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Neues Selbstverständnis
Bayers neue mentale Stärke

Leverkusen. Auch gegen den BVB hat sich die Werkself nicht von einer Roten Karte beeindrucken lassen und einen weiteren Beweis für ihre geänderte Einstellung geliefert. Von Sebastian Bergmann

Auf eines können sich die Besucher in der BayArena in dieser Saison verlassen: Langweilig wird es unter Garantie nicht. Spektakuläre Tore, Rote Karten, Strafstöße, Abwehrschlachten und Aufholjagden - die Werkself sorgt derzeit für ausreichend Gesprächsstoff. Doch im Unterschied zur vergangenen Spielzeit, in der Bayer 04 allzu oft als Verlierer aus diesen Duellen hervorging, hat das Team unter Trainer Heiko Herrlich eine Mentalität entwickelt, die es ihr verbietet, sich geschlagen zu geben - so widrig die Umstände auch sein mögen.

Auch beim 1:1 gegen Borussia Dortmund musste Leverkusen nach der Roten Karte an Wendell mehr als eine Hälfte in Unterzahl spielen. "Zu zehnt war es natürlich schwierig gegen so eine Mannschaft", sagte Jonathan Tah. Der Verteidiger befindet sich derzeit in einem Formhoch. Er lobte den Zusammenhalt im Team, der letztlich maßgeblich dazu beigetragen habe, dass die Werkself auch im zehnten Pflichtspiel in Folge ungeschlagen blieb. "Jeder hat sich hundertprozentig reingehauen - das war entscheidend."

Zwar kassierte die Werkself durch BVB-Stürmer Andriy Yarmolenko noch den Ausgleich, hätte aber mit etwas mehr Glück im Abschluss beinahe noch den Siegtreffer erzielt. "Wir können mit breiter Brust in das nächste Spiel gehen", sagte Tah mit Blick auf das Duell beim VfB Stuttgart am Freitag (20.30 Uhr).

Dass die Werkself sich von Rückschlägen wie der Roten Karte an Wendell nicht mehr aus der Bahn werfen lässt, hatte sie schon zwei Wochen zuvor in der Partie gegen den anderen Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig bewiesen. Auch in diesem Duell spielte das Team von Trainer Heiko Herrlich beinahe eine komplette Halbzeit in Unterzahl und bekam zwei Elfmeter gegen sich gepfiffen. Bayer fand jedoch einen Weg zurück ins Spiel und schaffte durch viel Leidenschaft noch den verdienten Ausgleich. Die Werkself - sie hat sich in den vergangenen Monaten zu einem waschechten Mentalitätsmonster entwickelt.

"Es geht um gegenseitiges Vertrauen", erklärte Lars Bender das neue Selbstverständnis. Wenn ein Nebenmann einen Fehler mache, stehe man für einander ein, versicherte der Kapitän. "Das setzt Energie frei." Ein weiteres Merkmal für die neue Willensstärke sei die körperliche Fitness. "Wir tragen jetzt die Früchte unserer harten Arbeit im Sommer", sagte der 28-Jährige. Lob gebühre vor allem dem Trainer. Bender: "Er ist geduldig geblieben, als die Ergebnisse noch nicht so gestimmt haben, hat sich auf die Mannschaft konzentriert und uns wieder Leben eingehaucht."

Neu sei zudem, dass sich das Team auf verschiedene Umstände einstellen könne. Bislang habe es kaum eine Partie gegeben, in der die Werkself von der ersten bis zur 90. dasselbe selbe System durchgespielt habe. "Das funktioniert nurintr, wenn die Mannschaft intakt ist", sagte Lars Bender. Vergangene Saison sei das nicht der Fall gewesen. "Die Mannschaft war nicht stabil, die Köpfe leer und das Klima nicht gut", blickte er zurück. "Wir wollten wieder Spaß in die Truppe bringen und eine gesunde Atmosphäre herstellen. Das ist uns sehr, sehr gut gelungen. Deswegen haben wir in den vergangenen Wochen auch relativ stabil gespielt." Jetzt sehe man, "dass da wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht".

Auch Bayers Toptorjäger Kevin Volland, dem zuletzt in vier aufeinanderfolgenden Spielen je ein Treffer gelang, zog nach dem Remis gegen den Pokalsieger aus Dortmund seinen imaginären Hut vor den Teamkollegen. "Wir haben alle miteinander gearbeitet", sagte der 25-Jährige.

Quelle: RP
 
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