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Bayer Leverkusen
Fünf Spieltage, fünf Erkenntnisse

Mainz - Bayer 04: Einzelkritik
Mainz - Bayer 04: Einzelkritik FOTO: dpa, gfh
Leverkusen. Der 3:2-Erfolg in Mainz könnte einen Wendepunkt nach dem durchwachsenen Saisonstart markieren. Das Erfolgserlebnis kommt gerade rechtzeitig vor den wichtigen Spielen der Werkself in Monaco und gegen Dortmund. Von Dorian Audersch und Stefanie Sandmeier

Nach dem Schlusspfiff in Mainz kannte der Jubel keine Grenzen. Kevin Kampl sackte sichtlich erleichtert zu Boden und ließ seiner Freude freien Lauf, Roger Schmidt ging zu jedem einzelnen Spieler und gratulierte - und die Fans feierten ausgelassen im Gästeblock. Die Erleichterung war spürbar. Nach dem 3:1 vor zwei Wochen gegen Hamburg gelang der ersehnte zweite Sieg. Der war wichtig für das Punktekonto, aber nicht zuletzt auch, um für Ruhe rund um Trainer Roger Schmidt zu sorgen, der einstweilen gelassener und ohne größer werdenden Druck arbeiten kann.

Der Erfolg soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Werkself noch immer hinter den Erwartungen liegt. Lässt man den Tabellenplatz außen vor, entsprechen sieben Punkte nach fünf Spieltagen und eine gefühlte Niederlage in der Champions League gegen Moskau (2:2) nicht einmal den eigenen Ansprüchen. Was dieser Sieg in Mainz tatsächlich wert ist, wird sich schon sehr schnell zeigen - bereits morgen steht in der Champions League der wichtige Auftritt in Monaco an, am Samstag kommt Borussia Dortmund. Bayer 04 hat bis hierhin wichtige Erkenntnisse sammeln können, aus denen es nun die richtigen Schlüsse zu ziehen gilt. Nachfolgend sind fünf aufgeführt:

1. Die Moral Nach einem 1:2-Rückstand in Mainz derart zurückzukommen, ist bemerkenswert. Die zweiten 45 Minuten beweisen, dass diese Bayer-Mannschaft lebt und bereit ist, notfalls für Erfolge auch zu arbeiten. "Wir haben nach der Halbzeit genau das gezeigt, was wir uns vorgestellt haben. Wenn man hinten liegt, muss man eine Schippe drauf legen, und das haben wir gemacht", sagte Sportchef Rudi Völler.

Aber: Es kann nicht im Sinne des Trainers sein, dass die Werskelf regelmäßig einem Rückstand hinterherlaufen muss. Ein altes Lied auch in der vergangenen Saison.

2. Die Qualität Nach seinem Dreierpack ist Chicharito der Held des Spieltags - aber es war genau genommen eine Energieleistung des gesamten Teams, die den Last-Minute-Sieg gegen am Ende müde Mainzer ermöglichte. Dass der Kader breiter und besser aufgestellt ist als in der vergangenen Saison, beweist ein einfacher Fakt: Das Fehlen der angeschlagenen Hakan Calhanoglu und Lars Bender war zu verschmerzen. Einzig der Ausfall von Karim Bellarabi scheint nicht ohne Weiteres kompensierbar. Dafür bereichert Stefan Kießling das Team wieder mit seiner Physis und seiner Kopfballstärke - wie vor dem 2:2, das er vorlegte. Oder vor dem 3:2, als er die Mainzer Abwehrspieler an sich band und damit Chicharito Platz schuf.

3. Die Abstimmung In Mainz wurden einmal mehr die Schwächen der Werskelf in der bisherigen Spielzeit sichtbar: Bei Ballverlusten ist die Hintermannschaft zu anfällig. Zugang Aleksandar Dragovic und Ömer Toprak harmonierten in der Innenverteidigung noch nicht besonders. Mannschaften wie Monaco oder Dortmund, die als nächste Gegner warten, werden die Lücken im Abwehrverbund noch gnadenloser nutzen als es Mainz tat. Zudem tut sich die Werkself schwer, wenn sie gegen tief stehende Gegner das Spiel machen muss - trotz der individuellen Klasse im Kader.

4. Der Maßstab Bayer 04 hat sich vor der Saison zum Bayern- und Dortmundjäger erklärt, mindestens zur dritten Kraft in der Bundesliga. Nach fünf Spieltagen kann davon (noch) keine Rede sein - auch wenn die Saison gerade erst begonnen hat. Der Abstand zu den Teams an der Spitze scheint im Moment nicht nur tabellarisch, sondern auch spielerisch gewaltig. Bayer 04 tut gut daran, sich erst einmal nur auf sich zu konzentrieren, statt auf etwaige Tabellenstände. Halbzeiten wie die zweite in Mainz oder die ersten 35 Minuten gegen Moskau müssen Regel statt Ausnahme werden - das Selbstverständnis im Spielen und Gewinnen, das die Werkself in der Schlussphase der vergangenen Saison so stark machte, gilt es, zurückzugewinnen.

5. Die Ansage Mit seinen kritischen Anmerkungen scheint Stefan Kießling die richtigen Worte gefunden zu haben. Nach dem 0:0 in Augsburg forderte er, keine "großen Sprüche" mehr zu reißen und stattdessen lieber Spiele zu gewinnen. Auch in Mainz war er nicht nur begeistert. Letztlich bläst er ins gleiche Horn, wenn er fordert: "Dass wir es viel schneller hinkriegen müssen, das Spiel anzunehmen." 

Quelle: RP
 
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