| 08.13 Uhr

Bayer 04 Leverkusen
Endstation Elfmeterpunkt

Einzelkritik: Nur Drmic fällt ein bisschen ab
Einzelkritik: Nur Drmic fällt ein bisschen ab FOTO: afp, agz
Leverkusen. Binnen drei Wochen scheidet Leverkusen in Champions League und DFB-Pokal nach Elfmeterschießen aus. Keeper Bernd Leno rang mit den Tränen, als er versuchte, dieser Niederlage dennoch etwas Positives abzugewinnen. Von Stefanie Sandmeier

Der Held des Abends spendete lobende Worte. Als Manuel Neuer ausgiebig auf allen Kanälen über seinen gehaltenen Elfmeter Auskunft gegeben hatte, machte sich Bayerns Torhüter zielstrebig in Richtung Leverkusener Kabine auf. "Dieses Spiel hatte definitiv keinen Sieger verdient", erklärte der 29-Jährige.

Dass er kurze Zeit später mit dem gelben Trikot von Bernd Leno unterm Arm wieder rauskam, machte deutlich, wem seine Anerkennung nach diesem langen und intensiven Pokalabend in besonderer Weise galt. So viel Lob vom Welt-Torhüter konnte Leno allerdings nicht trösten. Zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Wochen scheiterten die Leverkusener in einem wichtigen Wettbewerb - zum zweiten Mal nach Elfmeterschießen. "Heute und morgen liegt sicher jeder im Bett und hadert mit dem, was passiert ist", sagte Leno. Bayer Leverkusen und die großen Spiele - dafür ist auch in dieser Saison kein Happyend vorgesehen. Was Bayer tröstete, war allein die Tatsache, dass es im Pokal ein völlig anderes Ausscheiden war als noch in der Champions League. In Madrid versagten der jungen Mannschaft, die sich zuvor 120 Minuten gegen den spanischen Meister aufgerieben und bis zum Umfallen gekämpft hatte, am Elfmeterpunkt die Nerven. Am Ende blieben nicht die Leistung zuvor, sondern drei zum Teil kläglich verschossene Strafstöße in Erinnerung.

Das war gegen die Bayern anders, weil Bayer 04 mit dem Selbstbewusstsein von sechs Siegen in Serie besser spielte, aber auch besser Elfmeter schoss. Das Team bot einen "großen Kampf" (Gonzalo Castro) und war vielleicht mehr noch als in Madrid bereit zum großen Wurf. Keineswegs überzeugende und personell dezimierte Bayern boten dafür auch alle Chancen. In letzter Konsequenz fehlte Leverkusen aber der Mut, mit etwas mehr Risiko die Entscheidung im Spielverlauf zu erzwingen. Im Elfmeterschießen war gegen eiskalte Bayern dann nichts zu gewinnen. Leverkusen unterlag mit 3:5, weil Josip Drmic an Neuer scheiterte. "Heute haben wir die beiden besten deutschen Torhüter gesehen, der beste steht bei Bayern im Tor", erklärte Trainer Roger Schmidt.

Leverkusen - Bayern: das Elfmeterschießen FOTO: dpa, jgu jai

Sein Schützling Bernd Leno parierte während des Spiels wie sein Gegenüber mehrmals glänzend, bekam aber eben im entscheidenden Moment nur die Finger an den Ball. "Es war ein Duell auf Augenhöhe. Bei den Elfmetern von Müller und Götze war ich jeweils dran und habe zumindest dran geschnuppert, einen zu halten", erklärte Leno. "Insgesamt ist das Ausscheiden aber genauso schlimm wie in der Champions League."

Der Keeper rang mit den Tränen, als er versuchte, dieser Niederlage dennoch etwas Positives abzugewinnen. "So bitter es ist, aber solche Spiele gehören zu einem Reifeprozess einer Mannschaft dazu", sagte der 23-Jährige, der keine Ausrede zulassen wollte, dass Bayerns letzter Elfmeterschütze Thiago nach seinem Tritt gegen Stefan Kießling nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. "Wir hätten einfach in der regulären Spielzeit ein Tor erzielen müssen. Chancen waren genug da", sagte Leno.

Von einem psychischen Knacks wollte Roger Schmidt nichts wissen. "Wir haben gegen Bayern und Atlético im Elfmeterschießen verloren. Das ist das Gegenteil von Tiefschlag, das ist einfach nur großartig. Wir haben uns nicht nur irgendwie ins Elfmeterschießen hineingelogen, sondern alles gegeben, um das Spiel in der regulären Spielzeit und der Verlängerung zu gewinnen. Das ist uns in beiden Fällen nicht gelungen. Aber das richtet keine Schäden an. Das wird uns stärker machen, auch wenn das ein bisschen dauert", sagte der 48-Jährige und sendete zugleich eine Kampfansage an die Konkurrenz. "Wir sind so gut und entwickeln uns so gut. Wir wollen nächstes Jahr ganz klar Champions League spielen, und das werden wir uns nicht nehmen lassen. Da werden wir am Samstag sofort wieder ein Signal senden."

Quelle: RP
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