte, dass man es durchaus mit dem Tabellenfünften der Premier League aufnehmen kann. Die Engländer sind zwar als einziges Team der Liga noch ungeschlagen in dieser Spielzeit, kamen zuletzt aber nicht über fünf Remis hinaus. Darunter war auch das 0:0 in Leverkusen – für Bayer 04 die dritte Punkteteilung im dritten Spiel. "Obwohl es nur drei Unentschieden waren, haben wir in jeder Begegnung bewiesen, dass wir mithalten können. Wir treffen auf eine Klassemannschaft, aber wir haben alle Möglichkeiten, in London zu gewinnen", ist Rudi Völler überzeugt. "Wembley hat den Mythos, diese Aura." Umgekehrt, wisse indes auch "Tottenham, dass es eine gute Leistung braucht, um uns zu schlagen."

Ein Sieg täte der Werkself gut - und ist angesichts der engen Tabellenkonstellation sogar notwendig. "Wer verliert, für den wird es danach schwierig", glaubt der Sportdirektor. "Dann ist zwar nicht alles verloren, aber der Druck wird noch größer."

Völler weiß, wie man in Wembley gewinnt. Als Bundestrainer gewann er mit Deutschland vor 16 Jahren das letzte Spiel in der traditionsreichen Stätte. "Das war aber das alte Wembley. Das zählt nicht", entgegnete der 56-Jährige scherzhaft. Dietmar Hamann erzielte seinerzeit beim 1:0 gegen England das historische Tor. Anschließend wurde das Stadion abgerissen und wieder neu aufgebaut.

Vor dem vierten Gruppenspieltag ist Bayer mit drei Punkten hinter Monaco (fünf) und Tottenham (vier) nur Dritter – das macht die Begegnung in London zu einem Schlüsselspiel. "Unser Anspruch bleibt, einen der beiden ersten Plätze zu erreichen", betonte der zuletzt für zwei Spiele gesperrte Bayer-Trainer Roger Schmidt. Auch er zeigte sich zuversichtlich, "weil ich den Willen der Mannschaft sehe. Wir wollen unseren besten Fußball in diesem besonderen Stadion zeigen und uns beweisen". Der Sieg in Wolfsburg sorgte im Umfeld wieder für etwas Ruhe. Ein positives Abschneiden in London würde die Position des 49-Jährigen weiter stärken, der sich allerdings keinen weiteren Fehltritt an der Seitenlinie mehr erlauben darf.

Die Tatsache, dass mit Jonathan Tah und Ömer Toprak zwei zuletzt angeschlagene Stammkräfte die Reise mit der Mannschaft antraten, verschafft Schmidt in der Abwehr womöglich wieder mehr Alternativen. In der Liga bildeten am Samstag Tin Jedvaj und Aleksandar Dragovic das Innenverteidiger-Duo. Es gibt berechtigte Hoffnung, dass der Coach im Wembley-Stadion wieder auf seinen Abwehrchef Toprak und Nationalspieler Tah zurückgreifen kann. Beide nahmen am Anschlusstraining zumindest Teil. Anschließend wollte sich Schmidt mit beiden Spielern noch einmal final besprechen. Ebenso dabei ist Hakan Calhanoglu, der sich nach Rückenproblemen wieder fit meldete. Für Kapitän Lars Bender, der sich beim VfL eine Fersenprellung mit Einblutung zuzog, kommt die Partie am Mittwoch hingegen zu früh. Stürmer Robbie Kruse fällt wegen einer Gesäßzerrung aus.

So könnten Bayer spielen: Leno – Henrichs, Jedvaj, Toprak, Wendell – Baumgartlinger, Aránguiz - Brandt, Calhanoglu, Volland, Chicharito.

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