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Bayer Leverkusen
Bayer 04 frustriert den BVB

Einzelkritik: Bestnote für Henrichs
Einzelkritik: Bestnote für Henrichs FOTO: ap, mm
Leverkusen. Durch den 2:0-Sieg gegen Borussia Dortmund meldet sich Bayer Leverkusen im Kampf um die Spitzenplätze zurück. BVB-Trainer Thomas Tuchel war der Frust indes anzumerken. Von Stefanie Sandmeier

Den freundschaftlichen Versuch eines Schulterklopfers nahm Roger Schmidt mit der Gewissheit des Sieges schmunzelnd zur Kenntnis. Leverkusens Trainer und sein Dortmunder Kollege Thomas Tuchel hatten sich nicht mehr viel zu sagen, als sie den Presseraum der BayArena verließen.

Das lag an der Deutung dieses Leverkusener 2:0-Erfolges. Tuchel sah die Foulstatistik als maßgeblich für die Niederlage. Sichtlich beleidigt zog er einen Zettel aus der Tasche. Der Mann hatte mitgezählt und wetterte gleich in mehrere Richtungen. "Gegen Mainz hatten wir 20 Fouls gegen uns, gegen Freiburg 27, in Leverkusen 21. Da werden Mittel angewendet, die in der Häufigkeit dazu führen müssen, dass man nicht komplett zu Ende spielt."

Tatsächlich war in dem Moment nicht klar, was den ehrgeizigen Fußballlehrer mehr ärgerte: das Schwächeln der Münchner nicht genutzt zu haben, oder die Herangehensweise des Gegners. Schmidt jedenfalls sah sein Team als verdienten Sieger, er habe ein "sehr faires Spiel" gesehen. "Wir haben dominiert, nicht durch Ballbesitz, sondern durch unser Spiel gegen den Ball."

Damit war der Schlagabtausch eröffnet. Die beiden Trainer schienen dort weiter zu machen, wo die Profis aufgehört hatten. "Faires Spiel, sagt der Trainer der Mannschaft mit 21 Fouls zum Trainer der Mannschaft mit sieben Fouls? Da habe ich eine andere Vorstellung davon, tut mir leid", schimpfte Tuchel. "Es könnte natürlich auch sein, dass die Dortmunder einfach sehr gut darin sind, Fouls zu ziehen", befand Schmidt süffisant. "Ballbesitz heißt ja nicht gleich Dominanz, das hat man heute glaube ich sehr gut gesehen."

Bayer Täter und Dortmund Opfer? Marcel Schmelzer überraschte es jedenfalls nicht, wie bissig und aggressiv die Werkself zu Werke ging. Seine Borussia machte daraus schlicht zu wenig. "Für mich war es in der ersten Halbzeit auch ein Tick zu viel. Aber wenn die beiden Sechser des Gegners schon früh verwarnt sind, muss man das möglicherweise nutzen." Er spielte damit auf die Tatsache an, dass Bayer die Partie nach den frühen Gelben Karten gegen Kevin Kampl und Charles Aránguiz zu elft beendete.

Tuchels Frust indes hatte weitere Gründe. Nicht nur, dass er in Gonzalo Castro und Sebastian Rode zwei Profis angeschlagen auswechseln musste. Bayer demonstrierte eindrucksvoll, wie man dem Ballbesitzfußball dieser spektakulären Mannschaft die Wirkung nimmt. Dazu war viel Energie und taktische Disziplin notwendig. Bayer verdichtete geschickt das Zentrum und ließ den flinken Offensivkräften des BVB kaum Raum zur Entfaltung. "Wir haben versucht, Dortmund die Waffen zu nehmen, ihre individuelle Qualität und Schnelligkeit im vorderen Bereich", erklärte Schmidt.

Auch deshalb war sich Hakan Calhanoglu sicher, "das wahre Leverkusen" gesehen zu haben. Der Türke war mit seinen Torvorlagen ein Gesicht dieses Erfolges. Genau wie der 19-jährige Benjamin Henrichs - erst als Links-, dann als Rechtsverteidiger - und Admir Mehmedi, der nach 22 Bundesligapartien wieder traf und das 1:0 markierte (5.). Eine erfolgreich ins Ziel gebrachte Führung in einem Ligaspiel gelang seit Monaten nicht. Chicharito vollendete zum 2:0 nach einem brillant herausgespielten Konter (79.). "Man hat gesehen: Wir können auf dem Niveau mithalten", sagte Rudi Völler. Bayer meldet sich damit nach holprigem Start zurück.

Nach der Länderspielpause, fordert Schmidt, "müssen wir dieses Level bis Weihnachten alle drei Tage bringen". Dann erst könne man von einer Wende sprechen.

Quelle: RP
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