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Bayer Leverkusen
Eine gute Halbzeit ist zu wenig

Toprak sieht in Rom Rot und verschuldet Elfmeter
Toprak sieht in Rom Rot und verschuldet Elfmeter FOTO: afp, mlm
Leverkusen. Nach der 2:3-Niederlage beim AS Rom hat Bayer 04 Platz zwei in der Gruppe verloren und muss um den Einzug in das Champions-League-Achtelfinale bangen. Diesmal leistetete sich die Werkself eine 45-minütige Ausfallzeit. Von Stefanie Sandmeier

Durchatmen. Das Erlebte sacken lassen. Einige Bayer-Profis schauten nach dem Erlebnis von Rom, dessen Spielgeschichte dieses Mal kein Happy End für die Leverkusener vorsah, ungläubig gen Himmel. Schon wieder Spektakel. Schon wieder eine Partie mit ungewöhnlichem Verlauf. Und schon wieder eine Begegnung mit zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten einer scheinbar unberechenbaren Mannschaft, der es derzeit einfach nicht gelingen will, über 90 Minuten konstant ihre Leistung abzurufen.

Salah trifft gegen Bayer nach Konter in der zweiten Minute FOTO: afp, mlm

Dieses Leverkusener Team, in dem so viel Potenzial steckt, zeigte auch in Rom seine beiden Gesichter - im Gegensatz zum 4:4 im Hinspiel aber in umgekehrter Reihenfolge. Im ersten Durchgang gab Bayer 04 ein katastrophales Bild ab, ließ sich von den schnellen Römern auskontern, dass einem die Verteidiger fast leidtun konnten. Das 0:1 nach nicht einmal zwei Minuten - war ein Beispiel für schlechte Zweikampfführung und zu große Lücken im Mittelfeld. Ein Schuss von Hakan Calhanoglu wird in Bayers Vorwärtsbewegung geblockt - zwölf Sekunden später liegt der Ball im Tor von Bernd Leno. Der Torschütze: Mohamed Salah. Was es für Bayer so schlimm machte: Dieses Spiel der Römer, nach Ballverlusten und Stellungsfehlern der Werkself schnelle Angriffe zu fahren, ging in der gesamten ersten Hälfte so weiter. Meist über Bayers linke Abwehrseite, wo Wendell mitunter überfordert war, wenn Salah auf ihn zustürmte.

Auch das 0:2 durch Edin Dzeko war verdient. "Die erste Halbzeit war schlecht, wir mussten froh sein, dass Rom uns überhaupt am Leben ließ", sagte Torhüter Bernd Leno über 45 schwache Minuten, in denen Bayer viel zu offensiv agierte, den Römern damit Raum zum Kontern gab - aber selbst kein Konzept fand, daran etwas zu ändern. "Wir hatten Glück, Rom hätte zur Pause auch höher führen können", bekannte auch Rudi Völler.

Doch die Werkself bewies erneut, dass man sie nicht zu früh abschreiben darf. Als hätte es den ersten Durchgang nie gegeben, trat im Stadio Olimpico plötzlich ein Team auf, das Moral zeigte und in seiner Zweikampfführung und Körpersprache wie ausgewechselt schien. Trainer Roger Schmidt hatte personelle Korrekturen vorgenommen und neben der Umstellung auf einen Stürmer (Chicharito) auch Karim Bellarabi ins Spiel gebracht. Bis zu seiner verletzungsbedingten Wiederauswechslung (73., Oberschenkelverhärtung) sorgte er für Belebung im Angriffsspiel, das er mit den Tor-Vorlagen für Admir Mehmedi (46.) und Chicharito bereicherte (51., viertes Tor im vierten Spiel).

Einzelkritk: Papadopoulos erlöst sich selbst FOTO: dpa, fg kno

Plötzlich hatte Bayer 04 die Oberhand und war dem 3:2 zeitweise näher als der Gegner. "Wir haben uns gesagt, dass wir hier die Köpfe nicht hängen lassen und ruhig bleiben müssen. Wir können zurückkommen, und das haben wir überragend gemacht", sagte Kevin Kampl. "Aber es ist kein tolles Gefühl, wenn du so viel Aufwand betreibst und dann mit leeren Händen heim fährst."

Ein kurzfristiger Rückfall ins Chaos bescherte der Werkself dann das bittere späte Gegentor. Ein abgefälschter Schuss von Daniele de Rossi rollte Salah vor die Füße, der vor dem leeren Tor hätten einschieben können. Doch Ömer Toprak reagierte und stieß den Ägypter von hinten ins Tornetz. Der Schiedsrichter entschied richtigerweise auf Elfmeter und Rote Karte wegen Notbremse. Völler konstatierte: "Leider haben wir am Ende durch einen berechtigten Elfmeter verloren."

Rom - Leverkusen FOTO: ap, FP

Damit hat Bayer 04 Platz zwei in der Gruppe an Rom verloren. Das Achtelfinale ist in Gefahr. Durch die Niederlage ist der Druck, in Borissow gewinnen zu müssen, enorm. Noch dazu, wenn im letzten Gruppenspiel der Gegner FC Barcelona heißt. Schmidt gibt sich kämpferisch: "Wir hätten uns sicher eine bessere Ausgangslage gewünscht. Wir müssen beide Spiele gewinnen. Aber wir geben nicht auf!"

Der 48-Jährige muss sein Team schnell wieder aufrichten. Im Derby gegen den 1. FC Köln geht es morgen (15.30 Uhr) neben dem Prestige in erster Linie darum, den Anschluss an das vordere Tabellenfeld nicht zu verlieren. Unklar ist noch, ob Bellarabi dabei sein kann.

Quelle: RP
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