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Bayer Leverkusen
Brandt und Bender: Finale verloren – und trotzdem Sieger

Bayer 04 Leverkusen: Finale verloren – und trotzdem Sieger
Julian Brandt kehrt mit einer Silbermedaille zurück. FOTO: afp
Rio De Janeiro. Silber für Lars Bender und Julian Brandt – Das letzte Wochenende der Olympischen Spiele war trotz der Niederlage im Endspiel ein erfolgreiches. Einziger Wermutstropfen für Bayer 04 ist die Verletzung von Lars Bender. Ansonsten bleibt viel Positives aus Rio hängen. Von Dorian Audersch und Stefan Klüttermann

Mit einer Sektflasche in der Hand stellte sich Julian Brandt nach dem Finale den Fragen der versammelten Presse. Sein Auftritt in der Mixed-Zone des Maracanã-Stadions in Rio zeigte, dass die Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille im Endspiel gegen Gastgeber Brasilien schnell der Erkenntnis gewichen ist, etwas Großes geschafft zu haben. Erst im Elfmeterschießen unterlag die deutsche Mannschaft 4:5 (1:1). Brandt trug viel zu dem spannenden Spiel bei. Nicht nur durch seinen souverän verwandelten Elfmeter, sondern auch durch etliche gute Chancen, die er entweder einleitete oder selbst zum Abschluss brachte – jedoch vergeblich.

"Ein Finale zu verlieren, ist immer enttäuschend", sagte er nach dem Spiel, "aber im Großen und Ganzen muss man sehen, dass wir einen riesigen Erfolg geschafft haben." Das werde auch entsprechend gefeiert. Die Mannschaft habe ein gutes Spiel gemacht – gegen starke Brasilianer und gegen rund 80.000 Zuschauer im Stadion. Auf den Hexenkessel, sagt er, sei das Team eingestellt gewesen. Zum Sieg der Brasilianer gratulierte er fair: "Die hatten einen enormen Druck. Den Sieg haben sie sich verdient."

Silber für den "zusammengewürfelten Haufen"

Anerkennung und Respekt zollte er auch Trainer Horst Hrubesch. "Es war sein letztes Turnier, er stand mit Leib und Seele dahinter, hat es gelebt, und hätte wohl am liebsten selbst gespielt." Hrubesch sei "einfach ein geiler Mensch", betonte der 20-Jährige, der seinen Trainer nach dem großen Finale keine ruhige Nacht gönnen wollte: "Natürlich feiert er mit. Ich werde jetzt nicht zulassen, dass er um Mitternacht ins Bett geht." Insgesamt sei der Turnierverlauf "wahnsinnig", meinte Brandt: "Wir waren ein zusammengewürfelter Haufen, hatten so gut wie keine Vorbereitung und holen Silber."

Auch für Lars Bender dürfte das Turnier in Brasilien eine Wohltat gewesen sein – vor allem aus psychischer Sicht. Der 27-Jährige hätte eigentlich schon zum Aufgebot für die WM 2014 in Brasilien gehört. Dann aber kam alles ganz anders. Am 22. Mai im Trainingslager der DFB-Auswahl in Südtirol zog er sich eine ebenso schwere wie komplizierte Muskel- und Sehnenverletzung im rechten Oberschenkel zu. Die WM war dann freilich kein Thema mehr.

Verletzungen bremsten Bender seitdem immer wieder aus. Er hat ein "Seuchenjahr" hinter sich. Auf gerade einmal elf Einsätze brachte er es in der vergangenen Spielzeit in der Bundesliga. Erst war es eine Kapselverletzung, dann eine Verletzung des Sprunggelenks, dann ein Muskelfaserriss und zu allem Überfluss auch noch ein Kahnbeinbruch. Bender konnte kaum mehr als drei Spiele hintereinander bestreiten, ehe die nächste Hiobsbotschaft kam. Für die EM in Frankreich kam er nicht in Frage.

In Brasilien hat er mehr Spiele am Stück gespielt als in der gesamten letzten Saison. Gerade im Halbfinale gegen Nigeria zeigte er, dass er fit ist. Hrubesch sagte vor dem Finale, dass die Bender-Zwillinge in der Betrachtung ihrer Leistung stets zu schlecht weg kamen. "Spieler wie die Benders haben hier mit dem Team eine Top-Arbeit gemacht. Sie haben die Jungen mitgenommen, ihnen geholfen", meinte der Coach auf der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Endspiel.

Bitter: Im Finale zog sich Lars Bender eine Verletzung am Sprunggelenk zu und musste in der 67. Minute ausgewechselt werden. Die Schwere der Verletzung ist unklar. Am Montag sollen beide in Leverkusen ankommen. Dann erfolgt eine Untersuchung des Sprunggelenks. Dennoch dürfte das Turnier beide beflügeln. "Ich denke, dass sie eine Menge aus dem Turnier mitnehmen. Nicht nur die Silbermedaille, sondern auch viel Selbstvertrauen", meint Sportdirektor Rudi Völler. Bayers Trainer Roger Schmidt sieht es ähnlich: "Ich hoffe, dass die Verletzung von Lars nicht allzu schlimme Folgen hat und dass die Jungs durch diesen Erfolg mit starkem Rückenwind zurückkommen." Das Team werde sich zudem eine entsprechende Würdigung der beiden Silbermedaillengewinner einfallen lassen.

Auf ihrer Habenseite stehen neben dem sportlichen Erfolg auch die vielfältigen Eindrücke des Turniers und der vergangenen Tage im Olympischen Dorf – eine Erfahrung, die man als Profifußballer wohl nur einmal im Leben machen kann.

Quelle: RP
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