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Bayer Leverkusen
Eine Rückrunde voller Erwartungen

Fotos: Bayer-Profis fahren Achterbahn in den Universal Studios
Fotos: Bayer-Profis fahren Achterbahn in den Universal Studios FOTO: KSmedianet
Leverkusen. Was will und was kann Bayer 04 sportlich erreichen? Das Ziel ist eine lange Verweildauer in allen Wettbewerben. Ob das gelingt, wird vor allem davon abhängen wie das Team Ausfälle kompensieren und Leistungsschwankungen ablegen kann. Von Stefanie Sandmeier

Wenn es so etwas wie ein gutes Omen gibt, dann soll es sich im Zusammenhang mit Bayers Rückrunden-Vorbereitung als solches erweisen. So war Leverkusens erstes Winter-Trainingslager in Orlando der Ausgangspunkt für eine aus Punktesicht besten Rückrunden der vergangenen zehn Jahre.

Die Leverkusener - die damals trotz 28 Zählern die Hinrunde als Dritter beendeten - holten 33 Punkte. Mit Hilfe einer Serie sicherten sie sich letztlich noch die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation und über die Play-offs die Teilnahme an der Königsklasse.

Mannschaft und Trainer hoffen in dieser Halbserie auf einen ähnlichen Effekt. Platz fünf, so war es unisono zu hören, wolle man nicht stehen lassen. Sowohl was die Platzierung, aber auch spielerische Entwicklung angeht, sind Fortschritte angestrebt. Eine Übersicht zeigt die Erwartungen an die Rückserie mit dem Verweis auf die zentralen Herausforderungen: Die Hinrunde: Mit 27 Punkten liegt Bayer 04 auf dem fünften Rang nach 17 Spieltagen. Eine Platzierung, die angesichts des Verlaufs der Hinserie am Jahresende zumindest versöhnlich stimmte. Zumal die Konkurrenz ebenso verlässlich Punkte liegen ließ und die Teams auf den Plätzen drei und vier in Schlagdistanz sind. Die Liga-Bilanz von acht Siegen, drei Unentschieden und sechs Niederlagen belegt in den Resultaten die Schwankungen, die Bayer 04 nicht zuletzt auch in der Champions League aufzeigte - mit teils gravierenden Leistungsunterschieden innerhalb einer Partie.

Erwartungen: Roger Schmidt weiß um die Ansprüche in Leverkusen, wo für diese Spielzeit viel Geld in den Kader investiert wurde. Er selbst versprach im Trainingslager, alles für das erneute Erreichen der Champions League tun zu wollen. Nicht mehr und nicht weniger ist trotz der durchwachsenen Hinrunde das Ziel. Das schließt Platz vier mit ein, der für die Qualifikationsspiele zur Königsklasse berechtigen würde. Der Ärger über das Ausscheiden in der Gruppenphase des laufenden Wettbewerbs ist überwunden. Das große Ziel lautet nun, möglichst weit in der Europa League zu kommen, wo im Sechzehntelfinale als nächstes Sporting Lissabon wartet. Eine ebenso lösbare Aufgabe wie das DFB-Viertelfinalduell mit Werder Bremen. Ein Sieg - und Bayer 04 stünde dort bereits im Halbfinale.

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Bernd Leno erneuerte noch einmal seinen Wunsch von einem nationalen Titel. "Zu sagen, wir wollen nur ins Viertel- oder Halbfinale bringt keinen weiter. In Leverkusen will jeder einen Titel. Davon träume ich auch", sagte der Torhüter auf der Vereins-Homepage.

Herausforderungen: Christoph Kramer stellte zu Beginn der Vorbereitung klar, "dass wir uns in allen Bereichen verbessern müssen".

Alle drei Testspiele dieser Vorbereitung offenbarten die bekannten Probleme. Bayers topbesetzte Offensive tat sich schwer beim Verwerten von Chancen. Hätte Chicharito bisher nicht so herausragend getroffen (19 Tore), dann wäre noch viel deutlicher aufgefallen, dass der Rest des Angriffspersonals offenbar Probleme mit dem Toreschießen hat. Denn Chancen gab es häufig genug. Bisher aber kommen Stefan Kießling, Admir Mehmedi, Julian Brandt und Karim Bellarabi zusammen nicht auf die Treffer, die der Mexikaner alleine erzielte. Angesichts der mangelhaften Chancenauswertung hatte auch Roger Schmidt nach dem Bochum-Spiel am Dienstag (1:2) gefordert: "Wir lassen zu viel liegen und müssen permanent daran arbeiten, um besser zu werden", sagte der 48-Jährige.

Interessant wird zu sehen sein, ob es Bayer 04 in der Rückrunde schafft, die Hektik vor dem gegnerischen Tor abzulegen und taktisch disziplinierter zu werden. Vom Erfolg wird abhängen, ob es gelingt, im Spiel eine bessere Balance zu finden und das Verhältnis von Aufwand und Ertrag positiver zu gestalten. In der Defensive gilt es, das Verteidigen von Standards zu verbessern, die zu vielen Gegentoren führten.

Damit verbunden sind die Fragestellungen: Was passiert auf der Rechtsverteidigerposition? Wie schnell gelingt Tin Jedvaj die vollständige Anpassung und wie schnell wird Roberto Hilbert fit? Oder verpflichtet der Klub doch noch Ersatz? Die Antwort ließ die sportliche Führungsriege vorerst offen.

Wovon hängt der Erfolg noch ab? Die Mannschaft zeigte sich selbstkritisch, was die Aufarbeitung der Hinrunde angeht. Der Tenor: Das Erreichte entsprach nicht den eigenen Erwartungen, auch wenn die spielerische Leistung manchmal besser war als das Ergebnis. Hoffnung auf ein besseres Abschneiden macht nicht zuletzt, dass in dieser Vorbereitung schlimmere Verletzungen ausblieben und die Langzeitverletzten nach und nach zurückkehren und damit die personellen Möglichkeiten erhöhen.

Um eine Saison mit hoher Spielbelastung erfolgreich zu absolvieren, wird nicht nur die Physis wichtig sein, sondern auch, dass Leistungsträger wie Hakan Calhanoglu, Karim Bellarabi oder Christoph Karmer zu gewohnter Stärke zurückfinden. Das System von Roger Schmidt ist darauf ausgelegt, dass alle Spieler gleichermaßen mitziehen.

Vorschau: Bayer 04 nimmt ab Samstag (mit dem Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim) zwei Spiele Anlauf für einen eng getakteten Februar mit sieben Partien. Kommt die Werkself in den beiden Pokalwettbewerben weiter, wird der März genauso intensiv. Das wünschen sich Mannschaft, Trainer und Umfeld. Das Duell mit dem Tabellenletzten Hoffenheim wird schon erste Aufschlüsse geben, wie gut die Vorbereitung letztlich gewesen ist.

Quelle: RP
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