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Bayer Leverkusen
Der nächste Tiefpunkt

Pressestimmen: "Die Gelbe Wand war zu viel für Union"
Pressestimmen: "Die Gelbe Wand war zu viel für Union" FOTO: ap, mm
Leverkusen. Zum Saisonstart hatte Bayer Leverkusen große Ziele. Zwei Monate später liegt die Werkself wieder mal am Boden. Von Jim Decker und Moritz Löhr

Nach dem Pokal-Aus bei den Sportfreunden Lotte hatten die Protagonisten nur wenig zu sagen. Als einer der wenigen versuchte sich Stefan Kießling an einer Analyse, die naturgemäß vernichtend ausfallen musste. "Das ist die schwerste Zeit, seitdem ich hier in Leverkusen bin", sagte der Stürmer, der seit immerhin elf Jahren für die Werkself kickt. Rudi Völler konnte derweil einen seiner zahlreichen Wutausbrüche nur schwer unterdrücken. "Es gibt keine Entschuldigung. Wir haben gestandene Nationalspieler im Kader. Da kann man sich gerne etwas cleverer anstellen", fluchte der Sportchef und ließ dann doch noch Dampf ab: "Das war an Dämlichkeit nicht zu überbieten."

Der Frust unterm Bayer-Kreuz sitzt spürbar tief: Auch in diesem Jahr flog Bayer 04 zeitig aus dem DFB-Pokal – wieder einmal. Dabei steht ein Sieg im Endspiel im Berliner Olympiastadion eigentlich ganz oben auf der ToDo-Liste der Verantwortlichen. Doch in nur zwei Monaten entwickelte sich aus großen Zielen eine handfeste Krise. Platz elf in der Liga, drei magere Punkte in der Champions League und jetzt das Aus im Pokal bei einem Drittligisten – die Ergebnisse sprechen gegen die Leverkusener, deren fahriger Auftritt in Lotte ins Bild passte. Drei Pflichtspiele in Folge ist die Werkself nun schon ohne Sieg.

Es ist ein Zustand, mit dem sich die Rheinländer auskennen. Konstanz ist ein Fremdwort in der Stadt. Auf tolle Starts folgten schon öfter herbe Rückschläge und furiose Aufholjagden. In dieser Spielzeit klappte nun der Start nicht. Dabei hatte man für Rekordtransfer Kevin Volland 20 Millionen Euro ausgegeben, mit Julian Baumgartlinger und Wunsch-Innenverteidiger Aleksander Dragovic kamen zudem weitere prominente und kostspielige Spieler. Trainer Roger Schmidt fühlte sich dazu berufen, die beste Bayer-Saison unter seiner Regie anzukündigen.

Die Pleite in Lotte, die der Coach nach seiner vom DFB aufgebrummten Strafe im Mannschaftsbus verfolgte, steht sinnbildlich für Bayers Dilemma: Trotz internationaler Spitzenspieler bleiben die Ergebnisse aus. Kontrollierten die Leverkusener die Partie noch in den ersten Minuten, hatten sie, als der kämpferisch und leidenschaftlich auftretende Gegner auch nur etwas stärker aufkam, nicht mehr viel entgegenzusetzen. In Überzahl ließen sie sich sogar teilweise dominieren, beim 2:2-Ausgleich sogar ganz simpel auskontern. Diese Abgeklärtheit hätte man von der Werkself und nicht vom Drittligisten erwartet.

Kevin Kampl, als letzter Bayer-Profi in Lotte bei den Journalisten, versuchte, sich dem nun erwartbaren Thema entgegenzustellen: "Wir Spieler sind für das Geschehen auf dem Platz verantwortlich. Nicht der Trainer", sagte der Bayer-Akteur, der auf dem Platz noch den besten Eindruck hinterlassen hatte. Doch ob die Bosse ihre Geduld auch nach den anstehenden Begegnungen in Wolfsburg und Tottenham aufbringen, ist fraglich. Immer größer wird der Druck, mit dem verstärkten Kader zumindest nicht schlechter da zu stehen als in der vergangenen Saison. "Wir schwanken gerade", meint Kampl, doch eigentlich ist Bayer 04 längst am Boden. Die Frage ist jetzt, ob es wieder aufstehen kann. Und wenn ja: Mit oder ohne Roger Schmidt?

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