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Bayer Leverkusen
Drei sind einer zu wenig

Porträt: Emir Spahic – Fußball-Profi und Rüpel
Porträt: Emir Spahic – Fußball-Profi und Rüpel FOTO: dpa, ahe nic
Leverkusen. Durch das abrupte Ende der Zusammenarbeit mit Emir Spahic hat Leverkusen in Ömer Toprak, Tin Jedvaj und Kyriakos Papadopoulos nur noch drei gelernte Innenverteidiger im Kader. Im Sommer will der Klub Verstärkung holen. Von Patrick Scherer

Die unvermeidliche Trennung von Emir Spahic nach dem Prügel-Skandal mit vereinseigenen Ordnern hat diverse Auswirkungen. Am unmittelbarsten ist davon die Mannschaft von Bayer 04 und Roger Schmidt betroffen. Der Trainer hat ab sofort eine Option im Kader weniger. In der Innenverteidigung heißt es jetzt: Plötzlich waren es nur noch drei. Bei Bayer 04 gibt man sich aber gelassen. Das gilt sowohl für die aktuelle Situation bis zum Saisonende als auch für die Kaderveränderungen im Sommer.

Viel ändert sich für Schmidt in der Tat erst einmal nicht. Spahic fällt ohnehin die kommenden Wochen mit einem Syndesmosebandanriss aus und hätte ersetzt werden müssen. Da kommt es gelegen, dass Tin Jedvaj nach überstandener Oberschenkelverletzung, die er sich im Trainingslager in Orlando/USA im Januar zugezogen hatte, wieder fit ist. Und nicht nur das: Der Kroate knüpfte gegen Hamburg und in Mainz direkt wieder an seine starken Leistungen der Vorrunde an. Auch die beiden anderen etatmäßigen Innenverteidiger vermitteln derzeit nicht den Eindruck, als müsse sich Schmidt große Sorgen machen. Ömer Toprak ist über die komplette Spielzeit bisher ein stabiler Faktor im Defensivverbund und Kyriakos Papadopoulos kann Spahic auch in Bezug auf gesunde Härte und aggressive Spielweise ersetzen. Problematisch könnte es nur werden, sollte sich einer der drei in den verbleibenden sechs Spielen in der Bundesliga verletzen. "Auch Stefan Reinartz und Lars Bender können Innenverteidiger spielen. Zudem haben wir mit Lukas Boeder einen talentierten Nachwuchsspieler auf dieser Position", erwidert Bayer-04-Manager Jonas Boldt auf Nachfrage unserer Redaktion.

Was sicher fehlen wird, ist allerdings die Erfahrung eines 34-Jährigen. Spahic gewann in dieser Saison 63,9 Prozent seiner Zweikämpfe - so viel wie kein anderer Profi der Werkself. Meist war er im Kopf den entscheidenden Schritt schneller und löste viele Situationen mit gutem Auge und technischem Geschick.

Toprak (25), Papadopoulos (23) und Jedvaj (19) haben zwar schon einige Erfahrungen im Profibereich gesammelt, die Abgeklärtheit eines Emir Spahic können sie - naturgemäß - aber noch nicht ausstrahlen. Deshalb verlängerte der Verein auch mit Spahic im November 2014: "Unser Grundprinzip, hochtalentierte und sehr junge Spieler bei Bayer 04 auf höchstem Niveau zu Top-Profis zu entwickeln, erfordert gerade auf der einen oder anderen Schlüsselposition auch erfahrene Strategen. Emir erfüllt alle Voraussetzungen, um seinen jungen Mitspielern gerade in schwierigen Situationen das nötige Selbstvertrauen zu geben, an ihre eigenen Stärken zu glauben", sagte Geschäftsführer Michael Schade damals.

Dieses Vakuum gilt es nun im Sommer zu schließen. Für die Abwehr steht in André Ramalho (Salzburg) bisher erst ein 23-jähriger Zugang fest. "Emir war eine fixe Plangröße für die neue Saison", sagt Boldt. "Aber wir werden jetzt sicher nicht in Hektik verfallen, sondern in Ruhe an einer Lösung arbeiten. Das Transferfenster im Sommer ist bis zum 31. August geöffnet." Ein Thema wird durch die neue Situation noch spannender: die Personalie Papadopoulos. Der Grieche ist von Ligakonkurrent FC Schalke 04 ohne Kaufoption bis zum Saisonende an Leverkusen verliehen. Die Schalker äußerten zuletzt, dass Papadopoulos danach zu den Gelsenkirchenern zurückkehren wird. Allerdings machen die Verantwortlichen der Werkself auch keinen Hehl daraus, dass sie den robusten Defensivspezialisten gerne weiter für Leverkusen auflaufen sehen würden. Die tabellarische Konstellation spricht derzeit ebenfalls dafür, dass "Papa" seine sportliche Zukunft wohl eher in Leverkusen - bei einem Anwärter auf einen Platz in der Champions League - sehen dürfte, als auf Schalke, wo es in der kommenden Spielzeit vermutlich nur für die Teilnahme an der Europa League reicht. Allerdings wird sich das Rennen um Papadopoulos wohl nicht nur ausschließlich auf diese beiden Vereine reduzieren.

Quelle: RP
 
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