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Bayer Leverkusen
Bayer fliegt Richtung Champions League

Schalke - Bayer
Schalke - Bayer FOTO: afp, PST
Gelsenkirchen. Nach einer schwachen ersten Halbzeit genügen den Leverkusenern sechs Minuten, um aus einem 0:2-Rückstand auf Schalke einen 3:2-Erfolg zu machen. Die direkte Champions-League-Qualifikation ist plötzlich ganz nah. Von Stefanie Sandmeier

Julian Brandt musste über seine Antwort selbst ein wenig lächeln. Im Prinzip aber hatte der Offensivmann den Leverkusener Ist-Zustand recht treffend zusammengefasst. "Wenn's läuft, dann läuft's eben", sagte der 19-Jährige, der nach einem denkwürdigen 3:2-Erfolg auf Schalke auch keine Erklärung für diesen spektakulären Spielverlauf fand.

Tatsächlich war Bayers sechster Bundesligasieg in Folge weit weniger überraschend als die Art und Weise wie er zustande kam. Die Werkself hat in den vergangenen Wochen ein Selbstverständnis im Spielen und Siegen entwickelt, das nur noch größte Pessimisten daran zweifeln lässt, dass die vierte Champions-League-Teilnahme in Folge noch in Gefahr geraten könnte. Mit fünf Punkten Vorsprung auf die viertplatzierte Hertha - beim noch ausstehenden direkten Duell am Samstag - hat Bayer selbst im Rennen um die direkte Qualifikation alle Trümpfe in der Hand. "Bei der Konstellation ist klar, dass wir Platz drei nicht mehr hergeben wollen", erklärte Brandt. Bernd Leno drückte es deutlicher aus. "Alles andere wäre angesichts der Ausgangslage eine Riesenenttäuschung."

Die zweite Hälfte in Gelsenkirchen ließ keine Zweifel an diesen Aussagen offen. Bayer spielte so, als ob es die ersten 45 Minuten nie gegeben hätte, die aus Sicht der Leverkusener "richtig schlecht" waren, wie Rudi Völler meinte.

Das ging schon damit los, dass Leno bereits nach fünf Minuten einen Strafstoß von Klaas-Jan Huntelaar nach Foul von Ömer Toprak parieren musste. Aber auch danach fehlte Bayer gegen gut sortierte, offensivstarke und handlungsschnellere Schalker die Bindung zum Spiel, die durch die Treffer von Eric Maxim Choupo-Moting und Leroy Sané verdient 2:0 führten.

Trotz allem sei es in der Kabine relativ ruhig gewesen, sagte Brandt. "Wir wissen, dass wir mit unseren Spielern ein Spiel drehen können", erklärte Roger Schmidt, der sein Team in der Pause an seine Stärken erinnerte und mit kleineren Umstellungen (Stefan Kießling kam als zweite Spitze, Kevin Kampl rückte ins defensive Mittelfeld für den noch nicht fitten Lars Bender) den Offensiv-Motor ans Laufen brachte.

Brandt kommt sich vor wie im ICE

Während der sechs Minuten, die der Werkself letztlich reichten, um die Partie zu drehen, kam sich Julian Brandt jedenfalls vor wie in einem Schnellzug. "Wir sind wie ein ICE über Schalke gefahren", beschrieb der 19-Jährige bildhaft, der in den vergangenen Wochen wie sein Flügelpartner Karim Bellarabi zu einem der Gesichter des Aufschwungs geworden ist. Auch in Gelsenkirchen setzten beide entscheidende Ausrufezeichen. Begünstigt von zwei Fehlern des Schalker Torhüters Ralf Fährmann sorgten sie für das zwischenzeitliche 2:2 - Brandt traf damit in jedem der letzten fünf Spiele. Bellarabi steht im gleichen Zeitraum bei neun direkten Torbeteiligungen (drei Treffer, sechs Vorlagen). Wohl dem, der dann auch noch einen Stürmer wie Chicharito hat, der einen Konter aus eigentlich zu spitzem Winkel zum Siegtreffer abschloss. "Wir hätten sogar das eine oder andere Tor mehr machen können", befand Brandt. Allein Charles Aránguiz scheiterte zweimal an Pfosten und Latte. Der wieder genesene Chilene - mit großer Schnelligkeit, Zweikampfstärke und herausragendem Passspiel gesegnet - zeigte, auf welche Qualität Bayer 04 über Monate verzichten musste. Jetzt, da Roger Schmidt seinen Kader wieder so gut wie komplett hat, wird deutlich, über welche Möglichkeiten er verfügt. Der Trainer jedenfalls prognostiziert seiner Mannschaft eine große Zukunft.

Ob Bernd Leno daran teilhaben wird, lässt der Torhüter, der vor den Augen von Bundestorwart-Trainer Andreas Köpke eine neue EM-Bewerbung abgab, weiter offen. Bis Samstag könnte er von einer Klausel Gebrauch machen und trotz Vertrages im Sommer wechseln. Dann verließe er aber ziemlich sicher einen Champions-League-Klub.

Quelle: RP
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