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Bayer Leverkusen
Die Erlösung

Bayer 04 Leverkusen: Die Erlösung
Stefan Kießling durfte endlich wieder über Tore jubeln. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Mit seinen beiden Treffern beim 4:0 gegen den Hamburger SV belohnt sich Stefan Kießling für eine hervorragende Leistung.In der ewigen Torschützenliste zieht er mit 132 Toren mit Sportdirektor Rudi Völler gleich. Von Stefanie Sandmeier

Für einen Moment ließ Stefan Kießling alles von sich abprallen. Für Sekunden ließ der 31-Jährige seiner Freude freien Lauf. Er rutschte über den Boden, streckte die Arme in die Luft, ballte zwei Fäuste und schrie in den Leverkusener Nachmittagshimmel, was einfach mal raus musste. Kießling war nach seinem Treffer zum 2:0 gegen den Hamburger SV die Erleichterung anzumerken, endlich wieder getroffen zu haben. Das war für den Torjäger in dieser Spielzeit bis dahin alles andere als selbstverständlich.

Drei Mal in Folge war der Mittelstürmer in der Vergangenheit bereits Leverkusens Top-Torschütze. In dieser Saison allerdings hatte er vor dem 27. Spieltag überhaupt erst vier Mal getroffen. "Das tat mir gut. Das hat man meiner Freude sicher angemerkt. Wir haben uns belohnt für eine sehr gute Leistung, zu der ich, glaube ich, auch etwas beigetragen habe", sagte Kießling, für den es derzeit keinesfalls einfach ist, Profi bei Bayer 04 zu sein. Der Publikumsliebling durchlebt eine schwierige Zeit. Das neue System, das Trainer Roger Schmidt seit dieser Saison spielen lässt, wirkt sich auch auf seine Spielweise aus. Die wenigen Tore, die er bisher geschossen hat, sind der eine Grund. Daneben sieht sich Kießling damit konfrontiert, eben nicht mehr unumstrittene Nummer eins in der Sturmzentrale zu sein. Er spielt weniger, muss sich die Einsatzzeiten mit Josip Drmic teilen, der ebenfalls Ansprüche auf einen Platz in der Startelf stellt. Öffentliche Klagen hört man von Kießling allerdings nicht, der selbstkritisch genug ist, zu wissen, dass er auch zu recht nicht immer erste Wahl war. Stattdessen nahm er sich zuletzt etwas zurück und gab die Antwort lieber auf dem Platz.

Gegen einen enttäuschenden Hamburger SV, der wie ein Absteiger spielte, schoss sich Kießling rechtzeitig vor dem Pokal-Viertelfinalspiel gegen Bayern München morgen (20.30 Uhr, Live-Ticker) wieder warm. Zunächst köpfte er nach einer Flanke von Gonzalo Castro per Flugkopfball zum 2:0 ein (44.). In der zweiten Halbzeit staubte er in der Manier eines Mittelstürmers zum 3:0 ab (56.). Für Kießling war es der erste Doppelpack in der Liga seit September 2013. Seine Treffer 131 und 132 ließen ihn in der ewigen Bundesliga-Torschützenliste mit Rudi Völler auf Platz 20 gleichziehen. Gonzalo Castro sprach von "Toren für den Kopf und für die Seele". "Für Kieß freut es mich ungemein", sagte der zweifache Vorlagengeber, der überdies selbst zum Doppeltorschützen wurde. Dabei beeindruckte, mit welcher Selbstverständlichkeit Bayer den 4:0-Erfolg herausspielte.

Dass Schmidt auf Leistungsträger wie Hakan Calhanoglu, Heung-Min Son und Emir Spahic zur Schonung in der Startelf verzichtete, war dem Spiel nicht anzumerken. Der Trainer fuhr so mit einem guten Gefühl nach Frankreich, wo er am Sonntag das 2:3 von Olympique Marseille gegen Paris St. Germain anschaute. Besonders im Blick dürfte er den 25-jährigen Linksaußen Andrew Ayew gehabt haben, dessen Vertrag in Marseille ausläuft. Am Ghanaer sollen auch Wolfsburg, Dortmund und Schalke Interesse zeigen. Nach dem fünften Sieg in Serie ohne Gegentor stürmt die Werkself auch dank des Unentschiedens von Schalke 04 als Vierter der Bundesliga geradewegs in Richtung Champions League. Am 9. Mai, wenn Leverkusen in Mönchengladbach zu Gast ist, steht möglicherweise das Endspiel um den direkten Einzug in die Königsklasse an.

Auch im Pokal darf geträumt werden. Kießling zählt neben Simon Rolfes und Gonzalo Castro zum Bayer-Trio, das bereits vor sechs Jahren ein Viertelfinale gegen die Münchner gewann und später sogar im Endspiel stand. "Es ist ein super Erlebnis, die Bayern zu schlagen und nach Berlin zu kommen", sagt Rolfes und sendet eine Kampfansage in Richtung München. "Vielleicht können wir Fußballgeschichte schreiben. Wenn wir so spielen wie gegen den HSV, wird es auch für die Bayern schwer, zu gewinnen."

Quelle: RP
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